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Die wichtigsten Fragen zum Flüchtlingsplan

Laatzen-Mitte Die wichtigsten Fragen zum Flüchtlingsplan

Die Stadt Laatzen wird eine der beiden Sporthallen am Erich-Kästner-Schulzentrum (EKS) sperren, um dort die Unterbringung von Flüchtlingen vorzubereiten. Die Stadt kündigt für nächste Woche Informationsveranstaltungen zu den Plänen an. Wir klären die wichtigsten Fragen im Vorfeld.

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In der Sporthalle II des Erich-Kästner-Schulzentrums sollen ab Februar Füchtlinge untergebracht werden.

Quelle: Daniel Junker

Warum wird die Sporthalle so kurzfristig geräumt? Hat die Stadt schlecht geplant?

Nein, das lässt sich so nicht sagen. Im November hatte die Stadt ein Konzept vorgelegt, das die Unterbringung für das gesamte Jahr 2016 regeln sollte. Basis dafür waren die Zahlen von Land und Region. Die Prognose für 2016 lag – einschließlich Umzügen innerhalb der Stadt – bei 709 benötigten Plätzen, das Konzept sah den Kauf und die Anmietung von Immobilien mit 753 Plätzen vor. Bei Realisierung aller Vorhaben hätte also alles gepasst. Ende Dezember meldete die Region jedoch überraschend eine viel höhere Quote von 396 Flüchtlingen bis Ende März an. Da das von der Stadt erworbene Bürohaus an der Gutenbergstraße erst im April bezugsfertig wird, ist nun ein Engpass entstanden.

Gibt es keine anderen Möglichkeiten als die Sporthallenbelegung?

Die Stadtverwaltung sieht kurzfristig keine andere Lösung. Dem Vernehmen nach gibt es Verhandlungen mit dem derzeit geschlossenen Ramada-Hotel an der Karlsruher Straße – offenbar ließ sich dies nicht so kurzfristig realisieren. Die Stadt äußert sich zu laufenden Verhandlungen grundsätzlich nicht.

Was wird an der Halle baulich geändert?

Die Stadt will in der ersten Februarwoche mit der Herrichtung beginnen. Dafür wird der Hallenboden vollständig abgedeckt. Ein Mehrzweckraum im rückwärtigen Bereich in Richtung Pestalozzistraße dient als Eingangsbereich für die Flüchtlinge. Die dem EKS zugewandte Sporthalle mit Tribüne, in der der Sportbetrieb regulär weiterläuft, wird samt Umkleidebereich vollständig von der hinteren Halle mit Leichtbauwänden abgetrennt. Die ersten – etwa 50 – Flüchtlinge werden am 15. Februar erwartet. Laut Bürgermeister Jürgen Köhne richtet die Stadt zunächst 150 Plätze ein, die Gesamtkapazität schätzt die Verwaltung auf 200 Plätze.

Ist es sicher, dass die Halle am Erich-Kästner-Schulzentrum im Sommer wieder frei wird?

Das ist das Ziel – aber angesichts sich ständig ändernder Aufnahmequoten wagt derzeit niemand im Rathaus mehr feste Prognosen. Die Verwaltung sei bemüht, bis zum Beginn des nächsten Schuljahrs die Turnhalle wieder frei zu machen „und die Menschen in anderen Einrichtungen unterzubringen“, heißt es offiziell.

Muss jetzt Sportunterricht ausfallen?

Die Aussagen dazu sind unterschiedlich. Auf jeden Fall wollen Gymnasium und Oberschule zusammenrücken. „Es wird enger“, sagte EKG-Leiterin Hella Kohl. „Wir können die Hallen teilen, sodass nichts in den Nachmittagsunterricht verlagert werden muss.“ Oberschulleiter Winfried Deister befürchtet hingegen, dass der Sportunterricht teilweise ausfällt – die Planungen seien allerdings erst am Anfang.

Welche Einschränkungen gibt es für den sonstigen Schulbetrieb?

Theoretisch gibt es keine Einschränkungen – es sei denn, statt Sport werden andere Fächer unterrichtet. Dies würde die ohnehin schon knappen Raumkapazitäten weiter belasten.

Wer wird die Unterkunft betreiben?

Dies hat die Stadt noch nicht bekannt gegeben, das Ausschreibungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen.

Wie viele Sozialarbeiter werden vor Ort sein?

Bis zu sechs Personen sind im Gespräch. Das ist ein relativ guter Schlüssel - zum Vergleich: In den Unterkünften in Alt-Laatzen und Gleidingen mit 52 und 60 Bewohnern ist es jeweils ein Sozialarbeiter.

Welche Sicherheitsvorkehrungen werden getroffen?

Wie in den anderen Sammelunterkünften wird ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr vor Ort sein. Ein blickdichter Zaun soll dafür sorgen, dass das Schulgelände vom Bereich der Unterkunft abgetrennt wird. Ein solcher Zaun verläuft bereits zwischen dem Zugang der Alt-Laatzener Unterkunft und dem Schulhof der Grundschule Rathausstraße. Laut Laatzener Polizei sind dort keinerlei Vorkommnisse bekannt.

Ist diese Form der Unterbringung überhaupt menschenwürdig? Was sollen die Flüchtlinge dort machen, welche Hilfe erhalten sie?

Privatsphäre bieten die Sammelunterkünfte auch andernorts nicht. Mit so vielen Menschen in einem Raum betritt Laatzen allerdings Neuland. „Wir sind natürlich nicht glücklich damit", sagt Petra Herrmann vom Flüchtlingsnetzwerk. „Unser wichtigstes Anliegen ist es, die Zeit, die jeder einzelne dort verbringen muss, möglich kurz zu halten." Das Netzwerk plane, ein Team zusammenzustellen, das sich auf die Unterstützung der Menschen in der Halle konzentriert. Weitere Helfer seien willkommen: Sie können sich per E-Mail an die Adresse info@willkommen-in-laatzen.de an das Flüchtlingsnetzwerk wenden.

Von Johannes Dorndorf

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Die Stadt bereitet drei Informationsveranstaltungen vor, bei denen sie ihre Pläne für die Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle II des Erich-Kästner-Schulzentrums vorstellen will.

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