Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Nach Streit: Zeichen der Annäherung bei Immanuel

Alt-Laatzen Nach Streit: Zeichen der Annäherung bei Immanuel

Ist nach Jahren des Streits und der Funkstille zwischen dem Kirchenvorstand der Immanuelgemeinde und dem Christlichen Seniorenbundes Immanuel Zeit für eine Wiederannäherung gekommen? Der Besuch von Pastor Matthias Freytag am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Vereins weckt leise Hoffnungen.

Voriger Artikel
Flüchtlinge stellen Malerei im Stadthaus aus
Nächster Artikel
KSG: Vorgaben für Neubauten sind zu streng

Besonderer Moment: Als erster Pastor der Immanuelgemeinde besucht Matthias Freytag eine Jahresversammlung des Christlichen Seniorenbundes Immanuel. Der 30-Jährige überbringt dem Verein und seinem Vorsitzenden Werner Läwen (rechts) "herzliche Grüße" des Kirchenvorstandes. Der Christliche Seniorenbund Immanuel um Läwen und weitere weiterhin aktive Vereinsvorstände wurde 2007 nach einem eskalierten Streit mit dem im Jahr zuvor neu gewählten Kirchenvorstand gegründet.

Quelle: Astrid Köhler

Alt-Laatzen. Mehr als 130 Senioren waren zu der Versammlung gekommen. Der Vereinsvorsitzende Werner Läwen wollte seine Freude über die voll besetzten Kaffeetische im Treffpunkt Alt-Laatzen nicht verbergen. „Was gibt es schöneres für einen Vorsitzenden“, sagte er strahlend in die Runde. Doch so locker noch zu Beginn der Versammlung mit Tassen und Kuchengabeln geklappert wurde, so still wurde es, als sich der von Läwen angekündigte besondere Gast, Pastor Matthias Freytag, erhob und zum Grußwort ans Pult und Mikrofon trat.

"Ich überbringe herzliche Grüße vom Kirchenvorstand der Immanuelgemeinde", sagte der 30-Jährig und ein leises Raunen ging durch den Saal. Nach Auskunft des Seniorenbundes ist es das erste Mal, dass ein Pastor der Immanuelgemeinde eine Veranstaltung Seniorenbundes besucht. Gegründet wurde dieser im April 2007, nach heftigen Auseinandersetzungen mit dem im Jahr zuvor komplett neu gewählten Kirchenvorstand (siehe Text unten).

Er sei von seiner Vorgängerin Sabine Preuschoff wie auch von Werner Läwen ausführlich über den Konflikte informiert worden, ließ Freytag wissen. Gleichwohl wolle er die Chance des Stellenwechsels bei Immanuel nutzen, und sich „an dieser Stelle frei machen“.

Den von Läwen eingangs vorgebrachten Wunsch, als symbolisches Zeichen der Lockerung die seinerzeit ausgesprochene Raumsperre für den Seniorenbund aufzuheben und einmal im Jahr besondere Gottesdienste in der Immanuelkirche zu ermöglichen, wollte der Pastor am Mittwoch nicht zusagen. In den vergangenen Jahren habe es so tiefe Verletzungen „auf beiden Seiten“ gegeben, dass es der Sache nicht gerecht werden würde, darüber einfach hinwegzugehen. „Ich möchte mir die Zeit nehmen, diese Verletzungen auch ernst zu nehmen“, sagte Freytag. Zugleich müsse ein Ziel im Auge behalten werden, wie das, gemeinsame Veranstaltungen zu initiierten.

Bereits verständigt haben sich die Vertreter der Immenuelgemeinde und des Christlichen Seniorenbundes Immanuel auf die gemeinsame Einladung zu einer Vortragsveranstaltung in der Kirche. Noch in diesem Frühjahr soll der frühere Landtagspräsident Jürgen Gansäuer – der Laatzener hat schon mehrfach als Vermittler in dem Konflikt fungiert – dort einen Vortrag halten. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Thema sollen die Auswirkungen der Reformation in der Kulturgeschichte sein. „Das ist gute Gelegenheit sich gemeinsam auszutauschen“, sagte Freytag.

Nach der Übernahme des Amtes von Pastorin Preuschoff, die vor einem Jahr Superintendentin in Burgdorf geworden ist, befindet sich Freytag noch in der Probezeit. In 2,5 Jahren ende seine Probezeit, was allerdings nicht heiße, dass er dann gehe, betonte der gebürtige Celler lächelnd: „Es gefällt mir im Moment zu gut in Alt-Laatzen.“

Der Besuch und die Vorstellung des Pastors kam bei den Vertretern des Seniorenbundes gut an. Beide Seiten, sowohl die befragten Vertreter des Kirchenvorstandes als auch die des Seniorenbundes bezeichnen das Verhältnis inzwischen als entspannt.

Konflikte schwelten seit Jahren

Der Konflikt innerhalb der Alt-Laatzener Immanuel-Kirchengemeinde schwelt bereits seit 2006: Im Zuge der damaligen Kirchenvorstandswahl und dem Weggang des Pastors Falk Wook nach 15 Jahren spitzte sich die Auseinandersetzung zweier Gruppen um die künftige Ausrichtung der Gemeinde zu. Die Wahlen im März führten zum kompletten Austausch des Vorstandes, was weiteren Unfrieden in der Gemeinde nach sich zog. So wollte die bei den Wahlen unterlegene Gruppe, die maßgeblich im Seniorenbesuchsdienst engagiert war, ihre Arbeit möglichst eigenständig fortführen, was wiederum im neuen Kirchenvorstand auf Missfallen stieß.

Die Vorstellungen, wie künftig die Arbeit im Seniorenbesuchsdienst der Gemeinde zu organisieren und verteilen sei, gingen immer weiter auseinander. Beide Seiten machten sich seitdem gegenseitig Vorhaltungen – auch öffentlich.

Im Februar 2007 schließlich gab der Kirchenvorstand die Gründung eines zweiten Besuchsdienstes bekannt. Die bis dato dort federführend Engagierten des Aktionskreises Offene Seniorenarbeit bezeichneten dies als „Zementierung der Spaltung“ und gründeten im April mit einigen Dutzend Mitgliedern den Verein Christlichen Seniorenbund Immanuel. Im weiteren Verlauf des Konfliktes wurden auch rechtliche Schritte erwogen und mit dem Ziel der Befriedung weitere Instanzen eingeschaltet, darunter der Superintendent Detlef Brandes und die Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann. Die anberaumten Vermittlungsgespräche brachten keinen Erfolg, auch der gemäß eines Beschlusses der Gemeindeversammlung im April 2008 angestrebte Schlichtungsversuch des früheren Landtagspräsidenten Jürgen Gansäuer und des Oberkirchenrats i.R. Klaus Höner scheiterte.

Im Mai 2008 schließlich verkündete der Kirchenvorstand in Abstimmung mit dem Pfarramt, dem Kirchenkreis und der Landeskirche den Beginn eines zweijährigen Moratoriums. Seitdem herrschte Funkstille auf beiden Seiten.

Kirchenvorstand

Der Kirchenvorstand der Immanuelgemeinde vertritt formal die Interesse von zuletzt rund 1800 Gemeindemitgliedern in Alt-Laatzen. Er besteht neben dem Pastor aus sechs weiteren Vorstandsmitgliedern. Die Amtszeit des aktuellen Kirchenvorstandes endet 2018. Dann wird neu gewählt.

Christlicher Seniorenbund

Der Christliche Seniorenbund Immanuel hat historische Bezüge zur Alt-Laatzener Kirchengemeinde, engagiert sich aber als glaubens- und konfessionsoffener Verein auch in anderen Stadtteilen. Im vergangenen Jahr organisierte der Verein 142 Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 4000 Teilnehmern. Darüber hinaus bietet der Verein eine regelmäßige Computergruppe im Stadthaus an. Von den derzeit rund 380 Mitgliedern wohnt geschätzt etwa die Hälfte in Alt-Laatzen.

doc6u2q2p3bdxhsqin534e

Fotostrecke Laatzen: Nach Streit: Zeichen der Annäherung bei Immanuel

Zur Bildergalerie

Von Astrid Köhler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6wcro9u2f02uknj5j96
Marktteich-Anwohner protestieren gegen Stadtpläne

Fotostrecke Laatzen: Marktteich-Anwohner protestieren gegen Stadtpläne