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Flüchtlinge absovieren Freiwilligendienst

Laatzen Flüchtlinge absovieren Freiwilligendienst

Zwei Flüchtlinge absovieren seit Mitte März ihren Bundesfreiliwiligendienst (Bfd) in Laatzen - passenderweise beim Netzwerk für Flüchtlinge. Die Syrerin Ahlam Tozo und Artesh Ahmad. ebenfalls aus Syrien, unterstützen künftig die Netzwerk-Koordinatorin Mareike Fruth bei ihrer Arbeit.

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Ahlam Tozo (25, links) und Artesh Ahmad (24) absolvieren seit Mitte März ihren Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug beim Laatzener Netzwerk für Flüchtlinge.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen. Das Netzwerk kann Flüchtlingen offenbar ein guten Fundament für den Start ins Arbeitsleben bereits: Bereits im vergangenen Jahr hatte der Syrer Alkakaa Alkhatib seinen Freiwilligendienst beim Netzwerk für Flüchtlinge begonnen. Eigentlich sollte er dort auch noch tätig sein - doch schon kurz nach der Halbzeit hat Alkhatib einen Ausbildungsplatz gefunden. "Er hat am 15. März eine Ausbildung bei einer Firma für Parkettböden in Laatzen begonnen", freut sich Mareike Fruth.

Jetzt treten gleich zwei Schutzsuchende seine Nachfolge an: Am 15. März haben Ahlam Tozo und Artesh Ahmad mit ihrem Freiwilligendienst beim Netzwerk begonnen. "Wir arbeiten uns gerade ein", sagt Artesh Ahmad. Der 24-Jährige ist vor knapp drei Jahren aus Syrien geflüchtet. Erst vor vier Wochen zog er nach Laatzen - seine Eltern wohnen schon seit längerer Zeit hier. Nun hat er mit dem Bfd eine gute Beschäftigung gefunden, glaubt Ahmad. "Ich habe mich bei Mareike Fruth über den Freiwillgendienst informiert. Kurz darauf hatte ich noch ein Gespräch mit der Diakonie." Das Diakonische Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist Trägerin des sogenannten „Bfd mit Flüchtlingsbezug". "Das hat alles gepasst", ergänzt Fruth. "Wir haben das dann ganz schnell eingetütet."

Artesh Ahmad interessiert sich für soziale Arbeit

Auf den Bfd aufmerksam geworden ist Ahmad über eine Laatzener Familie. "Arteshs Eltern werden von Familie Sasse ehrenamtlich betreut", sagt Fruth. Sie hätten dem 24-Jährigen den Freiwilligendienst beim Netzwerk für Flüchtlinge empfohlen.

Nach seiner Flucht hatte Ahmad zunächst zweieinhalb Jahre in Lübeck gelebt. "Ich habe dort mehrere Sprachkurse besucht", sagt der 24-Jährige, der in Syrien Jura studiert hat.  Mittlerweile hat er das Sprachniveau C1 in der Tasche, das ihm "Fachkundige Sprachkenntnisse" attestiert. Nun lernt er bei der Arbeit im Netzwerk gleich die Stadt Laatzen kennen. Bei seiner Tätigkeit will er auch seine Sprachkenntnisse weiter vertiefen. "Ich würde im Anschluss gerne studieren." Als Studiengang hat er derzeit den Schwerpunkt Soziale Arbeit im Blick.

Ahlam Tozo unterstützt als Ehrenamtliche bereits Flüchtlinge bei St. Oliver

Zeitgleich mit Artesh Ahmad hat auch Ahlam Tozo ihren Freiwilligendeinst beim Netzwerk für Flüchtlinge begonnen. Die 25-Jährige lebt seit drei Jahren in Deutschland. Ein halbes Jahr wohnte sie zunächst in Delmenhorst, seit zweieinhalb Jahren lebt sie in Laatzen. "Ich hatte eigentlich als Praktikantin beim Netzwerk für Flüchtlinge begonnen", sagt die Syrerin. "Alkakaa hat mir dann empfohlen, dass ich hier doch auch meinen Bundesfreiwilligendienst machen könnte."

Tozo engagiert sich bereits seit einige Zeit ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe in Laatzen. "Ich helfe mittwochs bei den Sprachkursen bei St. Oliver mit." Dort bringt sie Flüchtlingen zusammen mit anderen Ehrenamtlichen deutsch bei - und kann dabei sogar übersetzen. "Einige von ihnen sind Analphabeten oder sprachlich noch auf A1-Niveau." Parallel lernt sie selbst weiter deutsch. "Ich habe mein B1-Zertifikat abgeschlossen und nehme jetzt am B2-Kurs teil", sagt die 25-Jährige.

Ihre Sprachkenntnisse will sie parallel zum Freiwilligendienst weiter vertiefen. "Ohne gute Sprachkenntnisse ist es nicht so einfach, hier zu studieren", weiß Tozo. Zudem wartet sie darauf, dass ihr Studienzeugnis angerechnet wird. "Ich habe in Syrien Bankenwesen studiert und möchte hier im Anschluss BWL studieren", sagt sie.

Freiwillige bilden Schnittstelle zwischen Helfern und Flüchtlingen

In den nächsten Wochen werden sich die beiden Syrer weiter in ihre Tätigkeit einarbeiten. "Sie begleiten mich zu Terminen und werden dabei auch andere Ansprechpartner und Orte kennen lernen", sagt Fruth. Zudem arbeiten sie sich in die alltägliche Büroarbeit ein. Später sollen sie die Koordinatorin bei ihrer Arbeit unterstützen und eigene Projekte realisieren. Zudem sollen sie neben Fruth eine Schnittstelle zwischen Helfern und Flüchtlingen bilden. 

In den vergangenen Tagen hatte Artesh Ahmad bereits mehrfach in der Fahrradwerkstatt des Flüchtlingsnezwerkes mitgearbeitet, Ahlam Tozo engagiert sich weiterhin in der Sprachförderung. Wer später dann welche konkreten Aufgaben übernimmt, steht noch nicht fest. "Das wird in den nächsten Wochen der Alltag zeigen", sagt Fruth. 

Freiwilligendienst ist gefragt

Nachdem bei Mareike Fruth zunächst wenige Anfragen für den Freiwilligendienst eingegangen waren, habe sich das Interesse in den vergangenen Monaten gesteigert. "Ich hatten zuletzt fünf Bewerbungen von Flüchtlingen vorliegen, es gibt da mittlerweile eine größere Nachfrage. Wir können beim Netzwerk aber nur zwei Freiwillige beschäftigen." Ihre Erfahrungen der vergangenen Monate mit dem ersten Freiwilligendienstler Alkakaa Alkhatib seien durchweg positiv gewesen. "Ich kann es anderen Einrichtungen nur empfehlen, Flüchlinge im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes zu beschäftigen", sagt Fruth. "Die Flüchtlinge kennen eine andere Kultur und sprechen andere Sprachen." Deshalb könnten sie zwischen den Kulturen ganz anders vermitteln. Interessant könnte der Einsatz zum Beispiel in Schulen oder Kindergärten, aber auch in Sportvereinen sein.

Sonderprogramm mit Flüchtlingsbezug bis Ende 2018

Das Sonderprogramm „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug“ der Bundesregierung richtet sich sowohl an Asylberechtigte und Asylbewerber „mit guter Bleibeperspektive“ als auch an einheimische Freiwillige, die sich im Bereich der Flüchtlingshilfe engagieren wollen. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer Aufgaben übernehmen, die im Zusammenhang mit Flüchtlingen stehen. Das Sonderprogramm des Bundes läuft zunächst bis zum 31. Dezember 2018.

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Artesh Ahmad (von links) und Ahlam Tozo absolvieren seit Mitte März ihren Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug beim Laatzener Netzwerk für Flüchtlinge. Unter der Leitung der Koordinatorin Mareike Fruth arbeiten sich die beiden derzeit in ihre Aufgaben ein.

Quelle: Daniel Junker

Von Daniel Junker

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