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Rot-Grün will Pestizideinsatz verringern

Laatzen Rot-Grün will Pestizideinsatz verringern

Laatzen soll pestizidfreie Kommune werden: Die Ratsgruppe SPD, Grüne und GLuP fordert, dass die Stadt künftig auf ihren Flächen komplett auf Pflanzengifte verzichtet. Die Verwaltung kommt dem schon jetzt weitgehend nach – will aber an Ausnahmen festhalten.

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Beim Beseitigen von Gräsern auf Gehwegen wie hier an der Erich-Panitz-Straße verzichtet die Stadt Laatzen schon jetzt auf Pestizide.

Quelle: Dorndorf

Laatzen. "Die biologische Vielfalt ist weltweit in Gefahr, auch in Deutschland. Pestizide tragen erheblich zu diesem Verlust bei", begründet Grünen-Ratsherr Gerd Apportin den Antrag, der jetzt in den Rat eingebracht wurde. Vor allem aber seien sie eine Gefahr für die Gesundheit. "Das häufig eingesetzte Herbizid Glyphosat wird mittlerweile mit chronischen Erkrankungen, Störungen des Hormonsystems, Geburtendefekten sowie Krebs und Parkinson in Verbindung gebracht."

SPD, Grüne und GLuP wollen deshalb erreichen, dass die Stadt Laatzen künftig komplett ohne den Einsatzen von Pestizide auskommt - zumindest auf ihren eigenen Flächen. Den Anfang machen sollen Kinderspielplätze, Schulen und Kindergärten. Das Verbot solle auch für Dienstleister im Auftrag der Stadt gelten. "Die Pflichten der Kommune müssen dadurch nicht vernachlässigt werden. Diese zeigen Kommunen wie Münster, Saarbrücken und Tübingen, die seit vielen Jahren ohne Pestizide arbeiten."

Tatsächlich verzichtet die Stadt nach eigenen Angaben schon jetzt weitgehend auf solche Pflanzenschutzmittel. "Im Bereich der Grünpflege werden Herbizide seit über 20 Jahren nur noch in absoluten Ausnahmefällen wie der Bekämpfung von Neophyten (z.B. der Herkulesstaude) verwendet", heißt es in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung. Grundsätzliche setzten die Mitarbeitern auf mechanische Methoden - etwa Wildkrautbürsten, Freischneider, Abflammgeräte und seit zwei Jahren auch auf Heißwassertechnik.

Die Ausnahmeregelung will die Verwaltung allerdings bestehen lassen, da solchen invasiven Arten nicht anders beizukommen sei. "Die Herkulesstaude wird erst gefällt und dann mit Herbiziden leicht betupft", erläutert  Stadtsprecher Matthias Brinkmann das Verfahren. Diese Pflanzen kämen nur in der freien Landschaft vor - vor Kindergärten und Schulen würden Pflanzengifte deshalb nicht gebraucht.

Insektizide und Fungizide - also Mittel gegen Insekten und Pilze - verwendet die Stadt bereist seit vielen Jahren nicht mehr. Bei der Rattenbekämpfung und auf Sportplätzen gegen Wühlmäuse und Maulwürfe kommen hingegen Rodentizide wie Rattengift zum Einsatz. "Ein vollständiger Verzicht ist bei der Rattenbekämpfung leider nicht möglich", heißt es im Rathaus.

Das Thema soll am Montag, 29. Februar, im Stadtentwicklungsausschuss erörtert werden. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18 Uhr im Raum 503 des Rathauses.

In der Kritik: Glyphosat

Im Zentrum der Kritik am Pestizideinsatz steht das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, das zur Bekämpfung von Unkraut verwendet wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Glyphosat im Frühjahr 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Der Verband BUND hatte die Substanz 2013 bei einer stichprobenartigen Untersuchung im Urin von Großstädtern aus 18 europäischen Staaten nachgewiesen: 70 Prozent der Proben in Deutschland waren demnach belastet. Es gibt allerdings auch andere Bewertungen: So hält die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) es für "unwahrscheinlich", dass der Stoff krebserregend ist.

Glyphosat ist eines der weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln. Die Stadt Laatzen setzt ihn nach eigenen Angaben nur in Ausnahmefällen wie bei der Bekämpfung der Herkulesstaude ein.

Von Johannes Dorndorf

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