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13 Portraits - 13 Perspektiven auf die Welt

Laatzen-Mitte 13 Portraits - 13 Perspektiven auf die Welt

Wie denken die Laatzener über die großen Themen des Lebens? Welche Träume haben sie, was hat sie geprägt, welche Rolle spielen Stichworte wie Heimat, Religion, Tod? Die Thomasgemeinde hat 13 Laatzener - teils mit Fluchterfahrung - interviewt und das Ergebnis in einer Ausstellung zusammengefasst.

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13 Laatzener berichten in der Ausstellung "Das Leben mit meinen Augen", was sie im Leben für wichtig halten, welche Ziele und Träume sie haben, wie sie über Glauben und Tod denken.

Quelle: Dorndorf

Laatzen-Mitte. "Ich dachte immer, das Wort Heimat ist Quatsch, bis mein Bruder und ich unser Grundstück in der Altmark wieder bekamen. Wir sind 12 Jahre jeden Sommer hingefahren und haben dort den Garten bestellt. Das war ein Gefühl, hier gehöre ich her, die Bäume und alles mögen mich hier, ich bin akzeptiert wie ich bin." Gisela Kramer, Jahrgang 1932, hat ihre Heimat wiedergefunden. Mit 16 floh sie aus der Altmark nach Lüneburg, studierte, arbeitete, gründete eine Familie - aber erst nach der Grenzöffnung 1989 gab es die Möglichkeit zur Rückkehr.

Mizgin Barzani, Jahrgang 1983, war dies nicht vergönnt. Die Kurdin wuchs in Syrien, floh dann nach Europa - mit einem Baby. "Die Flucht war die Hölle. Wir sind über das Meer und über Italien gekommen", so Barzani. "Meine Heimat ist jetzt Deutschland. Früher natürlich Syrien, als es dort noch friedlich und gut war. Dort ist nun aber so viel geschehen, dass ich es nicht mehr als Heimat sehen kann."

Zwei Biographien, zwei Generationen, zwei Perspektiven auf das Leben: Die Geschichten von Gisela Kramer und Mizgin Barzani sind zwei von 13 Portraits, die die Thomas-Kirchengemeinde in der Ausstellung "Das Leben mit meinen Augen" zusammengestellt hat. Allen gemeinsam ist, dass sie das Gemeindezentrum Arche besuchen, ob beim Frauenfrühstück der Diakonie, als Aktive der Gemeindearbeit oder Mitglied des Kinderchors. Einige von ihnen sind Flüchtlinge: Manche nach dem Zweiten Weltkrieg, eine als Aussiedlerin aus Sibirien, mehrere aufgrund aktueller Krisen. Es gibt aber auch Portrait von Frauen und Männern, die in Deutschland aufwuchsen und blieben.

"Die Idee ist bei mir im vergangenen Jahr entstanden, als das Thema Flüchtlinge so präsent war", sagt Pastorin Heike Linke, die die Ausstellung initiiert hat. Auch Deutschland habe schließlich eine lange Flucht- und Einwanderungsgeschichte. Sie habe die Geschichten der Menschen in den Blick rücken wollen.

Gemeinsam mit fünf weiteren Frauen des Kirchenvorstands und aus der Diakoniearbeit führte Linke daraufhin Interviews mit Laatzenern. Vergleichbar machen die Geschichten die Art der Fragestellung: Die Gespräche umfassten 20 Fragenkomplexe - von Schule und Ausbildung über Weichenstellungen im Leben, über Stärken, Ziele und Träume, Religion und Heimat bis hin zu Gedanken über den Tod.

Zusammengefasst sind die Ergebnisse auf 13 Tafeln, die nach dem Muster der Gespräche thematisch gegliedert sind. Gezeigt werden dazu die Augen der Interviewten, die zwischen 21 und 84 Jahre alt sind. Die Namen fehlen - auch Barzani und Kramer heißen in Wirklichkeit anders.

Die Art der Aufbereitung verbindet zwei Stärken des Projekts: Entstanden sind 13 sehr persönliche Portraits von Menschen, die oft grundverschieden sind und doch so viele Gemeinsamkeiten haben. "Ich habe viel über Glauben gehört - und hätte nicht gedacht, dass es über die Religionsgrenzen hinweg so viele Parallelen gibt", sagt Linke. Erstaunlich viele hätten beispielsweise betont, wie wichtig ihnen das Gebet ist. "Dabei haben wir die Teilnehmer natürlich nicht danach ausgesucht, wie religiös sie sind."

Manchmal thematisieren auch das Zusammentreffen von Geflüchteten und Deutschen. "Mein Traum ist, dass es so wird auf Erden, wie Gott das haben will", sagt etwa Kramer auf die Frage nach ihren Träumen hin. "Manchmal habe ich das Gefühl, das ist schon da. Zum Beispiel der junge Flüchtling, der mir im Garten hilft, mit dem ich mich so gut verstehe. Es ist ein Wunder, dass man sich mit Leuten, die aus einer ganz anderen Kultur kommen, so gut verstehen kann, manchmal sogar ohne Sprache. Dass man miteinander lachen kann."

Die Ausstellung ist bis Ende November im Raum der Stille des Gemeindezentrums Arche, Marktstraße 21, zu sehen. Der Eintritt ist frei, das Haus tagsüber geöffnet.

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Pastorin Heike Linke hat die Ausstellung initiiert.

Quelle: Dorndorf
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