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Tabuthema auf der Schulbühne

Laatzen-Mitte Tabuthema auf der Schulbühne

Harter Stoff aus der potenziellen Erlebniswelt von Jugendlichen: 190 Oberschüler haben am Montag das Theaterstück „Klick and Kill“ gesehen. Darin geht es um Cybermobbing und die soziale Ausgrenzung mithilfe des Internets - und die fatalen Folgen.

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Marco (Simon Altmann) und Sarah (Dürten Thielk) bekämpfen sich – auch per Internet.

Quelle: privat

Laatzen. Die Geschichte von Marco (gespielt von Simon Altmann) und Sarah (Dürten Thielk) kann überall spielen. Zunächst sind beide noch ein Paar, doch dann taucht plötzlich ein erotisches Foto von Sarah bei Facebook und Co. auf. Sarah ist überzeugt, dass nur Marco, der das Bild als einziger hatte, sie derart bloßgestellt haben kann. Sie rächt sich, indem sie ihn im Gegenzug als „Bettnässer“ bezeichnet - und das Unglück nimmt seinen Lauf.

In dem Kampf, der nicht auf die sozialen Medien beschränkt bleibt sondern sich in Schule und privatem Umfeld fortsetzt, gewinnt Sarah die Oberhand und erreicht, dass Marco sozial isoliert wird. Nicht einmal bei seiner Mutter findet er Hilfe. Er solle nur abwarten, morgen sehe die Welt schon anders aus. Sie kenne das von früher, sagt sie nur. In Wahrheit hat sie keine Ahnung vom Ausmaß des Mobbings gegen ihren Sohn. Noch einmal beteuert Marco seine Unschuld - tatsächlich wurde sein Konto gehackt und das Nacktbild von anderen verbreitet - doch Sarah liest und zerreißt den Brief und verbreitet sogar neue Lügen. Marco sieht keinen Ausweg mehr. Und tötet sich.

Inhalt und Botschaft des Stücks berührte die Siebt- bis Neuntklässler spürbar. Am Ende war es für einen Moment ganz still in der Aula. Als das Schauspielerduo bei der Nachbesprechung nach alternativen Wegen fragte, erklärte ein Mädchen, es sehe keine - und brach in Tränen aus. Für die Offenheit und den Mut, das Gefühl der Hilflosigkeit bei Mobbing laut zu benennen, wurde der jungen Zuschauerin Respekt und Applaus entgegengebracht. Sogleich meldeten sich mehrere Schüler, die dazu aufriefen, sich nicht alles gefallen zu lassen. Es sei weitaus stärker, dem Gemobbten beizustehen als dem Mobber. Was die Wortbeiträge auch zeigten: Mobber haben nach Meinung der Schüler einen schwachen Charakter - und nicht die von ihnen terrorisierten Menschen.

Nahezu jeder der nach der Vorführung befragten Jugendlichen hatte zumindest schon von Mobbingfällen gehört. So verbreitet das Thema an Schulen einerseits ist, so sehr sei es anderseits noch ein Tabu, sagte Lehrerin Dana Roßmannek, die die Berliner Schultourtheatergruppe Bühnengold nach Laatzen geholt hatte. „Es ist ein wichtiges Thema mit dem man sensibel umgehen sollte.“

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