Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Stadt zwingt Fußgänger auf die Straße - sogar Blinde

Laatzen-Mitte Stadt zwingt Fußgänger auf die Straße - sogar Blinde

Es sieht aus wie ein schlechter Witz: Beim Umbau der Straße vor dem Stadthaus hat die Stadt einen Bürgersteig mit einem Grünstreifen versperrt. Begründung der Verwaltung: Die Straße sei ein "riesengroßer Gehweg". Senioren und Behinderte sehen das anders.

Voriger Artikel
Extremsportler Hoffmarck besucht RSG-Karttraining
Nächster Artikel
Agenda21-Gruppe kritisiert Marktteich-Pläne

sieht aus wie eine Fehlplanung, ist von der Stadt aber so gewollt: Der Fußweg in Richtung Stadthaus von einem Pflanzenbeet unterbrochen, so dass Fußgänger auf die Straße wechseln müssen.

Quelle: Dorndorf

Laatzen-Mitte. Alles sollte schöner und besser werden: Im Frühjahr und Sommer hat die Stadt die frühere Robert-Koch-Straße zwischen dem Stadthaus und dem Marktplatz komplett erneuern lassen. Das Konzept sah vor, die Fahrbahn auf Bürgersteigniveau anzuheben und die Straße als Spielstraße auszuweisen. Das Signal: Autofahrer sollen vorsichtig fahren.

Die Bauarbeiten sind inzwischen abgeschlossen und abgenommen - doch Fußgänger stehen angesichts der Wegeführung vor einem Rätsel: Wer von der Pettenkoferstraße auf dem Gehweg in Richtung Stadthaus geht, steht neuerdings kurz hinter der Wohnscheibe plötzlich vor einem Pflanzbeet. Eine Absenkung nach links zur Fahrbahn hin signalisiert immerhin, dass man kurz vor der Gehweg-Sackgasse die Straßenseite wechseln kann. Auf der anderen Seite versperrt jedoch ein weiterer Grünstreifen, umfasst von einem Hochbord, den Weg.

"Dass der Fußweg im Nichts endet, ist abends, wenn es dunkel ist, ungünstig für Fußgänger", monierte der Laatzener Andreas Quasten unlängst in der Bürgerfragestunde des Ortsrats. Auch den gegenüberliegenden Grünstreifen-Bordstein finde er "extrem unglücklich". Die Grünen-Ortsratspolitikerin Britt Wischhusen sprach von einer "Fehlplanung" - anders könne sie sich nicht erklären, warum kleine Kinder neuerdings auf das Pflanzbeet mit angrenzenden Parkbuchten stoßen, statt auf dem Bürgersteig weitergehen oder -radeln zu können.

Tatsächlich hat die Stadt die Wegeführung absichtlich so angelegt, wie Stadtsprecher Matthias Brinkmann auf Anfrage erläutert. Wer auf der Stadthaus-Seite bleiben möchte, soll dem Konzept zufolge auf der Straße gehen. "Der ganze Bereich ist eigentlich ein riesengroßer Gehweg", sagt Brinkmann und verweist auf die Spielstraßen-Beschilderung. Für Sehbehinderte habe die Stadt zudem vor dem Stadthaus Leitlinien markiert: "Sie werden auf Höhe des Stadthauses auf die andere Straßenseite herübergeführt, weil wir denken, dass sie dort am sichersten gehen", sagt Brinkmann. Der Nachteil: Sehbehinderte, die zur Pettenkoferstraße weitergehen wollen, müssen auf diese Weise doppelt die Straße wechseln.

"So kann es nicht bleiben"

Bei Senioren und Vertretern von Behinderten stößt das alles auf völliges Unverständnis. "Ich finde es unmöglich, dass man da im Nirvana landet", sagt der Vorsitzende des Seniorenbeirats Klaus-Dieter Meyer. "So kann es nicht bleiben - das ist nicht richtig durchdacht", meint auch Christina Tietze, die die Interessen Behinderter im Stadtentwicklungsausschuss vertritt. Gerade Menschen mit Gehbehinderung fühlten sich unsicher, wenn sie auf diese Wiese gezwungen werden, auf die Straße auszuweichen - Spielstraße hin oder her. "Ich finde es sehr, sehr unglücklich", stimmt auch Achim Wenger von der Selbsthilfegruppe der Sehbehinderten in den Protest ein.

"Der Wechsel des Gehweges wurde von den nicht Sehbehinderten nicht angenommen", räumt auch Brinkmann ein - und erklärt, wie es zu der umstrittenen Absenkung, die vom Gehweg auf die Fahrbahn führt, kam. "Die Nutzer bewegen sich weiter geradeaus und sind dann vor einen Hochbord gelaufen. Das war für Menschen mit Rollatoren schwierig und es gab Beschwerden." Deshalb habe die Stadt kurz vor der Wohnscheiben-Unterführung nachträglich die Absenkung einbauen lassen. Immerhin: Damit Blinde dort nicht versehentlich auf die Straße laufen, wurde ein weißes Sperrfeld mit Querrillen markiert. Woher sie ahnen sollen, dass gegenüber ein Hochbord mit Grünbeet als Stolperfalle auf sie wartet, ist unklar.

Eine Änderung stellt die Stadt in Aussicht: Sie will in den nächsten Monaten eine Querung auf der anderen Seite der Wohnscheibe schaffen, so dass Sehbehinderte die Straße schon dort überqueren können. Und vielleicht überdenken die Planer ja doch noch einmal das Grünbeet, das den Fußweg auf der Stadthaus-Seite unterbricht: Wie Bau-Fachbereichslager Jürgen Pagels unlängst im Ortsrat erläuterte, soll auf der angrenzende Fläche ein Jugendaktivplatz eingerichtet werden. Bauarbeiter rücken in dem Bereich also auf jeden Fall noch einmal an.

doc6wr6a7s4veundazieab

Fotostrecke Laatzen: Stadt zwingt Fußgänger auf die Straße - sogar Blinde

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6x63eoi4dmfafcrql1l
Gewinnerbilder zeigen Fische und den Krieg

Fotostrecke Laatzen: Gewinnerbilder zeigen Fische und den Krieg