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3. Oktober - Leid und Freude

Langenhagen 3. Oktober - Leid und Freude

Auch Jazz, Weizenbier und Grillwürste dürfen dazugehören, wenn die Langenhagener den 25. Tag der Deutschen Einheit auf dem Rathausplatz feiern. Denn Mauerfall und Wiedervereinigung sind die wohl glücklichsten Ereignisse in Deutschland seit Kriegsende. So bezeichnet die stellvertretende Bürgermeisterin Renate Friedrich-Werner den 3. Oktober.

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Renate Friedrich-Werner am Mahnmal für die Opfer von Gewalt.

Langenhagen. Friedrich-Werner fand damit ganz offensichtlich die Worte, die den vielen Feiernden auf dem Platz aus dem Herzen sprachen. Denn noch eine Erkenntnis schloss Friedrich-Werner ein: „Heute ist Deutschland der europäische Staat mit den meisten Nachbarn.“ Schwere persönliche Schicksale jedoch sind in den Jahren bis zum Mauerfall 1989 auf der östlichen und der westlichen Seite der Mauer durchzustehen gewesen, in der damaligen DDR vor allem Bespitzelung, Verfolgung, Haftjahre, betonte die Bürgermeisterin.

Wolfgang Becker, der 91 Jahre alte frühere Vorsitzende des Verbandes politisch Verfolgter des Kommunismus, war aus Salzgitter angereist, ergriff aber nicht das Wort. Gleichwohl: Die Bürgermeisterin, die den Verband selbst sieben Jahre führte, verwies - mit Dank an ihn - auf die künstlerisch gestaltete Mahntafel am Rathausplatz, die Becker 2001 der Stadt Langenhagen gestiftet hatte.

Nachrichten aus dem DDR-Fernsehen und die „Tagesschau“-Berichte von 1988 bis 1990 liefen während der Feier im Rathausfoyer in der Wanderausstellung „SED, wenn Du nicht gehst, dann gehen wir“. Bis zum 25. Oktober haben Besucher die Gelegenheit, an Videostationen und Stellwänden die bewegenden Ereignisse von der friedlichen Revolution in der DDR im Herbst 1989 über die Grenzöffnung und die ersten freien Wahlen am 18. März 1990 bis zur wachsenden deutschen Einheit nachzuvollziehen.

Eine kurze Gedenkminute für die Opfer von Gewalt war draußen vor dem Rathaus an den Bierzelttischen insofern ebenso selbstverständlich angebracht wie die Feierlaune. Von dem schweren Ankommen als kritischer und zeitweise inhaftierter DDR-Bewohner im „Westen“, auch vom Zusammenbruch seiner persönlichen politischen Illusionen hier berichtete Siegmar Faust, ebenfalls für den Verband politisch Verfolgter des Kommunismus. Er beschrieb die schmerzvolle Ernüchterung, sich mit seinen „realsozialistischen Erfahrungen“ jahrelang politisch weder links noch rechts zuordnen zu können. Er habe nicht mehr gewusst, ob dies noch die Bundesrepublik sei, „für die wir als Dissidenten eingetreten sind“.

Politiker und Schriftsteller zitierte er unerschöpflich und hätte wahrscheinlich noch lange weiterreden können. Versöhnlich am Ende: „Es ist eine gelungene Sache gewesen. Wir sehen heute blühende Landschaften und Städte“ - wie es einst Kanzler Helmut Kohl versprochen hatte.

Von Ursula Kallenbach

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