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Syrer benötigen dringend Wohnungen

Alt-Laatzen Syrer benötigen dringend Wohnungen

Freie, bezahlbare Wohnungen sind in Laatzen schwer zu bekommen. Diese Erfahrung machen nun auch die anerkannten Flüchtlinge aus den Sammelunterkünften. Weil sie bei der Wohnungssuche bisher viel Ablehnung erfahren, haben sich zwei Laatzener aus der Flüchtlingshilfe eingeschaltet.

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Derzeit sind 52 Syrer in einem bisher leerstehenden Trakt der Grundschule Rathausstraße untergebracht, der zum Sommer geräumt werden soll. Samer Baddour (vorn) ist anerkannter Flüchtling und sucht nun wie die Syrer Fanar (von rechts), Shiryar Sheikho und Ahmad Kasem eine eigene Wohnung. Unterstützt werden sie dabei von Werner Läwen (hinten, links) und Gunter Eberhardt.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. Samer Baddour ist einer der Männer, die auf die Hilfe angewiesen sind. Bereits 27-mal hat sich der studierte Bauingenieur, der auch schon in Dubai gearbeitet hat, bei Vermietern vorgestellt. Doch immer wieder bekam der 30-Jährige eine Absage. Selbst Sozialarbeiter hätten schon deutlich gemacht, wie „sehr frustriend“ dies sei, erzählt der in der AG Einzelbetreuung engagierte Werner Läwen beim Pressegespräch. Gemeinsam mit Gunter Eberhard will der Alt-Laatzener Pastor im Ruhestand helfen, für die anerkannten Flüchtlinge aus Syrien Wohnungen zu finden.

Seit November sind diese mit 48 Landsleuten im früheren Hauptschultrakt der Schule Rathausstraße untergebracht. Die Nacht zum heutigen Dienstag war die 120., die sie in Stockbetten und Gruppen mit bis zu 13 Männern in einem Raum verbrachten. Was in der Not genügt, ist keine Dauerlösung. Die Gruppe gilt beim Unterkunftsbetreuer DRK Region Hannover und der Stadt Laatzen als „sehr diszipliniert“ und untereinander gut organisiert, doch nach 17 Wochen auf engstem Raum sehnt sich jeder nach mehr Privatsphäre.

Läwen ist überzeugt, dass es mehr freie Wohnungen in Laatzen gibt als es den Anschein hat. Und wie Eberhard ist er sicher, dass sich Vermieter eher melden, wenn sie die Mieter besser kennen und zudem einen Deutschen haben, der bei Gesprächen dabei ist und bei Bedarf vermittelt. Die beiden Integrationslotsen verstehen sich als Paten der Syrer und haben diese ermutigt, sich öffentlich zu präsentieren. Wenn Vermieter nicht nur anonyme „Flüchtlinge“ sondern die individuellen Menschen sähen, würden sie sich eher melden, so lautet ihre Hoffnung.

Wie Samer Baddour ist auch der 39-jährige Faner auf der Suche. Im September ist der Eheman und Vater dreier Kinder aus der umkämpften 200 000-Einwohner-Stadt Hasaka im Norden Syriens nach Deutschland gekommen. „Ich suche Arbeit und eine Wohnung“, sagt der 39-Jährige in klarem Deutsch. Zusätzlich zum täglichen Sprachkurs hat sich der LKW-Fahrer mit 23 Jahren Berufserfahrung einen Praktikumsplatz gesucht und arbeitet nun sechs Stunden im Marvi-Markt. Mit seiner Familie hält er über das soziale Netzwerk WhatsApp Kontakt. Es gehe seinen Angehörigen gut, sagt er. „Das dürfen Sie nicht ganz wörtlich nehmen“, sagt Läwen leise dazu. Faner hofft, seine Familie bald nachholen zu können.

Mit seinen 21 Jahren ist Ahmad Kasem aus Aleppo, in seiner Familie fünftes von acht Kindern, der Jüngste in der Gruppe. Er würde die Sammelunterkunft in Alt-Laatzen ebenfalls gern bald verlassen, in eine Wohnung ziehen und sein Bauingenieur-Studium fortführen. Ähnliches gilt für Shiryar Sheikho. Der 26-Jährige hat in Damaskus drei Jahre englische Literatur studiert und zudem als Fotograf und Designer am Computer gearbeitet.

Auf Vermieterseite gebe es mitunter Bedenken gegen Flüchtlinge - etwa den Umstand, dass einer den Vertrag unterzeichnet aber acht einziehen, erzählt Läwen. Er hat bereits ein Brüderpaar und eine siebenköpfige Familie in Privatwohnungen vermittelt und gute Erfahrungen mit dem Patenmodell gemacht. Der Mietvertrag werde auch von den Flüchtlingen eingehalten, darauf achteten die Integrationslotsen. Außerdem würden „ortsüblichen Mieten gezahlt“. Wer Wohnraum anzubieten hat, erreicht Werner Läwen unter Telefon (05 11) 8 79 16 50.

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