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Firmen wetteifern um Auszubildende

Langenhagen Firmen wetteifern um Auszubildende

Rund 60 Ausbilder haben sich auf Einladung der Stadt am Donnerstagmorgen zum Erfahrungsaustausch beim Frühstück getroffen. Zwei Referate informierten über Möglichkeiten zur Qualitätssicherung sowie über spezielle Anforderungen bei der Ausbildung von Migranten.

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Rund 60 Ausbilder sind der Einladung der Stadt zum Erfahrungsaustausch gefolgt.

Quelle: Böger

Langenhagen. Bereits zum neunten Mal hatte Langenhagen zum Ausbilderfrühstück eingeladen. Damit sei die Stadt „durchaus vorbildlich“, meinte Bürgermeister Mirko Heuer, da sie Firmenvertreter mit Lehrkräften zusammenbringe und so für „wichtige Kommunikation“ sorge.

Dass eine intensive Zusammenarbeit von Schulen und Betrieben eine wesentliche Voraussetzung für eine qualitätsvolle Ausbildung sei, bestätigte auch Bettina Wolf-Moritz von der Handwerkskammer. Das fange schon damit an, Praktikumsplätze für Schüler anzubieten, damit beide Seiten ausprobieren können, ob man zueinander passt.

Außerdem stünden die Unternehmen inzwischen in einem starken Wettbewerb um Auszubildende: Laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages konnten im vergangenen Jahr mehr als 30 Prozent der Firmen ihre angebotenen Lehrstellen nicht besetzen. Das sei nur zum Teil Folge des demografischen Wandels, sagte Wolf-Moritz. Auch die zunehmende Akademisierung der Ausbildung trage dazu bei, aber auch das schlechte Image mancher Berufe oder schlichte Unkenntnis der potenziellen Bewerber. Dabei sei beispielsweise Kälte-Klima-Mechatroniker „durchaus ein spannender Beruf“.

Als weitere Kriterien für eine gute Ausbildung nannte Wolf-Moritz einen konkreten, nachvollziehbaren Ausbildungsplan, feste Ansprechpartner, eine individuelle Förderung sowie regelmäßige Gespräche mit dem Azubi. „Die Parole ,nicht gemeckert ist genug gelobt’ reicht nicht aus“, betonte die Beauftragte für Qualitätssicherung bei der Handwerkskammer.

In der Berufseinstiegsschule müsse man sich inzwischen verstärkt um Flüchtlinge kümmern, berichtete Lehrerin Katrin Bajraktari. Das sei schon aus Sprachgründen schwierig, aber auch wegen der arg unterschiedlichen Schulsysteme und Unterrichtsmethoden. Lehrkräfte fragten sich, ob „unsere Schüler zu dumm sind, um eine Mappe zu führen“. Tatsächlich liege es daran, dass die jungen Leute „noch nie in ihrem Leben eine Mappe angelegt haben“. Doch die Migranten seien durchweg „pünktlich, höflich und willig“, versicherte Bajraktari. So habe ihr ein Ausbilder berichtet, er habe einem Azubi „einmal gesagt, er soll die Werkstatt fegen – seitdem ist die immer sauber“.

Noch einmal schreiben lernen

Von den Schwierigkeiten junger Menschen, sich in einem fremden Land zurechtzufinden, berichtete Saidal Abdi den Gästen des Ausbilderfrühstücks. Er kam vor zweieinhalb Jahren als 17-Jähriger ohne Familie aus dem Irak nach Deutschland. In der Heimat hatte er bereits die elfte Klasse absolviert, doch nun musste er erstmal eine neue Schrift erlernen - Buchstabe für Buchstabe wie ein Schulanfänger. "Mit 18 muss man viel selbst entscheiden, das ist manchmal schwer", machte Abdi auch deutlich, dass im Irak die Familie wesentlich mehr Dinge bestimmt als hierzulande.

Auf einen sechsmonatigen Sprachkursus folgte die einjährige Sprachförderklasse an der Berufseinstiegsschule, die Abdi erfolgreich mit einer Prüfung abschloss. Die Schule vermittelte ihm einen Praktikumsplatz bei der Langenhagener Metallgestaltungsfirma Kierey. Dort war man von dem jungen Mann so angetan, dass er nach fünf Tagen einen Ausbildungsplatz bekam. Jetzt hat er das erste Ausbildungsjahr schon fast geschafft, doch ohne kräftige Unterstützung durch die Lehrer und seinen Chef wäre das nicht möglich gewesen, sagt Abdi.

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