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AES-Schüler erinnern an Pogrome

Gleidingen AES-Schüler erinnern an Pogrome

Die Stadt Laatzen hat am Mittwochabend am Gedenkstein in Gleidingen an die Ereignisse der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnert. Erstmals beteiligten sich auch Schüler der Albert-Einstein-Schule (AES) an der Gedenkveranstaltung.

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Die AES-Schüler Jan-Luca Biester, Leon Renner, Gurneet Mangat und Carolin Falke lesen bei der Gedenkfeier Auszüge aus einem Gespäch zwischen Propagandaminister Joseph Goebbels, SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, dem NS-Politiker Hermann Göring und der Versicherungswirtschaft vom 12. November 1938.

Quelle: Daniel Junker

Gleidingen. Die Schüler, die sich im Seminarfach Erinnern statt vergessen unter der Leitung von Wilhelm Paetzmann umfassend mit den Geschehnissen beschäftigt hatten, zitierten Auszüge aus einem Gespräch von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, NS-Politiker Hermann Göring und der Versicherungswirtschaft vom 12. November 1938. "In dem Gespräch kündigten die Beteiligten bereits die Shoah an", erklärten die Schüler die folgenschwere Bedeutung des Gesprächs für den Völkermord an den Juden.

Göring hatte in dem Gespräch, wenige Tage nach dem Pogrom erklärt: "Mit der Vernichtung jüdischen Eigentums schädigen sie nicht die Juden, sondern schließlich mich, denn die Versicherung ersetzt den Juden den Schaden. Mir wäre es lieber gewesen, ihr hättet 200 Juden mehr erschlagen."

Der Laatzener Bürgermeister Jürgen Köhne betonte, dass Gedenktage wie der 9. November sich nicht nur auf die Vergangenheit beziehen: "Die Welt ist komplexer und schwieriger geworden. Mit Fremdenfeindlichkeit wird heute wieder erfolgreich um Wählerstimmen geworben." Das Wiedererstarken von Nationalismus in dieser Form sei noch vor wenigen Jahren kaum denkbar gewesen. "Heute erstarkt er in vielen Ländern Europas und vielleicht demnächst auch in Amerika", sagte Köhne.

Shlomo Friedenberg von der jüdischen Gemeinde Hannover sagte, die Juden könnten verzeihen, "aber vergessen können wir das nie." Die Verbrechen der Vergangenheit müssten der Bevölkerung deshalb auch in Zukunft vor Augen gehalten werden. Am Anschluss daran legten Friedenberg und Köhne Kränze am Gedenkstein nieder.

Etwa 60 Laatzener nahmen an der Gedenkfeier an der Ecke von Thorstraße und Hildesheimer Straße teil. "Wir beobachten, dass über die Jahre immer mehr Besucher hierherkommen", sagte Jörg Schmidt, der die Gedenkfeier für die Stadt organisiert hatte. Die Erinnerung an die Pogromnacht habe eine besondere Bedeutung.

Dies zeigt auch das Engagement der AES, die sich seit Jahren im Unterricht mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt. So war die Gedenkfeier gestern nicht die erste, an der sich Schüler aus Paetzmanns Kurs beteiligten. Die Jugendlichen haben sich auch an der Debatte um das umstrittene Ehrenmal in Alt-Laatzen beteiligt und sich mit dem Opferbegriff auseinandergesetzt. Ihre Ergebnisse sollen in die geplante Umgestaltung des Ehrenmals mit einfließen. Die Schüler wollen sich darüber hinaus auch an der Gestaltung des Volkstrauertags am Ehrenmal beteiligen.

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Von Daniel Junker

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