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Vom Boot aus die Welt neu entdecken

Grasdorf Vom Boot aus die Welt neu entdecken

Kanufahren auf der Leine wird immer beliebter. Vor allem an Wochenenden steuern immer mehr Bootsverleiher Grasdorf an, um Dutzende Freizeitpaddler aufs Wasser zu bringen. Doch es gibt auch kritische Punkte, wie Naturfreunde, Paddler und Bootsverleiher wissen.

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Bevor die Gruppen paddeln, gibt es entsprechende Einführungen.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. Die Umgebung aus anderem Blickwinkel sehen, nur eine Oberkörperlänge vom Fluss getrennt und mit dem Paddel in der Hand. Durchatmen, entschleunigen, den Blick schweifen lassen. Viele Paddler suchen diese Ruhe, und finden sie, wenn ihr Boot durch den Fluss gleitet. Das Naturerlebnis kombiniert mit sportlicher Betätigung macht den Reiz von Paddeln aus.

„Freunde haben uns die Tour empfohlen“, erzählen Silvia Brolowski und ihr Freund Michael Hofmann. Das Paar aus Hannover Buchholz hat schon ein paar Mal im Boot gesessen. In Grasdorf haben sie sich extra für eine geführte Tour mit dem Nabu auf den Spuren des Bibers angemeldet. So hoffen sie, noch etwas „Fachwissen“ dazu zu bekommen. Bevor es für sie und die anderen Teilnehmer in den grell orangefarbenen Schwimmwesten der Paddeltouren aber soweit ist, gibt es jeweils knapp 30-minütige Theorieeinheit, erst zum Biber, dann zum Verhalten auf dem Wasser selbst. Die Regeln hört auch eine zweite Gruppe, die etwa 30 Meter entfernt Burkhard Diefenbach umringt: Möglichst in der Flussmitte leicht rechts fahren, die Uferzonen meiden, nicht so laut sprechen, nur bei den in der Karte verzeichneten Stellen aussteigen – das ist nur einiges von dem, was der Mitarbeiter von Kanu-Wasser Wander-Service berichtet. Neben diesem Anbieter, der nach eigenen Angaben vor 10 Jahren der ersten in der Region war, gibt es inzwischen noch drei weitere sowie diverse Privatleute, die auf der Leine fahren. Die allermeisten Paddler halten sich an die Regeln, doch es gibt auch Schwarze Schafe. Sie stören die Natur, weil sie laut grölen, mit ihren Booten in die Uferzonen fahren oder gar mitten im Grünen aussteigen, um sich zu erleichtern oder zu picknicken, wie Naturfreunde in Grasdorf beobachtet haben. Sie sollen die Ausnahme sein, aber sie schaden damit auch den Freizeitpaddlern. „Man merkt schon, dass man nahe der Stadt ist“, erzählt Ulrike Adler, die schon häufiger in Hannover gepaddelt ist. „Es gibt viel Dreck, Müll und Flaschen.“

Früher seien fast nur Vereinssportler auf der Leine unterwegs gewesen, sagt Karl Steinbrink vom Nabu Laatzen: „Heute sind es zum allergrößten Teil Anfänger, die laut sind und an die Ufer, fahren. Für die Natur ist das nicht zuträglich.“ Er halte die Leine durch die vielen Paddler für überfordert. Reinhard Saxowsky, der für den Nabu seit drei Jahren in den Sommermonaten begleitete Touren anbietet, sieht dies differenzierte. Ja, der Bootsverkehr habe stark zugenommen, besonders am Maschsee. Doch letztlich sei es Naherholung und sanfter Tourismus. „Alles hat Auswirkung. Man kann genauso fragen, ob es besser ist mit dem Wohnmobil nach Norwegen zu fahren oder nach Ibiza zu fliegen.“

Dem Müllproblem auf der Leine wollen Anbieter wie Allerhorn dahingehend begegnen, dass sie zum Saisonende wieder Sammeltouren anbieten. Die Boote werden für die Aktion kostenfrei abgegeben.

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