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Zeitdokumente beschreiben Wiederaufbau der Kirchen

Grasdorf Zeitdokumente beschreiben Wiederaufbau der Kirchen

Nach der Bombennacht am 22. September 1943 standen von der St.-Marien-Kirche nur noch die Grundmauern. Jetzt gefundene historische Dokumente beschreiben den Wiederaufbau des Gebäudes. Die Papiere steckten 67 Jahre lang eingerollt in einer Zeitkapsel unter dem Kirchturmkreuz.

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Eines der Schriftstücke aus der Zeitkapsel enthält die Namen der Handwerker, die die Kirche wieder aufgebaut haben.

Quelle: Stephanie Zerm

Grasdorf. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die meisten Grasdorfer kein Dach mehr über dem Kopf: 70 Prozent aller Häuser waren zerstört. Essen gab es nur gegen Vorlage von Lebensmittelmarken – und diese reichten oft nicht aus.

Ein wichtiges historisches Dokument aus dieser Zeit ist jetzt bei der Abnahme des Kirchturmkreuzes der St.-Marien-Kirche zum Vorschein gekommen. Die Papiere stammen aus dem Jahr 1950 und beschreiben den mühsamen Aufbau der Kirche. Aufgezeichnet wurde der Baubericht von dem damaligen Pastor Georg Schaaf und dem Vorstand der Marienkirche. "Die Geschichte des Wiederaufbaus der am 22. September 1943 durch Brand- und Phosphorbomben zerstörten Kirche zu Grasdorf ist so wunderbar, dass sie in kurzen Zügen für die Nachwelt aufgeschrieben werden muss", heißt es im ersten Satz des Dokuments. Denn obwohl Geld und Baumaterialien knapp waren, gelang es, die Kirche in den Jahren von 1946 bis 1950 wieder aufzubauen. Der Maurermeister Helmut Flohr arbeitete damals zugleich am Aufbau von Notunterkünften für die Grasdorfer Bürger. "Er hatte eine lange Liste mit Namen, die er der Reihe nach abarbeitete", erinnert sich sein heute 85-jähriger Sohn, der ebenfalls Helmut heißt und immer noch in Grasdorf lebt.

"Trotz Lebensmittelknappheit beteiligten sich über 50 Familien im Dorfe daran, das Essen für die Bauleute zu bringen", heißt es in dem Baubericht. "Das war wichtig, damit die Maurer- und Zimmerleute etwas in die Knochen bekommen", berichtet der heute 85-jährige Flohr.

Viele Baumaterialien waren Spenden. "Die Familie Dannenberg schenkte der Kirche nach dem Tode der Hausmutter zwei mächtige Torpfosten aus Sandstein, die wir aufsägen ließen", schreibt Pastor Georg Schaaf. "Dadurch erhielten wir die breiten Stufen vor dem Altar." Auch der Altar selbst wurde aus gespendeten Sandsteinplatten und aus Sandsteineinfassungen von Gräbern errichtet. Als Grundstein diente eine alte Grabplatte.

Die übrigen Baumaterialien beschaffte die Kirche dort, wo es gerade möglich war. Die Sandsteine für das Mauerwerk stammen aus einem Steinbruch in Völksen sowie aus den Ruinen der Stadt Hannover, da von der Landeshauptstadt der Transport nach Grasdorf günstiger war. Aber auch aus den Ruinen der zerstörten Grasdorfer Ziegelei fuhren die Gemeindemitglieder Ziegelsteine herbei.

Die Fenster wurden 1948 aus getrocknetem Lärchenholz angefertigt, das die Gemeinde gegen ihr eingelagertes Eichenholz getauscht hatte.

1949 war die Kirche dann soweit hergestellt, dass darin wieder Gottesdienste gefeiert werden konnten. Allerdings fanden diese noch ohne Fußboden statt. Als Sitzbänke dienten Bretter, die über Pfählen lagen, die in den Sandboden gerammt worden waren.

Statt der davorigen Wetterfahne erhielt die Kirche ihr bis heute charakteristisches Kirchturmkreuz. Dieses soll "kommenden Generationen anzeigen, was unser Geschlecht in harten Weltanschauungskämpfen durchlebt hat", schreibt Pastor Georg Schaaf am Ende seines nunmehr 67 Jahre alten Berichts.

Um diesen für die Nachwelt aufzubewahren, soll er nach der Sanierung des Kreuzes wieder an seinen ursprünglichen Platz in der Zeitkapsel auf dem Kirchturm montiert werden – zusätzlich mit aktuellen Dokumenten, Fotos und Münzen.

Wer den historischen Baubericht in ganzer Länge lesen möchte, kann sich vom Gemeindebüro, Telefon (0511) 82 13 74, E-Mail KG-Marien-Grasdorf@evlka.de, eine Kopie schicken lassen oder vor Ort Einsicht nehmen.

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Von Stephanie Zerm

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