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Das sind die Siegertexte beim Schreibwettbewerb Laatzen

Jugendkunstpreis Das sind die Siegertexte beim Schreibwettbewerb Laatzen

Das sind die Siegertexte des Schreibwettbewerbs Laatzen.

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Quelle: Symbolfoto

"Wer räumt schon gerne auf?" von Florian Elbrandt 

Tom saß in seinem Zimmer. Er war sauer – stinksauer. Er sollte nämlich aufräumen. Schon bei dem Gedanken daran grauste es ihn. Außerdem hatte er gerade eine super Lego-Landschaft aufgebaut, aber wie immer steht das Beste im Weg. Könnten die Eltern nicht einfach drum herum saugen? Er würde dann auch darauf achten, dass das Staubsauger-Ungetüm nicht wieder unkontrolliert Legosteine verschlingt...

„Und wenn nun jemand ganz anderes für mich das Aufräumen übernehmen würde?“, grübelte Tom weiter. Seine Mutter hatte darauf bestanden, dass der Fußboden bis zum Abend komplett in eine spielzeugfreie Zone mutierte. Ansonsten würde sie dabei „helfen“. Und da Tom wusste, was das bedeutete, schied seine Mutter als Aufräumunterstützung schon mal aus. „Aufräumunterstützung? Ein Roboter, genau!“, dachte Tom. Das war die Idee! Nicht er würde aufräumen – er würde von nun an aufräumen lassen. Und zwar genau nach seinen Vorstellungen und am besten noch mit anschließendem Wiederaufbau der so sorgsam erstellten Spielwelten... „Genial!“, triumphierte Tom innerlich.

Gleich nach dem Mittagessen machte er sich mit seinem Bruder Anton daran, einen ersten Entwurf für einen Aufräum-Roboter zu diskutieren. Anton war immer offen für Toms Probleme und half ihm, wenn es darauf ankam. Jetzt aber hörte er fast nur zu, nickte, runzelte die Stirn, stellte Fragen. Tom spürte, wie seine Begeisterung immer mehr von Detailfragen, Materialanforderungen und Zeiteinschränkungen erstickt wurde. „Du bist gemein!“, schrie er seinen erstaunten Bruder schließlich an. „Du willst mir gar nicht wirklich helfen!“ Anton sah seinen kleinen Bruder fest an und sagte dann: „Doch, das will ich. Und wenn es auch schwierig ist: Zusammen schaffen wir das! Allerdings werden wir nicht bis heute Abend mit deinem Roboter fertig sein.“

Den benötigten zeitlichen Freiraum verschafften sich die Brüder, indem sie nun zunächst einmal gemeinsam ihre Zimmer aufräumten: Erst das von Tom, dann das von Anton. Dabei unterbrachen sie ihre Arbeit immer wieder, um sich Notizen und Skizzen zu machen. Auch Teile, die sich vielleicht gut für den Roboter nutzen ließen, wurden beiseite gelegt. Nach zwei Stunden saßen die Beiden zufrieden in Antons aufgeräumtem Zimmer vor einer großen Kiste mit Material. „Das reicht aber noch nicht“, gab Tom zu bedenken. „Ich wollte doch einen klugen Aufräum-Helfer, der mehr ist als eine reine Ansammlung von Teilen.“ Und so beschlossen die Brüder, gleich am nächsten Tag zum Baumarkt und zum Elektronik-Handel zu fahren und auch sonst Ausschau nach geeignetem Zubehör zu halten.

In der folgenden Nacht hatte Tom einen aufwühlenden Traum von den Aufräumaktivitäten seines selbst gebauten Roboters: Stolz und zufrieden war er nach einem entspannten Wochenende zur Schule gegangen, denn sein Roboter hatte die letzten Tage alle lästigen Aufräumpflichten für ihn erledigt. Zudem war dieser neue Gefährte wie ein neues, ganz besonders tolles Spielzeug: Es machte so viel Spaß, ihm kleine Aufgaben zu geben und ihn zu programmieren. Als er dann allerdings aus der Schule kam, empfing ihn seine Mutter mit wütender Stimme: „Wenn ich deinen dummen Streich nicht rechtzeitig bemerkt hätte, wäre der Tischtennisball jetzt kaputt! Eier schlägt man zwar auf – das ist aber etwas ganz anderes als der Aufschlag beim Tischtennis. Wie kommst du darauf, die Tischtennisbälle in den Eierkarton zu legen? Das war wirklich ein dummer Scherz!“ Tom wusste nicht, was seine Mutter meinte. Bedrückt begann er beim Tischdecken zu helfen. Aber da wartete schon die nächste Überraschung: Der Schuhlöffel lag im Besteckkasten! Als nächstes fehlte dann der Schneebesen, so dass es statt der von Tom so heiß geliebten Pfannkuchen nur Spiegelei auf Toast zum Mittagessen gab. Erst am Abend fand

der Vater den Schneebesen direkt neben der Schneeschaufel in der Garage. Die Glühbirne aus Toms Zimmer fand er nach langer Suche im Obstkorb. Und als ihn die Mutter dann auch noch fragte, ob er glaube, dass er um das Zähneputzen herum käme, wenn er die Zahnpasta bei den Schuhputzsachen versteckte, dämmerte es Tom so langsam: der Roboter! Na klar! Um seinen Verdacht zu bestätigen, schaltete er den Roboter wieder ein und beobachtete genau, was passierte. Zunächst legte der Roboter alle Anziehsachen ordentlich zusammen. Dann aber fand er eine geöffnete Packung Schoko-Domino-Steine auf Toms Schreibtisch, die er sogleich im Spieleregal einsortierte. Das reichte Tom. Er brachte den Roboter in die Küche, wo die Mutter gerade den Frühstückstisch für den nächsten Morgen eindeckte. Als Tom den Roboter wieder einschaltete, schnappte sich der Roboter mit seinen Greifarmen die vier Frühstücksbrettchen und platzierte sie beim Feuerholz neben dem Kamin. Entgeistert sah die Mutter dem Treiben zu, dann begann sie zu lachen: „Ach deshalb waren die Tischtennisbälle im Eierkarton und die Brillenputztücher neben der Klobrille.“ Doch dann wurde sie wieder ernst: „Die Zeit, die du sonst zum Aufräumen brauchtest, kannst du nun in diese neue Art der vorgezogenen Ostereiersuche investieren. Ich fürchte, dein Roboter hat einen Programmierfehler!“

„Programmierfehler? Programmierfehler!“ Mit diesem Wort erwachte Tom aus seinem merkwürdigen Traum. Es war sieben Uhr morgens, wenn er seinem Wecker glauben konnte. Bald würde er aufstehen müssen. Noch immer geisterte ihm dieses Wort durch den Kopf. Moment mal – er konnte doch gar nicht programmieren! Wie solle er denn nur eine halbwegs intelligente Robotersteuerung entwickeln können? Tom spürte, wie die Verzweiflung in ihm aufstieg. Gab es denn nicht noch eine andere Möglichkeit, seine Spiellandschaften zu retten? Er wünschte, er hätte einen Extra-Raum für seine Legosteine. Aber das ging ja leider nicht. Gedankenverloren kurbelte er seine Jalousien hoch. Da hatte Tom eine Idee.

Nach der Schule nahmen die Brüder wie geplant den Umweg zum Baumarkt und ließen dabei das Elektronik-Geschäft links liegen. An ihrem Ziel warteten schon Mama und Papa mit dem Auto auf sie. Sie besorgten die benötigten Bauteile und am Nachmittag folgte dann eine große Bastelaktion der gesamten Familie. Es wurde gesägt, gebohrt, gehämmert, geschraubt und getestet. Und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen: Von der Zimmerdecke baumelte eine fertige Zwischenebene. Feierlich baute Tom ein kleines Legohaus auf ihr und zog sie an einem Seil hoch. Als man bequem unter der Plattform hindurchgehen konnte, wickelte er das Seil um einen Haken und versah es mit einem Knoten. Es war toll: Ganz viel Platz für seine Spielwelten und das Aufräumen erledigte er von nun an per Flaschenzug…

"7.391.068.000 Menschen - doch wo bleibt die Menschlichkeit" von Sarah Demir 

„Tina? Was wünschst du dir?“, fragt eine Mutter ihre Tochter. Diese antwortet mit einem einfachen Wort: „Frieden.“

Die Mutter blickte erstaunt auf ihre Tochter hinunter. Sie fragte sich, ob nicht eher Barbies oder ein Ausflug in den Zoo das waren, was die Herzen von Mädchen begehrten. Wie so oft von Erwachsenen unterschätzt, bemerkte das kleine Mädchen selbstverständlich das Überraschen des Elternteils.

„Wünscht du dir das etwa nicht, Mama?“, fragte Tina, unsicher darüber, ob sie etwas Falsches gesagt hatte.

„ Natürlich tue ich das, aber so einfach ist das leider nicht, mein Schatz.“

„Warum denn nicht?“

„Weil es immer Menschen geben wird, denen Macht und Geld wichtiger sein wird als ein friedvolles Miteinander.“

„Können diese Menschen nicht mal an Andere denken?“ Mit einem traurigen Lächeln zog die Mutter ihr Kind auf den Schoß.

„Ich fürchte, dass das nicht möglich ist.“

„Das ist nicht fair“, gab Tina schließlich nach mehreren Minuten des Schweigens von sich. Tränen bildeten sich in ihren Augen und nur mit Mühe hielt sie sie zurück.

„Nein, leider nicht, aber es ist die Realität.“

Und jetzt an dieser Stelle unterbreche ich die Kurzgeschichte, da ein trauriges Ende dieser keineswegs in Kauf genommen werden kann. Ist das wirklich eine Aussage, die wir Millionen von Kindern tagtäglich vor die Augen halten müssen? Denn für den Fall, dass es manchen Menschen noch nicht aufgefallen ist, Kinder sind von den Folgen zahlreicher Kriege und versagenden politischen Systemen stark betroffen, sowohl in den jeweiligen Krisenländern als auch auf der gesamten Welt.

Menschen sind nicht perfekt und diese Erwartung an sie hat auch keiner. In Ordnung sind Fehlschläge. In Ordnung sind Fehlentscheidungen. Nicht in Ordnung ist die Einstellung, es beim nächsten Mal nicht besser machen zu wollen.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Ich glaube an diese Worte. Jedes dieser Worte trägt eine eigene Botschaft mit sich und dabei klingen sie zusammengebracht umwerfend und unumstößlich, als wäre alles möglich. Als wäre alles real. Jetzt liegt es in unseren Händen, diese Worte nicht nur schön klingen zu lassen, sondern zu unseren Taten zu machen.

Obwohl wir lernen, ehrlich zu sein, lügen wir. Obwohl wir lernen, weiterzukämpfen, geben wir auf. Obwohl wir lernen, das Leben zu schätzen, zerstören wir es und das Anderer. Warum sollten wir als Menschheit zusammenhalten, versuchen gemeinsam an unseren Problemen anzupacken und somit unseren Kindern eine gewaltlose und gute Zukunft sichern? Es ist doch bloß nebensächlich. Lieber geben wir Unmengen von Geld für Waffen und Kämpfe aus, anstatt diese sinnvoll in Schulen oder Krankenhäusern zu investieren. Lieber trennen wir unsere Menschheit in Reich und Arm, Über- und Untergeordnet, Gut und Böse. Lieber reißen wir Familien auseinander oder zwingen einzelne Familienmitglieder zur Flucht, anstatt Bedürftigen unter die Arme zu greifen und zur Besserung ihrer familiären und finanziellen Lage beizutragen. All diese Probleme sind nicht von Wichtigkeit, davon sind anscheinend viele Menschen überzeugt. Dabei sehen sie das Leid mit denen sich unsere Erdbevölkerung pausenlos herumschlagen muss mit eigenen Augen. Um also die Frage zu beantworten, was das Verrückteste, das ich erfinden könnte, sei, wäre es ein Weg dieser Menschheit das zu geben, was ihr fehlt.

Das Menschlich sein.

Wie viele Menschen gibt es auf diesem Planeten? Etwa 7.391.068.000. Hieße dies nicht, dass es auch mehr oder weniger 7.391.068.000 Gehirne geben müsse, die den Ernst dieser Situation erkennen? Die erkennen, dass wir uns im Nachhinein bloß selber auslöschen werden? Das der Untergang der Menschheit die Menschheit selbst verkörpert? 7.391.068.000 Menschen. Hieße dies nicht, dass es auch mehr oder weniger 7.391.068.000 Herzen geben müsse? Weniger als mehr, lautet hier die traurige aber unbestreitbare Antwort. Denn wenn auch bloß ein winziger Funken in diesen Herzen dazu fähig wäre, Mitleid zu empfinden, Empathie anzuwenden und den Wunsch verspüren würde, der Not dieser Welt ein Ende zu setzen, säße ich nicht hier und würde diesen Text nicht schreiben.

Nicht alles Grausame unserer Erde ist der Menschheit zuzuschreiben. Auf so viel Furchtbares haben wir keinen Einfluss. Unter diese Kategorie fallen Angelegenheiten wie Krebs, aber unser Misslingen in der Führung von Staaten kann man nicht dazu zählen. Wir sind schwach. Wir versagen. Aber wir sind nicht schwach, weil wir versagen. Wir sind schwach, weil uns immer wieder die gleichen Fehler unterlaufen. Weil wir immer weiter getrennte Wege gehen. Mit zwei Händen lässt es sich besser klatschen als bloß mit einer. Mit zwei Händen können wir es schaffen, zu applaudieren. Und dieser Applaus wäre der Schönste, den es jemals geben könnte, da alle Menschen mit in diesen Applaus einstimmen würden. Und der erste Schritt, um ein solch enormes Ziel zu erreichen, ist daran zu glauben, dass es erreichbar ist. Schritt eins zu meiner Erfindung wäre es folglich alle Bewohner dieser Erde durch das geteilte Anliegen, diesen Planeten zu einem besseren zu machen, zu vereinen. Der zweite wäre es, ihnen weiß zu machen, wie leistungsschwach und verkehrt jeglicher Rückzieher wäre, da wir uns somit nie einer Endstation nähern würden, sondern uns mit jeder Zurücknahme lediglich von dieser distanzieren würden. Und der dritte Schritt, beinhaltet die alleinige Durchführung von Optimierungsversuchen, die basierend auf Gesprächen und der Zusammenarbeit unserer Menschheit entstehen. Und dafür ist keine Erfindung von Nöten. Wir brauchen ausschließlich eins. Und dies ist wertvoller als eine Erfindung es je sein könnte. Wir brauchen uns. Unser Leben. Unsere Zeit. Unsere Gehirne. Unsere Herzen. Unsere Ideen. Unsere Stärken. Unsere Schwächen. Unsere Erfolge. Unsere Fehlschläge. Unseren Willen. Unseren Glauben. Wir brauchen uns. Wir brauchen uns gemeinsam.

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