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Sehbehinderte feiern Geburtstag ihrer Gruppe

Laatzen-Mitte Sehbehinderte feiern Geburtstag ihrer Gruppe

Zahlreiche Sehbehinderte, Freunde und Angehörige haben am Sonnabend das zehnjährige Bestehen ihrer Selbsthilfegruppe im Café Marie gefeiert. Neben Gesprächen und Musik gab es im Foyer des Stadthauses zahlreiche Informationsangebote von Ausstellern zu Hilfsmitteln für Blinde und Sehbehinderte.

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Die Selbsthilfegruppe Sehbehinderter in Laatzen feiert ihr zehnjähriges Bestehen im Café Marie im Stadthaus.

Quelle: Daniel Junker / www.junkerphoto.de

Laatzen-Mitte. Bei der Begrüßung berichtet Achim Wenger als Sprecher und Initiator der Gruppe über die Entstehung des Zusammenschlusses. "Als ich 2004 erblindet bin, hatte ich das Glück, auf eine hervorragende Augenärztin zu treffen", erzählt Wenger. Sie habe ihm geraten, sich der hannoverschen Regionalgruppe des Blinden- und Sehbehindertenverbandes  Niedersachsen (BVN) anzuschließen. Mehrere Lehrgänge sowie ein spezielles Mobilitätstraining hätten ihm den Umgang mit seiner Krankheit erleichtert. "Später habe ich mich beim BVN beratend eingebracht und dabei erkannt, wie wichtig die räumliche Nähe für Betroffene auch in Laatzen wäre.

Bei einer Busreise mit Laatzenern nach Cornwall habe sich Wenger im Jahr 2006 mit Klaus-Dieter Meyer vom Seniorenbeirat unterhalten. "Dabei ist die Idee einer Zusammenarbeit entstanden." Ende 2007 gründete sich dann die eigenständige Selbshilfegruppe, die sich über die Jahre fest in Laatzen etabliert hat und bei der heute bis zu 25 Erkrankte und Angehörige dabei sind. "Wilma Frankenberg aus unserer Mitte hat inzwischen sogar eine weitere Gruppe in Hemmingen geründet, mit der wir uns sehr verbunden fühlen", so Wenger.

Marianne Kasten übergibt dem Initiator ein Bild, das sie selbst gestaltet hat und in das Fotos wichtiger Akteure der Selbsthilfegruppe eingearbeitet sind. Das Bild ist ertastbar. Die 74-Jährige ist selbst sehbehindert: "Ich habe Narben auf der Netzhaut, man kann sich das so wie ein Rosinenbrot vorstellen", erklärt sie. "An den Stellen, wo die Rosinen sind, sehe ich nichts."

Im Foyer präsentieren Sehbehinderte und Firmen technische Hilfsmittel für Erkrankte. Der Gleidinger Olaf Lichy stellt zum Beispiel verschiedene Arten der Punktschrift für Blinde vor - von der Buchstabenschrift über die Kurzschrift bis zur Stenografie. Er zeigt auch, wie er mit einem Abakus auch ohne eletronische Hilfsmittel schnell rechnen kann. Wer will, kann seinen in Punktschrift geschriebenen Namen mit nach Hause nehmen. Lichy zeigt außerdem, wie er mit einem sogenannten Computer-Braille auch am Computer schnell Texte verfassen kann.

Famian Emiljanow und Manfred Jaklin von der IPD Infosystem Produktion and Distribution GmbH präsentieren ein Gerät, das mit Hilfe eines optischen Scans gedruckte Texte erfassen und vorlesen kann. Eine ähnlich funktionierende Brille erkennt sogar Gesichter. "So kann ein Sehbehinderter im Krankenhaus zum Beispiel feststellen, welche Pflegerin gerade im Zimmer ist", sagt Jaklin. Am Stand gegenüber informieren sich derweil Renate Sack und Rosemarie Meyer bei Daniel Haberkamp von der Firma EV Optron über andere Formen der Leseunterstützung für Sehbehinderte.

An der Feier beteiligen sich auch Schüler der Erich-Kästner-Oberschule. Katharina, Batul, Dilara, Lara-Sophie und Benjamin gaben bei der Feier Kuchen an die Besucher aus. Seit drei Jahren gibt es eine Kooperation der Sehbehinderten mit der Laatzener Schule. "Wir helfen mit und sind auch regelmäßig bei den monatlichen Treffen der Selbsthilfegruppe dabei", sagt Lara-Sophie. Im Rahmen dieser Kooperation haben die Schüler auch schon mit Masken und Langstock selbst ausprobiert wie es sich anfühlt, blind zu sein. "Dadurch entwickelt man ein ganz anderen Verständnis", so die 15-Jährige.

Die Schüler engagieren sich freiwillig. "Wir mögen es, mit Menschen zu kommunizieren und anderen zu helfen", sagt Dilara. Das Engagement hält bisweilen sogar nach der Schulzeit an. "Ich besuche die Oberschule gar nicht mehr, mache aber trotzdem immer noch gerne mit", erzählt der 17-Jährige Benjamin.

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Von Daniel Junker

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