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Streithähne blockieren Straße in Laatzen-Mitte

Laatzen-Mitte Streithähne blockieren Straße in Laatzen-Mitte

"Vorwärts immer, rückwärts nimmer" - den Leitspruch Erich Honeckers haben zwei Autofahrer in Laatzen-Mitte wohl zu sehr verinnerlicht. An der Ecke Im Langen Feld/Gladiolenweg wollte keiner den anderen vorbeilassen, so dass einer der Beteiligten sogar sein Auto verließ und nach Hause ging.

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Weil keiner zurückweichen will, ist der Engpass an der Ecke Gladiolenweg/Im Langen Feld länger blockiert. Die folgenden Bilder, die aus einem der angrenzenden Wohnhäuser aufgenommen wurden, zeigen, wie sich der Auto-Showdown im Detail abspielte.

Quelle: Dorndorf

Laatzen-Mitte. Mit dem Fortgang des Sozialismus hat diese Straßensperrung freilich nichts zu tun: Vielmehr haben sich hier zwei Streithähne offenbar so sehr im Recht gesehen, dass sie eine veritable Straßenblockade verursachten.

Anfangen hat der Karosserie-Showdown am Dienstag vergangener Woche um 16 Uhr. Zu dieser Zeit wird das Vogelgezwitscher an der beschaulichen Kreuzung, an der der Gladiolenweg in die Straße Im Langen Feld mündet, nur gelegentlich von einem vorbeifahrenden Auto übertönt. Drei Minuten später wird die Nachbarschaft dann allerdings von Autohupen aufgeschreckt. Verursacher sind die Fahrer eines roten Honda und eines dunkelblauen BMW, die sich am Engpass an der Einmündung des Gladiolenwegs begegnet sind. Ein kurzes Zurücksetzen eines der Beteiligten würde reichen, um den Mini-Stau, der sich daraufhin allmählich bildet, aufzulösen. Dazu kommt es allerdings nicht.

Stattdessen warten die Kontrahenten zunächst einige Minuten lang im Auto ab, was sich beim Gegenüber tut. Doch Nachgeben bedeutet hier offenbar das Eingestehen Schwäche: Zwar entschließt sich der Honda-Fahrer bald zu einem kurzen Plausch am Autofenster seines Kontrahenten - offenbar aber ohne Ergebnis. Statt sich zum Einlenken durchzuringen, schreitet der Mann ruhig zu seinem Auto, schließt es ab und informiert den Fahrer des hinter ihm wartenden Transporters über die Sachlage. Inzwischen haben sich weitere wartende Autos eingefunden - und auch einige Passanten verfolgen interessiert die Dramatik der Situation.

Die Spannung weicht bald einem Handlungsloch: Denn nun verlässt der Honda-Fahrer die Kreuzung, offenbar um nach Hause zu gehen. Den verdutzten übrigen Autofahrern bleibt nichts anderes übrig, als umzudrehen und den Tatort in den folgenden Minuten zu verlassen. Die Schlusspointe kommt zehn Minuten nach Beginn der Straßenblockade: Um 16.12 Uhr Uhr holt der Hondafahrer sein Auto entspannt ab und parkt es in der Nähe ein.

Geahndet wurde die unangemeldete Straßensperre übrigens mangels Anzeige nicht. Dass sich Dickköpfigkeit aber langfristig rächen kann, zeigt das Beispiel Erich Honeckers, der sein Vorwärts-immer-Motto bekanntermaßen während seiner Festansprache zum 40. Jahrestags der DDR vortrug. Ein Jahr später war die DDR aufgelöst.

"Unter Umständen liegt der Tatbestand der Nötigung vor"

Es ist ein Posse, aber auch die unterliegt Verkehrsregeln. Wer hätte in dieser Situation Platz tatsächlich machen müssen - und wie sehr kann Dickköpfigkeit im Straßenverkehr bestraft werden? Sechs Fragen an Gordon Hartmann (40), Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Laatzener Polizei.

Herr Hartmann, zwei Autofahrer begegnen sich an einer Stelle und keiner will zurückstoßen. Was ist davon zu halten?

Also grundsätzlich gilt die Aussage: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Man soll keinen Anderen behindern, gefährden oder schädigen. Wenn sich daran jeder halten würde, würde es diese Situation nicht geben.

Wer hätte denn in diesem Fall zurückfahren müssen?

Der rote Pkw wechselt von der rechten Fahrbahnseite auf die von ihm aus gesehen linke, um die geparkten Pkw zu passieren. Das dunkle Fahrzeug biegt in die Straße ein und bleibt auf seiner Fahrbahnseite, die frei und nicht verengt ist. Der rote Pkw ist gegenüber dem dunklen Fahrzeug wartepflichtig, somit hat es Vorrang. Gegebenenfalls hat der Fahrer des roten Pkw das entgegenkommende Fahrzeug erst wahrgenommen, nachdem er bereits zum Vorbeifahren angesetzt hatte, sodass es zu dieser Situation gekommen ist, bei der sich beide augenscheinlich im Recht sehen.

Könnten denn beide im Recht sein?

Aufgrund der Fotos tendiere ich dazu, dass sich der Fahrer des roten Pkw falsch verhalten hat. Denn er ist aufgrund der geparkten Fahrzeuge auf seiner Fahrbahnseite wartepflichtig.

Der Fahrer des roten Fahrzeugs schließt es dann sogar ab und geht weg. Macht er sich damit nicht strafbar?

Es ist eine Engstelle, da darf man weder Halten noch Parken. Spätestens wenn er sein Fahrzeug verlässt, parkt er und somit hat er eine Ordnungswidrigkeit begangen. Wenn er sein Fahrzeug verlässt und die Straße blockiert, liegt unter Umständen der Tatbestand der Nötigung vor. Dazu muss aber der Gewaltbegriff erfüllt sein - das heißt, das Fahrzeug wird bewusst als Mittel eingesetzt, um die Weiterfahrt des anderen zu verhindern. Das muss eine gewisse Erheblichkeit haben, in Urteilen kommt es unter anderem auf die Dauer des Blockierens an.

Ist schon einmal jemand wegen so einer Posse wie dieser belangt worden?

Konkret in Laatzen ist mir nichts bekannt. Aber es gibt Gerichtsurteile zum Blockieren von Fahrbahnen und Zuparken von anderen Fahrzeugen.

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Fotostrecke Laatzen: Streithähne blockieren Straße in Laatzen-Mitte

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