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Nur ein Blick und das Hütchen landet unterm Auto

Rethen Nur ein Blick und das Hütchen landet unterm Auto

Mittendrin statt nur dabei: In der Reihe „Heimat hautnah“ schreiben unsere Autoren nicht nur über Veranstaltungen, sondern sie machen aktiv mit. Autorin Lisa Malecha hat beim ADAC-Fahrsicherheitstraining erfahren, wie schnell man sich hinterm Steuer ablenken lässt.

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Der Blick auf's Handy oder einfach ein Gespräch mit dem Beifahrer - es gibt vieles, wovon man sich am Steuer ablenken lassen kann. Lisa Malecha macht beim ADAC den Selbstversuch.

Quelle: Rettig

Rethen. Einen Schluck trinken, einen Schokoriegel gegen den kleinen Hunger oder am Radio schalten, weil wieder jedes Lied nervt - ich bin täglich viel mit dem Auto unterwegs und diese Dinge gehören zu jeder Fahrt dazu. Ist doch nichts dabei, dachte ich bisher. ADAC-Cheftrainer Uwe Klöppel will mir das Gegenteil beweisen. "Essen, der Blick aufs Smartphone oder das Gequatsche der Beifahrer - Ablenkungen gibt es viele", sagt er, als wir zusammen auf dem Trainingsgelände in Rethen stehen. Diese Momente der Unachtsamkeit würden als Unfallursache eine ähnlich große Rolle wie Alkohol am Steuer spielen. "Wir schätzen, dass bei jedem zehnten Verkehrsunfall mit Personenschaden Ablenkung eine Rolle spielt." Laut einer neuen Studie des ADAC wären sogar drei Viertel der Teilnehmer bei der Eingabe einer Adresse ins Navi auf ein plötzlich auftauchendes Hindernis gefahren - denn wer bei Tempo 50 nur fünf Sekunden auf sein Handy starrt, ist 70 Meter im Blindflug unterwegs.

Ich bin gespannt und auch ein bisschen nervös, auch wenn ich zunächst nur Slalom durch die Verkehrshütchen fahren soll. Ein paar Runden darf ich mich an die Strecke gewöhnen. Dann setzt sich Trainerin Gabriele Liefert auf den Beifahrersitz. "398 minus 13", sagt sie. "Und immer so weiter." Ich fange an zu rechnen. "Nicht langsamer werden", weist sie mich an - ich gebe Gas und ich vergesse prompt, bei welcher Zahl ich war. Ich ärgere mich, dass mir die simplen Rechenaufgaben so schwer fallen. "Wo waren wir", frage ich Liefert. "359." 359 minus 13 also - "346", ich bin erleichert - ganz so doof bin ich wohl doch nicht. Aber wo muss ich jetzt eigentlich hin?

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich eben links oder rechts am Hütchen vorbei bin - die dusselige Zahl hab ich auch schon wieder vergessen - und nun kommt auch noch die visuelle Ablenkung dazu. Auf einem Zettel stehen Zahlen und Buchstaben und ich muss zählen, wie viele "Q"s zu sehen sind. Ich gucke auf den Zettel, fange an zu suchen - und höre es auf einmal unterm Auto Rumpeln. Mist, das war dann wohl ein Hütchen. Das habe ich gar nicht gesehen. Dabei dachte ich, ich hätte nur eine Sekunde weggeschaut. Erstmal ran fahren - ich brauche eine Pause.

Dann wird die Schwierigkeitsstufe nochmal erhöht: Statt Hütchen muss ich ein Wasserhindernis umfahren, dass plötzlich auftaucht - und das ganze auf nasser Fahrbahn. Jetzt ärger ich mich echt, dass mein uralter Ford Ka kein ABS hat. "Naja, das macht die Sache um so spannender", sagt Klöppel. Zunächst versuche ich das ganze ohne Ablenkung - ein bisschen weiche Knie habe ich schon. Beschleunigen, die Wasserwand schießt hoch, ich bremse und lenke gleichzeitig. Lautes Quietschen. Mein Auto bricht aus, ich stehe auf einmal verkehrt herum im Hindernis. Tief durchatmen und mit den nötigen Tipps fürs ABS-lose Fahren noch mal von vorne. Beim zweiten Mal schaffe ich es, dem Wasserhindernis auszuweichen. Meine Knie sind trotzdem noch weich. So ganz geheuer ist mir die Sache nicht, auch wenn eigentlich nichts passieren kann. 

Dann das Gleiche ein drittes Mal - nur diesmal soll ich einen Gegenstand aus dem Fußraum hinter mir holen. Ich greife mit der rechten Hand nach hinten, der Kopf dreht sich mit. Aus dem Augenwinkel sehe ich das Wasser hoch spritzen. Okay, nach vorn gucken, erst bremsen dann lenken - doch nichts funktioniert so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich lande erneut im Hindernis. Das mich so kleine Aufgaben so extrem ablenken, erschreckt mich schon. In Zukunft überlege ich zweimal, ob der Griff zur Wasserflasche wirklich sein muss.

Das kann beim ADAC geübt werden

Das Thema Ablenkung spielt bei den verschiedenen Trainingsangeboten des ADAC-Fahrsicherheitszentrum an der Hermann-Fulle-Straße eine immer größere Rolle. Cheftrainer Uwe Klöppel ist sich sicher: "Wer selber erlebt, wie schnell man durch eine Unachtsamkeit aus der Bahn gerät, ändert eher etwas an seinem Verhalten." Doch auch andere Dinge, wie die richtige Sitzposition, Bremstraining auf unterschiedlichen Fahrbahnbelägen, Ausweichen auf glatter Fahrbahn sowie das Abfangen eines ausbrechenden Fahrzeugs können hier auf sicherem Terrain im eigenen Fahrzeug geübt werden. Bei Bedarf werden auch Autos gestellt. Der Basiskurs kostet ab 99 Euro. Weitere Informationen zu den verschiedenen Angeboten auf dem Trainingsgelände gibt es unter Telefon (05102) 93060 sowie im Internet unter fsz-hannover.de.

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Von Lisa Malecha

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