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Schwester Ulla hilft kostenlos

Ingeln-Oesselse Schwester Ulla hilft kostenlos

Bereits seit mehr als 30 Jahren finanziert die Ebelingsche Stiftung eine Gemeindeschwester in Ingeln-Oesselse. 20 Stunden pro Woche kümmert sie sich kostenlos um Menschen im Doppeldorf. Viele wissen aber offenbar nichts von dem Angebot.

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Schwester Ulla kümmert sich 20 Stunden pro Woche kostenlos um Patienten in Ingeln-Oesselse.

Quelle: Stephanie Zerm

Laatzen. Verbände wechseln, Arzneimittel verabreichen, Hilfe bei der Körperpflege, Essen kochen oder Einkaufen gehen: Wann immer die Bewohner Ingeln-Oesselses Hilfe brauchen, können sie auf Gemeindeschwester Ulla Saffe zählen. 20 Stunden pro Woche steht die gelernte Krankenschwester kostenlos zur Verfügung. Finanziert wird die halbe Stelle von der Ebelingschen Stiftung. „Wir decken damit Leistungen ab, die über das hinaus gehen, was die Pflegeversicherung zahlt“, erklärt Wolfgang Zingler vom Kuratorium. Dies sei vor allem dann der Fall, wenn noch kein Kostenträger für Pflegeleistungen da sei, bei Beratungen oder in Notfällen.

Bereits 1926 hat die Stiftung die erste Schwesternstation in Ingeln eingerichtet und anschließend, mit Unterbrechung des Krieges, die Gemeindeschwester finanziert. Im Gegensatz zu früher trägt diese heute allerdings keine Haube mehr und kommt auch nicht auf einem sperrigen Damenrad, sondern mit einem kleinen weißen Flitzer der Diakonie angedüst. Denn Schwester Ulla ist bei der Diakonie-Sozialstation des Kirchenkreises Laatzen-Springe in Laatzen angestellt, die bei Bedarf auch eine Vertretung stellt. Die Kosten bekommt der Kirchenkreis von der Stiftung erstattet.

„Durch meine Arbeit möchte ich es älteren Menschen ermöglichen, in ihrem häuslichen Umfeld bleiben zu können“, sagt die Gleidingerin, die seit 2011 Gemeindeschwester in Ingeln-Oesselse ist. Manchmal sei es wichtig, einfach nur da zu sein und zuzuhören. Und das kann Schwester Ulla. „Ich kann mir Zeit nehmen und muss mich nicht an einen engmaschigen Zeitplan halten.“

Im vergangenen Jahr hat sie die Bewohner des Doppeldorfes insgesamt 1000 Stunden lang betreut. Dabei wissen viele gar nicht, dass es die Gemeindeschwester gibt. „Ich habe lange Zeit eine Beratung zum Thema Pflege angeboten“, berichtet sie. Das Echo darauf sei allerdings sehr gering gewesen.

„Vielleicht liegt es daran, dass Schwester Ulla keine Räumlichkeiten in Oesselse hat“, vermutet Wolfgang Zingler. Schon seit Jahren suche die Stiftung vergebens nach etwas Passendem.

So hat Schwester Ulla ihr Büro in den Räumen der Sozialstation in Laatzen-Mitte und kommt nur auf Anfrage nach Ingeln-Oesselse. „Wir wären dankbar, wenn uns jemand etwas Geeignetes anbieten würde“, sagt Zingler und vermutet: „Dann würden vielleicht auch mehr Anwohner das Angebot in Anspruch nehmen.“

Wer Hilfe von Schwester Ulla haben will und in Ingeln-Oesselse wohnt, erreicht sie am besten vormittags in der Zeit von 8 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer (0511) 982910.

Ziel ist die Förderung des Gesundheitswesens

Die Ebelingsche Stiftung gibt es seit 1908. Der Ingelner August Ebeling hat ihre Gründung in seinem Testament verfügt. Seine zwei Höfe in Ingeln mit Ländereien von rund 78 Hektar vermachte er der damals noch selbstständigen Gemeinde Ingeln. Aus den Einkünften aus der Verpachtung sollte ein Krankenhaus in Ingeln gebaut werden. Auslöser für das Vorhaben war der tragische Tod seines Sohnes, der mit 19 Jahren nach einem Reitunfall starb und aus Ebelings Sicht hätte gerettet werden können, wenn er schneller medizinisch versorgt worden wäre. Um ein Krankenhaus im Ort zu errichten, reichte das Geld jedoch nicht aus. Zudem machten der Erste Weltkrieg und die Inflation von 1923 die Pläne zunichte. Als Ersatz für das Krankenhaus wurde in den Zwanzigerjahren eine Sozialstation gegründet und für die Ingelner ein Badehaus errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs geriet die Stiftung in Gefahr. Die Nationalsozialisten drohten sie aufzulösen. Nach dem Krieg rief der damalige Ingelner Bürgermeister Karl Wilke die Stiftung dann wieder ins Leben. In den Gebäuden wurden Flüchtlinge aufgenommen und ein Schulraum eingerichtet. Zudem konnten 21 Ingelner einen 99-jährigen Erbbauvertrag für Bauland erstehen und sich auf den Flächen ein Eigenheim errichten. Heute beträgt das Stiftungsvermögen mehr als 4 Millionen Euro. Der Gewinn aus der Verpachtung der Ländereien liegt bei rund 100.000 Euro pro Jahr. Das dreiköpfige Kuratorium der Stiftung besteht aus Regionspräsident Hauke Jagau, Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne sowie einem Ingelner, der vom Rat für jeweils fünf Jahre gewählt wird. Zurzeit ist dies Wolfgang Zingler. Mit den Einkünften finanziert die Ebelingsche Stiftung mehrere Maßnahmen im Gesundheitsbereich. Neben den Kosten für die Gemeindeschwester unterstützt sie das Klinikum Agnes Karll regelmäßig mit größeren Beträgen. Außerdem hat sie 2015 dem TSV Ingeln-Oesselse 25.000 Euro für den Bau eines Aktivplatzes zur Gesundheitsprävention zur Verfügung gestellt.

Stephanie Zerm

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