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Siemens muss warten: Stadt muss Platz sanieren

Laatzen-Mitte Siemens muss warten: Stadt muss Platz sanieren

Eigentlich wollte Siemens schon in diesem Sommer mit den Bauarbeiten für das neue Domizil auf dem ehemaligen Laatzener Festplatz beginnen. Altlasten verzögern jedoch den Grundstücksverkauf - und kosten die Stadt viel Geld: Die Kommune muss den Festplatz für 1,3 Millionen Euro sanieren.

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Auf Bauschutt gebaut: Die Stadt muss die Oberfläche des Laatzener Festplatzes großflächig abtragen, weil im Boden giftige polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten sind.

Quelle: Dorndorf

Laatzen-Mitte. PAK heißt die Substanz, die der Stadt Kopfzerbrechen bereitet. Die Abkürzung steht für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe und ist im Bauschutt enthalten, der in der ehemaligen Kieskuhle beim Bau des neuen Stadtteils Laatzen-Mitte abgelagert wurde. 1980 wurde auf diesem Untergrund dann der Festplatz angelegt.

Gefunden wurden die PAK-Belastung im Rahmen der Baugrunduntersuchungen, die die Firma Siemens zur Vorbereitung des Neubaus hat anstellen lassen. Ein Routinevorgang, der die Stadt im vorliegenden Fall teuer kommt: Denn noch ist die Kommune Haupteigentümerin des Geländes - deshalb muss sie sich um die Beseitigung der Altlasten kümmern, wie Stadtsprecher Matthias Brinkmann erläutert.

Die Stadtverwaltung schätzt die Kosten für die Sanierung auf 1,3 Millionen Euro. "Die Bodenschichten, die im Rahmen des Bauvorhabens ausgehoben werden, müssen ausgetauscht werden", sagt Brinkmann. Betroffen ist eine Fläche von 6800 Quadratmetern, die bis zu einer Tiefe von etwa vier Metern bearbeitet werden müsse. Außerdem habe die Region als Untere Bodenschutzbehörde festgelegt, dass die tiefer liegenden Schichten abgedichtet werden müssten. Dies werde durch einer Versiegelung des Bodens beim Siemens-Neubau sichergestellt.

Untersucht wurde auch das Grundwasser. "Ein akuter Grundwasserschaden konnte nicht festgestellt werden", versichert Brinkmann. Die Belastungen im Boden würden Mensch und Umwelt akut nicht gefährden - gleichwohl sei die Stadt verpflichtet, die Altlasten bei einem Verkauf zu entsorgen. Die Verwaltung hat bereits EU-Fördermittel des Programms Brachflächenrecycling beantragt und rechnet damit, dass EU und Land etwa 520.000 Euro übernehmen.

Unterm Strich dürfte für die Stadt angesichts der verbleibenden Restsumme bei dem Grundstückskauf wenig übrig bleiben. Zu Details wollte sich die Verwaltung angesichts der noch laufenden Verhandlungen nicht äußern - man strebe jedoch bilanziell "eine schwarze Null" an, wie Stadtplaner Jörg Schmidt erläutert.

Für Siemens bedeutet der Altlastenfund eine deutliche Verzögerung des Projekts. Laut Siemens-Sprecher Lars Kläschen rechne man mit einer Verschiebung des Projekts um etwa ein Jahr. Demnach könnten die Bauarbeiten im Sommer 2017 beginnen, Fertigstellung wäre im Frühjahr 2019. Besondere Probleme entstünden dem Unternehmen dadurch nicht: Man sei in Verhandlungen um eine Verlängerung des Mietvertrags am bisherigen Standort in Alt-Laatzen.

Der Rat der Stadt muss der Bodensanierung und den damit verbundenen Kosten noch zustimmen. Bei der Ratssitzung am nächsten Donnerstag geht es dann auch um einen Grundstückserwerb auf dem Festplatz für 170.000 Euro. Näher wollte sich die Stadt dazu am Montag nicht äußern - aber offenbar geht es dabei um die Grasdorfer St.-Marien-Kirchengemeinde, der etwa eine Drittel der 15.500 Quadratmeter großen Fläche gehört.

Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe

PAK ist die Abkürzung für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe. Die Substanz entsteht durch unvollständige Verbrennung von organischem Material, insbesondere von Holz und fossilen Brennstoffen wie Kohle und Mineralöl. "Im Boden des Festplatzes wurden Benzo(a)pyrene festgestellten, die zu den PAKs gehören", sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann. Die Substanz sei beispielsweise in Teeren enthalten, die sich häufig in alten Bauschuttablagerungen befänden. Die Substanz ist krebserregend, eine Gefahr für den Menschen bestehe nach Auswertung der Grundwasserproben im vorliegenden Fall jedoch nicht. Der Grund: PAKs seien ohne Verbindung mit sogenannten Transportstoffen sehr träge, sie verblieben an Ort und Stelle. Die Region habe deshalb keine Maßnahmen zum Grundwasserschutz angeordnet.

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