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Es schmeckt nicht: Stadt kündigt Schulcaterer

Laatzen Es schmeckt nicht: Stadt kündigt Schulcaterer

Das Essen in Laatzens Schulmensen kommt bei Schülern und Lehrern immer schlechter an. An den weiterführenden Schulen nehmen inzwischen nur noch sieben bis zehn Prozent der Schüler am Mittagessen teil. Für das Erich-Kästner-Schulzentrum hat die Stadt jetzt den Vertrag mit Betreiber Sodexo gekündigt.

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Von den rund 650 Kindern und Jugendlichen im Ganztagsbereich des Erich-Kästner-Schulzentrums nutzen täglich nur einige Dutzend die Mensa fürs Mittagessen.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. "Die Unzufriedenheit ist groß - es gibt einen sichtbaren Schwund bei denjenigen, die noch in der Mensa essen wollen", sagt die Leiterin des Erich-Kästner-Gymnasiums Hella Kohl. Das Kollegium esse inzwischen überhaupt nicht mehr dort, und auch Schüler blieben zunehmend weg: "Es schmeckt nicht", bringt es die Schulleiterin auf den Punkt. Zudem seien die Portionen für die größeren Schüler zu klein bemessen, der mögliche Nachschlag bei Beilagen wie Kartoffeln gleiche das nicht aus.

Die Stadt hat deshalb den Vertrag mit dem Betreiber Sodexo, der das Schulzentrum seit Anfang 2016 beliefert, gekündigt, die Neuausschreibung für das nächste Schuljahr ist in Vorbereitung. Der Caterer hatte damals den Zuschlag bekommen, nachdem die Sehnder Dorffküche die Belieferung aus Kapazitätsgründen beendet hatte. Hätten früher an guten Tagen noch etwa 100 Schüler in der Mensa gegessen, seien es derzeit nur noch etwa 50, berichtet Kohl.

Wie wenig das Angebot ankommt, belegen auch die Zahlen: Auf Anfrage der Ratsgruppe SPD/Grüne/Linke hatte die Stadt die aktuelle Nachfrage aufgeschlüsselt: Von den 1187 Ganztagsschülern an der Albert-Einstein-Schule nahmen im November 2016 durchschnittlich 85 Schüler teil - das sind gerade einmal 7,1 Prozent. Im Erich-Kästner-Schulzentrum waren es 10,3 Prozent, im Schnitt aßen dort 67 der 649 Schüler, die am Ganztagsangebot von Gymnasium und Oberschule teilnehmen.

Für Laatzens Schulpolitiker ist das auch ein finanzielles Problem: "Wir haben viel Geld für die Mensen ausgegeben. Wenn die Nutzer das Essen aber nicht wollen, müssen wir überlegen, wie wir weiter verfahren", sagte Gerhard Klaus (FDP) am Donnerstagabend in der Sitzung des Schulausschusses. "Das Angebot geht am Bedarf vorbei, es schmeckt den Leuten nicht", stellte auch Petra Herrmann (SPD) fest. Bislang orientiere sich die Stadt bei ihrer Ausschreibung an den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. "Aber das interessiert die Schüler nicht. Ich kann mir als Kompromiss vorstellen, dass man vielleicht doch auch Döner und Pizza anbietet", sagt Herrmann - etwa an zwei oder drei Tagen die Woche.

Die SPD-Politikerin berichtete von einer Fragebogen-Aktion, die Schüler des ehemaligen Projekts Pimp Your Town durchgeführt hätten, die allerdings noch nicht ausgewertet sei. Zudem hatte die Stadt eine nicht repräsentative Befragung am Schulzentrum durchgeführt. Von 873 Schülern gaben nur 67 an, täglich dort zu essen. 261 urteilten, das Essen schmecke nicht. 170 Schüler äßen zuhause, 74 wünschten mehr Abwechslung, 58 sind die Portionen zu klein. Geschmack und Qualität wurden mit der Durchschnittsnote 3,9 bewertet, besser kamen der Service (Note: 2,6) und die Optik der Mensa (2,7) weg.

Lehrervertreterin Monika Meier-Wiedenbach sieht die Entwicklung auch als "Abbild der Gesellschaft". "Wenn ich meinem Kind fünf Euro zustecke, damit es sich außerhalb der Schule etwas holen kann, sind die Eltern in der Verantwortung." Unter den Kindern sei es nach ihrem Eindruck nicht mehr zeitgemäß, in der Mensa zu essen. Elternvertreter Dirk Knoop berichtete, dass die Eltern letztlich machtlos seien. "Man kann die Kinder ja nicht zwingen, wenn es ihnen nicht schmeckt."

Dem Vorschlag zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe des Rates erteilte Ernesto Nebot (SPD) eine Absage: Er sehe die Schulen in der Pflicht, Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten. "Die Benutzergruppen müssen sich zusammensetzen und sagen ob man die Ausschreibung ändern oder die Rahmenbedingungen neu definieren soll", meint der SPD-Politiker.

AES bleibt bei Sodexo

Die Ablehnung gegenüber dem aktuellen Lieferanten Sodexo ist unterdessen nicht einhellig: "Die Schulen haben keine einheitliche Bewertung im Hinblick auf die Qualität des angebotenen Essens durch den Caterers abgegeben", heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung. Das bestätigt auch AES-Schulleiter Christian Augustin: "Ich gehe drei- bis viermal pro Woche dort essen und sitze dort mit Schülern zusammen: Die sagen, dass es ihnen schmeckt."

Allerdings habe auch die AES anfangs ebenfalls negative Erfahrungen gesammelt. Seit Schuljahresbeginn komme das Essen allerdings nicht mehr von der Sodexo-Küche in Sehnde, wo das sogenannten Cook-and-Chill-Verfahren praktiziert wird, sondern als Warmlieferung von Barsinghausen aus. "Viele kommen trotzdem nicht hin, weil das Thema durch die Anfangszeit für sie verbrannt ist", räumt Augustin ein. Mutmaßungen, dass die Essensqualität an den Schulen nicht ausreichend thematisiert werde, wies Augustin zurück: An der AES finde ein umfangreicher und regelmäßiger Austausch und Lehrern, Schülern und Eltern statt.

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