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Viele Organisten sind älter als 60 Jahre

Laatzen/Hemmingen/Pattensen Viele Organisten sind älter als 60 Jahre

Wer erfolgreich seine Orgelprüfung abgelegt hat und Gottesdienste begleiten will, hat Arbeit so gut wie sicher. Organisten werden vielerorts gesucht und der Bedarf wächst, wie Kreiskantorin Cornelia Jiracek von Arnim im Kirchenkreis Laatzen-Springe und Oberlandeskirchenrat Klaus Grünwaldt wissen.

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Symbolbild Orgel: Eine Musikstudentin übt auf der Orgel im Saal Am Palais der Hochschule für Musik im thüringischen Weimar.

Quelle: dpa (Hendrik Schmidt)

Laatzen/Hemmingen/Pattensen. Herr Grünwaldt, wie groß ist der Bedarf an Organisten in der Landeskirche Hannover?

Den Bedarf kann man nicht punktgenau quantifizieren. Er ergibt sich aber aus der demografischen Erkenntnis, dass 22 Prozent unserer nebenamtlichen Organisten und Organistinnen älter als 70 Jahre alt und 19 Prozent zwischen 60 sind 69 Jahre alt sind. Fast alle Kirchenkreise unserer Landeskirche melden, dass im Bereich Kirchenmusik die Suche nach Nachwuchskräften bei ihnen ganz oben auf der To-Do-Liste steht. Die Hauptamtlichen sind naturgemäß jünger, schon weil sie über 70 nicht mehr arbeiten dürfen. Deutschlandweit werden aber nur etwa 55 bis 60 Prozent der Studierenden im Bereich Kirchenmusik ausgebildet, die wir brauchen würden, um mittelfristig frei werden Stellen wieder besetzen zu können.

Inwiefern gibt es hinsichtlich des Bedarfs regionale Unterschiede?

Hier gilt die Regel, dass die Probleme mit sinkender Einwohnerzahl zunehmen. Das heißt, in den Universitätsstädten gibt es praktisch keine Nachwuchsprobleme, weil sich immer Studierende finden. In den Mittelzentren wie Neustadt, Wunstorf oder Laatzen gibt es genug Orgelschüler, die spielen können, aber auf den Dörfern ist es schon deshalb schwierig, weil der Orgelunterricht angesichts voller Stundenpläne und langer Busfahrtzeiten nicht so stark nachgefragt ist und es aufgrund dessen auch Nachwuchsprobleme gibt.

Gab es schon mal Engpässe dergestalt, dass Gottesdienste statt von Organisten mit Gitarre oder CD-Musik begleitet werden mussten?

Das ist in der Tat der Fall, und zwar bei „kleinen“ Gottesdiensten ebenso wie auch bei Beerdigungen im ländlichen Bereich.

Wie sieht die Situation konkret im Kirchenkreis Laatzen-Springe aus, Frau Jiracek von Arnim?

Viele Stellen sind mit älteren Organisten versehen, die seit Jahren, oft sogar Jahrzehnten, zuverlässig ihren Dienst tun. In Pattensen war in den letzten Monaten die Stelle ausgeschrieben, die eine 70-jährigen Stelleninhaberin gekündigt hatte. Es hat sich eine 50-jährigen Musikerin gemeldet, für die sich der Kirchenvorstand der Gemeinde einstimmig entschieden hat. In Wilkenburg und Hiddestorf sind die Organistenplätze fest mit von mir ausgebildeten Spielerinnen (C- und D- Prüfungen) besetzt, andere meiner Schüler vertreten hier und dort im Kirchenkreis. In Gleidingen findet ein Wechsel statt. Ebenso sucht die Kirchengemeinde Hüpede.

Wie war es für Sie als Kreiskantorin vor dem Hintergrund des Bedarfs, gemeinsam mit Kirchenmusikdirektor Lothar Mohn die Prüfungen bei einem 17-Jährigen, Ihrem Schüler Samuel, abzunehmen?

Bei der Prüfung zitterte ich innerlich mit, war aber in seinem Fall ganz sicher, dass er es gut machen würde: Samuel war gut vorbereitet und hat gute Nerven. Seine Vorspiele klappten fehlerfrei. Es hat mich froh gemacht, dass wieder ein junger Spieler an der Orgel sitzen wird.

Ist Samuel Ihr jüngster Prüfling?

Ich habe in meiner Zeit als Kreiskantorin seit 1975 ungefähr 48 Schülerinnen und Schüler an der Orgel ausgebildet. Die meisten haben D- oder C- Prüfungen abgelegt. Samuel ist mit 17 Jahren einer der jüngsten Orgelspieler im Kirchenkreis. Anna-Lena Senk aus Gleidingen hat es 2014 mit 18 Jahren geschafft. Noch früher die D-Prüfung abgelegt hat 1981 Meike Döbbeling aus Alt-Laatzen. Sie war gerade 16 Jahre alt.

Abschließend noch eine finanzielle Frage an Sie, Herr Grünwaldt: Was bekommen Organisten eigentlich für einen Gottesdienst?

Die Bezahlung ist durch eine landeskirchliche Entgeltordnung festgelegt – aus Gerechtigkeitsgründen. Diese ist an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TLV) angepasst. Sie richtet sich nach der Qualifikation der Spielenden, also danach, welche Prüfung sie abgelegt haben. Pro Gottesdienst werden zwischen 40 (D-Prüfung) und 70 Euro (A-Prüfung oder Master) bezahlt. Organisten ohne Prüfung erhalten 33 Euro.

Von Astrid Köhler

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