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Trauer um früheren Gemeindedirektor Jürgen Herwig

Rethen Trauer um früheren Gemeindedirektor Jürgen Herwig

Er prägte seinen Ort - als Gemeindedirektor, als Heimathistoriker, als Mensch: Rethens früherer Gemeindedirektor Jürgen Herwig ist tot. Der Rethener verstarb am Wochenende im Alter von 91 Jahren.

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Die Geschichte Rethens war sein Steckenpferd: Immer wieder teilte Jürgen Herwig sein Wissen bei Diavorträgen zu lokalhistorischen Themen.

Quelle: Isabel Christian

Rethen. Die jüngere Geschichte Rethens ist mit wenigen so eng verbunden wie mit Herwig. Von 1964 bis zur Gebietsreform im Jahr 1974 leitete er als Gemeindedirektor die Geschicke des Ortsteils. In dieser Zeit entstanden in der damals noch unabhängigen Gemeinde etliche Bauten - von der Schulerweiterung über den Kindergarten Im Park und das Post- und Sparkassengebäude mit Ratssaal bis zum Hallenbad und zur im Herbst 1974 eröffneten Bezirkssportanlage Erbenholz. 

Vielen ist noch eine bezeichnende Anekdote in Erinnerung: Als Herwig nach der Eingemeindung am 1. März 1974 seinen Dienst im Laatzener Rathaus aufnahm, sei er mit der gut gefüllten Gemeindekasse unterm Arm erschienen - in dem stolzen Bewusstsein, dass Rethen damals trotz der zahlreichen Bauprojekte (und dank den Gewerbesteuern von Hastra und Zuckerfabrik) schuldenfrei war. "Er war immer stolz darauf, dass er die Finanzen im Blick behalten hat", sagt Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne.

Herwig blieb bis zu seiner Pensionierung Ende 1987 in Diensten der Stadt - unter anderem als Personalchef, zeitweise auch als Allgemeiner Vertreter des Stadtdirektors. Zu seinen Verdiensten zählt zudem sein Bemühen um die Aufarbeitung der Rethener Geschichte: In Diavorträgen teilte er immer wieder sein Wissens über die Historie der Ortschaft - bis ins hohe Alter. 1990 erschien der Band "Rethen (Leine)", in dem Herwig seine Erkenntnisse aufschrieb.

Im vergangenen Jahr wurde dem Sozialdemokraten nach über 50-jähriger Mitgliedschaft die Willy-Brandt-Medaille verliehen. "Er war einer der letzten Großen, die wir bei uns in der SPD gehabt haben. Für mich war er ein stückweit Vorbild", würdigte SPD-Ratsfraktionschef Ernesto Nebot das Wirken Herwigs - und ergänzt: "Er hatte immer einen sehr netten, hintergründigen Humor, der nie verletzend war."

Geschätzt wurde Herwig parteiübergreifend: "Er war ein unglaublich toller, ehrenwerter und in jeder Hinsicht zu respektierender Mensch", sagt Jürgen Gansäuser, ehemals CDU-Ratspolitiker und später Landtagspräsident. "Egal, welcher Partei man angehört, jeder konnte zu ihm kommen und unabhängig von parteipolitischen Meinungen sachbezogene, konstruktive Antworten bekommen." Im Rathaus wurde Herwig ebenso geschätzt: "Für mich war Herwig ein Vorbild - sowohl, was die Verwaltung anbelangt, als auch von der sozialen Einstellung, vom Miteinander unter Kollegen her", sagt der frühere Stadtrat Bodo Gumboldt. Zum Credo Herwigs habe gehört, dass man sich auch als Verwaltungsmann zu einer Partei bekennen dürfe. "Sinngemäß hat er gesagt: Es ist für den Bürger besser, wenn er weiß: Der hat seine Meinung. Aber gearbeitet wird hier für den Bürger und nicht für eine Partei".

Jürgen Herwig wurde 91 Jahre alt. Er hinterlässt zwei Töchter.

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