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Realschüler sind bei G9 die Verlierer

Laatzen/Hemmingen/Pattensen Realschüler sind bei G9 die Verlierer

Die Verlängerung der Gymnasialzeit bis zum Abitur von acht auf neun Jahren birgt für einige Realschüler ein Problem: Jugendliche, die nach dem Schuljahr 2016/17 mit einem erweiterten Realschulabschluss in die Oberstufe wechseln wollen, können das nicht.

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Gymnasiasten haben künftig wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur. Für Realschüler könnte dies im Übergangsjahr zum Problem werden.

Quelle: Armin Weigel

Laatzen/Hemmingen/Pattensen. Der erste Jahrgang, der ein Abitur nach 13 Jahren machen kann, sind die Jungen und Mädchen, die im Moment die Klasse 8 besuchen. Doch bei der Umstellung gibt es eine Lücke im System, die einige Schüler womöglich zu Verlierern der Reform macht. Schüler des zehnten Jahrgangs, die 2017 einen Erweiterten Realschulabschluss erreichen, haben nur die Wahl zwischen einem Turbo-Abi nach 12 Jahren und dem Bummel-Abi nach 14 Jahren. Der Grund: Im Schuljahr 2017/18 wird es einmalig keine Einführungsphase ("E-Phase") geben.

Bislang haben Realschüler die Klasse 10 nach ihrem Abschluss gemeinsam mit den Gymnasiasten wiederholt - als E-Phase. Nach Angaben des Kultusministeriums könnten die Schüler im Übergangsjahr stattdessen ein Jahr früher aufs Gymnasium wechseln und so das Abi nach 12 Jahren anstreben - ein extrem anspruchsvolles Ziel. Variante zwei sieht eine Wiederholung der Klasse 10 auf dem Gymnasium vor - dann würde das Abi aber erst nach 14 Jahren erreicht.

Wollen die Schüler dies umgehen, bliebe ihnen nur der Wechsel auf eine der Integrierten Gesamtschulen (IGS), die das Abi nach neun Jahren längst anbieten. "Die sind allerdings schon jetzt knallevoll", sagt Hella Kohl, Leiterin des Laatzener Erich-Kästner-Gymnasiums (EKG). Zudem seien sie für Laatzener Schüler nur schwer zu erreichen. "Wir sind nicht glücklich darüber. Es gibt schließlich Realschüler, die an unsere Schule gekommen sind, um perspektivisch bis zum Abitur weiter zu machen", sagt auch Dieter Driller-van Loo, Leiter der KGS Hemmingen. Ein ähnliches Problem hätten Schüler, die während der Oberstufe sitzenbleiben.

Immerhin hat das Ministerium inzwischen bekannt gegeben, dass man über gesonderte E-Phasen für den betroffenen Jahrgang nachdenke. Die KGS Ronnenberg etwa hat bereits eine solche E-Phase beantragt. Die Schulen in Laatzen, Hemmingen und Pattensen zögern jedoch. "Die E-Phase ist nicht das Problem. Aber wie soll eine Kursstufe für nur 20 Personen aussehen?", fragt EKG-Leiterin Kohl. Die Schüler hätten schließlich Anspruch auf mindestens zwei Pflichtprofile mit vielen Wahlmöglichkeiten. Ähnlich argumentiert Driller-van Loo: "Es müssen alle Curricula bis zu einheitlichen Prüfungsanforderungen angepasst werden. Da gibt es keine schnelle Patentlösung." 

Nun hoffen die Schulen auf Informationen vom Minsterium. "Es kann nicht sein, dass die Schulen überlegen müssen, wie die Lücke gefüllt wird", sagt Kohl. Auch deshalb haben weder die KGS Hemmingen, noch die KGS und das EKG in Laatzen Anträge für E-Phasen gestellt. Betroffen sind am EKG und an der KGS Hemmingen voraussichtlich je 20 Schüler - so viele haben sich zumindest für die nächste, noch nicht betroffene E-Phase angemeldet. An der KGS Laatzen dürften es 25 bis 30 Schüler sein. Nach Ministeriumsangaben haben 2014 landesweit 1111 Schüler mit Erweitertem Realschulabschluss das Abitur angestrebt.

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