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Schülerschikane ist auch in Laatzen Thema

Laatzen Schülerschikane ist auch in Laatzen Thema

Die Opfer werden schikaniert, stehen meist allein - und oft bekommt es die ganze Klasse mit: Auch an Laatzener Schulen gibt es Mobbing. Auf Vorschlag der CDU hat sich der Schulausschuss des Themas angenommen - und sieht unter anderem an Grundschulen Handlungsbedarf.

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Auch im Internet wird gemobbt - oft per Smartphone.

Quelle: Armin Weigel (dpa)

Laatzen. Eines stellten die beiden Schulsozialarbeiterinnen Carola Pfennig (Albert-Einstein-Schule) und Nicole Tsioutsioumi (Grundschule Pestalozzistraße) von vornherein klar: Nicht alle Fälle von Konflikten zwischen Schülern sind Mobbing. „Der Begriff wird oft inflationär gebraucht“, sagte Pfennig, die gemeinsam mit anderen Experten in den Ausschuss eingeladen worden war. Voraussetzung für Mobbing sei, dass Täter ihr Opfer wiederholt schikanieren, ein Machtgefälle entsteht und die Opfer keine Möglichkeit haben, sich selbst zu helfen.

Solche Fälle gebe es auch an AES und Grundschule Pestalozzistraße. Bekannt würden relativ wenige: Pfennig hat keine Gesamtzahlen für die AES, weiß aber von vier bis fünf Fällen in den neun Monaten eines Mobbing-Projekts, in das sie involviert war. Tsioutsioumi schätzt die Zahl für ihre Schule auf etwa zwei pro Jahr. „Aber das Dunkelfeld ist hoch.“

Dabei sei es für Lehrer schwer, überhaupt Kenntnis von Fällen zu bekommen. Zum Beispiel beim Cybermobbing im Internet: „Bei einer Whats-App-Gruppe wird selten der Lehrer eingeladen“, sagte Martin Zahel von der Polizeiinspektion Süd. Eine Befragung durch das kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen habe ergeben, dass 30 Prozent aller Schüler schon mit Mobbingfällen zu tun gehabt hätten.

Wenn Fälle von Mobbing bekannt würden, empfehlen die Sozialarbeiterinnen, dies unbedingt der Schule zu melden - und nicht etwa zu versuchen, dies unter den Eltern zu lösen. „Wir haben schon erlebt, dass die Eltern eigene Wege gegangen sind. Das war immer schlecht für die Opfer“, berichtete Pfennig. Schließlich seien bei den Beteiligten immer Emotionen im Spiel. Mobbing betreffe zudem nicht nur Opfer und Täter, sondern die ganze Klasse. Ganz wichtig sei es auch, die konkreten Vorfälle zu dokumentieren.

Probleme nicht immer ernst genommen

Wie groß der Leidensdruck ist, erläuterten einige Eltern, die die Ausschusssitzung besuchten. Eine Mutter aus Ingeln-Oesselse berichtete, sie habe erlebt, wie Lehrer die Probleme ihres Sohnes nicht ernst genommen hätten - teils unter dem Verweis, die Kinder müssten alles unter sich regeln oder man sei nicht zuständig. „Ich würde mir wünschen, dass Schulungen stattfinden“, sagte sie.

Tatsächlich gibt es solche Schulungen - offen blieb, ob an allen Laatzener Schulen. Pfennig und Tsioutsioumi berichteten sowohl von Lehrerfortbildungen als auch von Projekten mit Schülern an ihren jeweiligen Schulen. Die AES beginne damit inzwischen in Jahrgang 5. Auf die Frage an die Fünftklässler, wie viele eigentlich schon einmal ein Sozialtraining durchlaufen hätten, meldeten sich zwar in der Regel einige, sagte Pfennig. „Aber manche haben gar nichts gemacht.“

„Wichtig ist, dass jede Schule ein gutes Interventionskonzept und ein Gewaltpräventionskonzept hat“, sagte Nicola Wilmers, schulpsychologische Dezernentin der Landesschulbehörde. Aus Sicht Pfennigs ist auch die Vernetzung unter den Schulen und Kindergärten ein erfolgversprechender Weg - ähnlich, wie es seit einigen Jahren in der Nachbarstadt Hemmingen praktiziert werde. Auch Marion Bode-Pletsch (SPD) sieht Handlungsbedarf: „Wir müssen ein Konzept für alle Schulen finden“, forderte sie.

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