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Schulen bestehen auf Neubau abseits der Marktstraße

Laatzen-Mitte Schulen bestehen auf Neubau abseits der Marktstraße

Bis 2021 soll der Neubau des Erich-Kästner-Schulzentrums stehen, derzeit erarbeiten Arbeitsgruppen von Planern, Politik und Schulen ein Konzept. Noch offen ist die Standortfrage: Die Schulen raten dringend von einer Lage nahe der Marktstraße ab - und befürchten, dass sich die Politik darüber hinwegsetzt.

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Oberschulleiter Sven Hinzpeter und Gymnasialleiterin Hella Kohl plädieren für eine geschlossene Campus-Lösung am Erich-Kästner-Schulzentrum.

Quelle: Dorndorf

Laatzen-Mitte. Die Übergänge zwischen dem Schulgelände und dem öffentlichen Raum sind beim Erich-Kästner-Schulzentrum bislang fließend. Zwischen Sporthallen und Schuleingang führt ein öffentlicher Weg - und auch im rückwärtigen Bereich gibt es Durchgangsverkehr. "Das Schulgelände wird in zwei Teile zerteilt", beschreibt Sven Hinzpeter, Leiter der Erich-Kästner-Oberschule, die Situation. "Auf dem öffentlichen Weg haben wir nicht einmal eine Weisungsbefugnis."

Vom geplanten Neubau erhoffen sich beide Schulen mehr Geschlossenheit. "Basis für eine störungsfreie pädagogische Arbeit ist ein Schulzentrum als geschlossener Gebäudekomplex ohne Durchgangsverkehr", heißt es in einem gemeinsamen Thesenpapier, das die Gremien des Erich-Kästner-Gymnasiums und der Oberschule bereits im April beschlossen haben.

Um dieses Ziel zu erreichen, befürworten beide Schulen eine Verlagerung des Gebäudes in Richtung der Sportplätze - und weg von der Marktstraße. "Es soll aus unserer Sicht eine Art Campus werden, der ein Gefühl von Heimat bietet", sagt EKG-Leiterin Hella Kohl. Mit der neuen Lage erhöhe sich auch die Distanz zum Leine-Center - und somit die Möglichkeit zu verhindern, dass die Schüler unerlaubt das Gelände verlassen.

In der Lenkungsrunde zum Schulneubau und in mehreren Workshops haben die Schulen die Möglichkeit, ihre Vorstellungen einfließen zu lassen - eigentlich. Sorge bereitet nun allerdings der jüngste Beschluss des Rates, der eine weitere Arbeitsgruppe eingerichtet hat. Und zwar ohne Beteiligung der Schulen: Die neue AG "Integrierte Planung der Baumaßnahmen in Laatzen-Mitte" soll bis Februar 2018 den städtebaulichen Rahmen für die geplanten Projekte im Stadtzentrum erarbeiten. Dazu zählt nicht nur der Schulneubau, im Paket sind vielmehr auch andere Projekte wie der Rathaus-Neubau, die Überplanung des Abenteuerspielplatzes, der dritten Bauabschnitt des Stadthauses, die Umgestaltung des Marktteichs und die künftige Nutzung des städtischen Bürogebäudes an der Gutenbergstraße.

Die Schulen wünschen sich nun Mitsprache in dieser AG, zumal die "Festlegung von Baufeldern und Vorratsflächen auf dem Gelände des Erich-Kästner-Schulzentrums" laut Ratsbeschluss ausdrücklich zu deren Auftrag gehört. "Die Sorge ist, dass sich die Politik unsere Vorschläge zwar anhört, aber losgelöst davon Entscheidungen trifft, die den Interessen beider Schulen widersprechen", sagt EKG-Leiterin Kohl. Zumal die AG ausdrücklich den Auftrag hat, den städtebaulichen Rahmen abzustecken. "Wir haben nicht den Anspruch, optisch ins Stadtbild zu passen, sondern im Mittelpunkt steht für uns der Charakter des Schulzentrums."

Ganz unbegründet dürften die Sorgen nicht sein: Bei der Umplanung des Marktteich-Bereichs hatten die Arbeitsgruppen von "Laatzen-Mitte wird top" mehr als zwei Jahre über einen Neuentwurf diskutiert, der dann hinter verschlossenen Türen verworfen und binnen weniger Tage durch die Ratsgremien gepeitscht wurde. Die Debatte wurde auch an den beiden Schulen mit Sorgen verfolgt.

Dass die Auffassungen voneinander abweichen, war bereits im Februar dieses Jahres deutlich geworden: Damals schlugen SPD, Grüne und Linke vor, das Schulzentrum an die Straße vorzuziehen und zudem die Stadtbücherei in das Gebäude zu integrieren - eine Idee, die direkt der Campus-Idee der Schule widerspricht. "So könnte nicht sichergestellt werden, dass sich keine schulfremde Person unbefugt im Gebäude aufhält", wenden EKG und EKO in einem gemeinsamen Statement ein. Noch ist Zeit, sich zu einigen: Der Zeitplan sieht vor, dass das pädagogische Konzept im Februar 2018 stehen soll.

Das wünschen sich die beiden Schulen:

Wenn es nach Oberschule und Gymnasium geht, wird der Neubau des Erich-Kästner-Schulzentrums künftig völlig anders gegliedert sein als bislang. "Beide Schulgemeinschaften stellen einstimmig fest, dass die enge räumliche Verzahnung zweier selbstständiger Schulformen ein baulicher Gründungsfehler war", schreiben EKG und EKO in einem gemeinsamen pädagogischen Statement. Der Neubau werde als Chance gesehen, räumliche Bedingungen zu schaffen, die "dem konkreten Bedarf der jeweiligen Schulform entsprechen als auch einer konfliktfreien und angemessenen Zusammenarbeit im Schulzentrum förderlich sind".

Fachräume: Als Beispiel nennt EKG-Leiterin Hella Kohl die Aufteilung der naturwissenschaftlichen Bereiche. EKG und EKO haben im Sek-I-Bereich - also für die unteren Jahrgängen - eine gemeinsame Sammlung, die Oberstufe sei davon räumlich getrennt. Künftig soll die EKG-Sammlung aus Sicht des EKG zusammengefasst werden, so dass die Lehrer nicht zwischen zwei getrennten Bereichen wechseln müssen.

Pausenbereiche und Außengelände: Eine große Pausenhalle mit entsprechendem Lärmpegel soll es künftig nicht mehr geben. Im Innenbereich wünschen sich Kohl und EKO-Leiter Sven Hinzpeter kleinere Einheiten, in denen sich die Schüler aufhalten können. Auch im Außengelände sollten kleinere - schulformübergreifende - Bereiche geschaffen werden, deren Angebote sich am Alter der Schüler orientieren.

Forum: Das vor kurzem sanierte Forum soll bekanntermaßen stehen bleiben. "Der Bereich ist allerdings aus Brandschutzgründen nur für 300 Menschen ausgelegt", sagt Kohl - angesichts der aktuellen Schülerzahlen von 800 Gymnasiasten und 500 Oberschülern viel zu wenig, um Veranstaltungen wie Abitur- und Einschulungsfeiern angemessen durchzuführen. "Das Forum müsste die doppelte Größe haben", meint Hinzpeter.

Unterrichtsräume: Wie die Fachräume sollen auch die Klassenräume getrennt werden. Das hänge auch mit den völlig verschiedenen Unterrichtskonzepten zusammen, betonen die Schulleiter. Während am Gymnasium Lerneinheiten oft in Doppelstunden unterrichtet würden, benötigen die Schüler der Oberschule mehr Lernpausen, in denen der EKG-Unterricht nebenan gestört würde. Völlig unterschiedlich ist der Bedarf an Raumgrößen in den beiden Schulen. Vor allem die Oberschule benötigt mehr Kleingruppenräume, da dort mehr Inklusionsschüler unterrichtet werden.

Musik- und Kunstbereich: Der musische Bereich könnte von beiden Schulen gemeinsam genutzt werden - etwa in Form einer Art "Musikpavillon", der aus akustischen Gründen von den übrigen Unterrichtsräumen getrennt sein sollte.

Sporthallen: Insbesondere in den letzten Jahren ist die Schülerzahl erheblich gestiegen - und damit auch die Anforderungen im Sportbereich. Die Turnhallen seien für 800 Schüler ausgelegt. "Wir sind aber bei 800 und 500 Schülern", sagt Kohl - und die Prognose deutet weiter auf Wachstum. "Eine dritte Turnhalle muss deshalb mit bedacht werden."

Lehrerzimmer: Aktuell besteht der Lehrerbereich aus zwei offen verbundenen Räumen, die laut Kohl und Hinzpeter auf 70 Personen ausgerichtet sind. Heute verfüge allein das Gymnasium über 70, die Oberschule über 55 Lehrkräfte.

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