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Plastiktasche gibt's bei Rewe nur noch gerahmt

Laatzen Plastiktasche gibt's bei Rewe nur noch gerahmt

Die vorletzte Plastiktüte ist verkauft, die letzte erhält gerahmt einen Ehrenplatz bei Rewe im Leine Center. Vertreter von Rewe, der Stadt Laatzen und des Nabu haben am Mittwoch offiziell das Ende der Plastikeinkaufstüte in den Rewe-Märkten verkündet. In anderen Laatzener Läden gibt es sie noch.

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Ausstellungsstück: Die letzte Plastiktüte von einst 2000 Stück pro Woche wurde bei Rewe im Leine-Center bereits vor einigen Wochen verkauft. Rewe-Bezirksleiter Klaus Wedekind (von rechts) und Marktleiter Marco Warszawski begrüßen die Umstellung auf umweltfreundlichere Tragetaschen ebenso für gelungen wie Matthias Woithe vom Nabu Laatzen und Bürgermeister Jürgen Köhne.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. Bis vor Kurzem verkaufte allein der Rewe-Markt im Leine-Center 2000 Plastiktüten – pro Woche. "Wir sparen jetzt im Jahr deutlich mehr als 100.000 Plastiktüten ein", betonte Marktleiter Marco Warszawski. Alternativ griffen die Kunden zu Papiertüten, stabileren Kunststofftaschen, Pappkartons, Faltbeuteln oder zu eigenen Taschen und Beuteln.

"Die überwiegende Mehrheit bewertet die Umstellung positiv", berichtet Rewe-Bezirsleiter Klaus Wedekind, der für 13 Märkte zwischen Hildesheim und Stadthagen zuständig ist. "Natürlich gibt es immer ein paar Nörgler, aber man kann es nie allen recht machen." Zusätzlich zu den vorhandenen Tütenvarianten zum Preis von 0,10 Cent bis 1,69 Euro kämen bald noch Baumwoll- und Jutetasche hinzu.

Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne lobte Rewes Abkehr von der Plastiktüte als Schritt in die richtige Richtung: "Wenn große Unternehmen dieses Thema voranbringen, finde ich das richtig und wichtig. Wir sind gemeinsam für die Welt verantwortlich." Auch Matthias Woithe vom Nabu Laatzen äußerte sich positiv.

Die Rewe Group hatte den Plastiktütenverzicht im Juni im Beisein der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und seines Kooperationspartners Nabu Deutschland bekannt gegeben. Ursprünglich sollte der Verkauf zum 1. Juli eingestellt werden. Aufgrund hoher Restbestände zog sich der Abverkauf aber teilweise bis in den August.

Bei Markant kosten Plastiktüten mehr als aus Papier

Bei Markant in Grasdorf gibt es Plastiktüten – noch. "Ich verkaufe sie aber sehr ungern, weil ich Plastiktüten ekelhaft finde", sagt Marktchef André Buksch, der versucht, seine Kunden auch preislich von Alternativen zu überzeugen versucht: "Plastiktüten kosten bei uns 30 Cent, Papiertüten 20 Cent. Normalerweise ist das umgekehrt." Baumwollbeutel bietet er für 50 Cent an, obwohl sie eigentlich 80 Cent kosten müssen. Dennoch wollten die Laatzener auf Kunststoffbeutel bislang offenbar nicht verzichten. "Ich habe schon versucht, die Plastiktüten zu verbannen, aber da wurde ich fast gelyncht." Testweise habe er Tüten nur an der Kasse hinterlegt, die seltener geöffnet ist. Trotz dieser Erfahrung sollten Plastiktüten langfristig aus seinem Markant-Markt verschwinden. "Meine Mitarbeiter wirken jetzt schon auf die Kunden ein, dass sie lieber einen Baumwollbeutel oder wenigstens die Papiertüte nehmen sollen", sagt Buksch.

Edeka bietet auch Klappboxen an

Auch bei Edeka sind Plastiktragetaschen teurer als Papier. "Wir führen nur noch eine zertifizierte Plastiktüte mit dem blauen Engel für 20 Cent, eine Papiertüte für 15 Cent, einen Stoffbeutel für einen Euro und Permanent-Tragetasche für einen Euro", sagt Sprecherin Alexandra Antonatus. Edeka forciere zudem den Verkauf von Klappboxen oder Papp-Transportkarton. Kostenlose Tragetaschen biete das Unternehmen seit Jahren nicht mehr an.

Fairtrade-Baumwollbeutel bei Lidl

Lidl verkauft ebenfalls Plastiktüten mit dem blauen Engel. Diese bestehen mindestens zu 80 Prozent aus recyceltem Material. "Neben Plastiktüten bieten wir unseren Kunden auch Papier- sowie Baumwolltaschen an", so Lidl-Sprecherin Isabel Lehmann: "Lidl handelt vor dem Hintergrund von Klimawandel, zunehmender Ressourcenknappheit und steigender Energiepreise in vielen Segmenten verantwortungsvoll." Die Papiertragetasche koste 19 Cent, eine Permanent-Tragetasche 0,79 Euro und ein Fairtrade-Baumwollbeutel 1,99 Euro.

EU-Staaten müssen Ausgabe von Plastiktüten stark reduzieren

Gemäß einer Richtlinie der Europäischen Union (EU) müssen die Mitgliedstaaten den Verbrauch von Plastiktüten stark begrenzen. Der Pro-Kopf-Verbrauch soll bis Ende 2019 auf 90 Tragetaschen sinken, bis 2025 sogar auf 40. Um den Einzelhandel an der Ausgabe von Plastiktüten zu hindern, könnten die Staaten Steuern und Abgaben einführen. Sie dürfen die Tüten sogar verbieten.

Von der Regelung ausgenommen sind sehr leichte Kunststofftüten, die für Lebensmittel wie rohes Fleisch, Fisch und Milchprodukte verwendet werden. Verpackungen für Früchte, Gemüse und Zuckerwaren müssen durch Tüten aus Recyclingpapier oder durch biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststofftüten ersetzt werden.

Deutsche verbrauchten 2010 durchschnittlich 71 Plastiktüten

Nach einer Statistik des Europaparlaments verbrauchte 2010 jeder Deutsche durchschnittlich 71 Plastiktüten wie sie an der Kasse angeboten werden. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Europa ist sehr unterschiedlich: Durchschnittlich verbrauchten EU-Bürger in demselben Jahr 198 Tüten. Während Dänen und Finnen durchschnittlich mit vier Tüten auskamen, verbrauchte die Menschen in Irland durchschnittlich 20 Tüten. In Portugal sowie vielen Ländern Osteuropas (Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Portugal, der Slowakei und Slowenien) soll der Pro-Kopf-Verbrauch der Statistik nach hingegen bei etwa 450 Tüten liegen.

Der EU-Statistik nach kamen 2010 in Europa rund 95 Milliarden Plastik-Tragetaschen in Umlauf. Etwa acht Milliarden davon würden nicht ordnungsgemäß entsorgt und viele davon landen in der Natur – insbesondere in Flüssen, Seen und Meeren.

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Ausstellungsstück: Die letzte Plastiktüte von einst 2000 Stück pro Woche wurde bei Rewe im Leine-Center bereits vor einigen Wochen verkauft. Rewe-Bezirksleiter Klaus Wedekind (von rechts) und Marktleiter Marco Warszawski begrüßen die Umstellung auf umweltfreundlichere Tragetaschen ebenso für gelungen wie Matthias Woithe vom Nabu Laatzen und Bürgermeister Jürgen Köhne.

Quelle: Astrid Köhler

Von Daniel Junker und Astrid Köhler

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