Laatzen. So hat es Mario T. am Montag beim vierten Verhandlungstag vor dem Schwurgericht ausgesagt. Damit widersprach er an entscheidenden Stellen der Darstellung des anderen Angeklagten Paul B., der bei seinem umfassenden Geständnis bei der Prozesseröffnung ausschließlich sich und seinen Komplizen Mario T. belastet hatte.
In einer von seinem Rechtsanwalt verlesenen Stellungnahme ließ T. erklären, seine Schwester habe den zweiten Angeklagten Paul B. bereits vor der Messerattacke auf Chris L. immer wieder zu Verbrechen angestiftet. „Jenny hat alles geplant, und Paul setzte es dann in Taten um“, hieß es. Bei den Vergehen sei Paul mehrfach auch gewalttätig geworden. So soll er auf Anweisung von Jenny T. in Berlin einen jungen Mann krankenhausreif geprügelt und einen anderen an einen Stuhl gefesselt und gequält haben, um an das Geld der Opfer zu kommen.
Von einigen der Taten sollen Videos existieren, auf denen auch die 17-Jährige zu erkennen sein soll. Auf einem der Streifen ist nach Angaben ihres Bruders Mario zu erkennen, wie ein junger Mann von Paul B. zusammengeschlagen wird und Jenny den Angreifer anstachelt: „Stich ihm ins Herz.“
Aus diesem Umstand ergibt sich nach Darstellung des Angeklagten auch ein ganz anderes Motiv für die Tötung des Opfers in Laatzen: Mario T. will die Videos zusammen mit Tagebüchern von Jenny und Paul, die damals ein Paar waren, irgendwann bei seinem Bekannten Chris L. versteckt haben. Dieser wiederum habe Paul und Jenny später damit bedroht.
Daraufhin soll Jenny T. den Plan entwickelt haben, Chris L. zu beseitigen. „Chris weiß zu viel, der wird zu gefährlich“, soll die 17-jährige Jenny zu ihrem Freund Paul B. gesagt haben, der sich dann Zutritt zu der Wohnung des Opfers verschaffte, dem jungen Mann 62 Messerstiche beibrachte und ihn anschließend mit einem Kissen erstickte.
Im Verlauf der Einlassung wurde die Geschichte des Mario T. allerdings immer abstruser. Von Nazis aus Laatzen war da die Rede, die bei der Beseitigung der Leiche helfen sollten. Die Sprache kam auch auf eine Sekte in Spanien, der Mario T. einmal angehört haben will, und von mehreren sexuellen Übergriffen, die schließlich dazu führten, dass sich der 24-Jährige in eine psychiatrische Klinik einwiesen ließ, wo er festgenommen wurde.
Der Prozess wird nun am Mittwoch fortgesetzt.
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