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AfL will rot-grüne Mehrheit brechen

Langenhagen AfL will rot-grüne Mehrheit brechen

Bei der Kommunalwahl im September haben Bürger nun eine weitere Option: Die Wählergemeinschaft Alternative für Langenhagen (AfL) geht mit derzeit fünf Kandidaten an den Start. Einer von ihnen ist der langjährige Ratsherr Bernd Speich. Er fungiert zugleich als politischer Sprecher der neuen Initiative.

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Treten für die AFL in Langenhagen an (von links): Andreas Eilers, Gerriet Kohls, Bernd Speich, Ursula und Norbert Missner.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Der Name klingt so ähnlich wie der der am rechten Rand verorteten Partei Alternative für Deutschland (AfD). Ein Versehen? „Mit einem Zufall kann man da nicht rechnen“, kommentiert Speich diese naheliegende Frage. Eine inhaltliche Nähe zur AfD weist er jedoch entschieden zurück. Der Begriff „Alternative“ beziehe sich auf eine neue Wahlmöglichkeit für Langenhagener Bürger. „Wir wollten eine Alternative zu den im Rat bestehenden Gruppierungen und Fraktionen sein“, sagt der 71-Jährige.

Das angestrebte Ziel für die Kommunalwahl: Drei Sitze im Rat – oder auch mehr. Zudem wolle man die rot-grüne Mehrheit im Rat der Stadt aufbrechen und so wieder „sachbezogene Diskussionen“ ermöglichen, die in den festgefahrenen Strukturen aktuell nicht möglich seien, meint Speich. Vernünftige Beschlüsse anderer Parteien seien auf alle Fälle zustimmungsfähig. „Als Demokrat muss man mit allen können“, betont er. Die AfL will auch den Einfluss der Bürger auf politische Entscheidungen stärken. So sollen auch Bürger, die sich aus Frust von der Politik abgewendet haben, künftig zu den AfL-Wählern gehören.

Zu einem ersten Treffen am 29.  April dieses Jahres seien ein gutes Dutzend Interessierte gekommen, sagt Speich, der für den Wahlbereich Mitte antreten will. Dort habe man sogleich die Kandidaten aufgestellt, einen Namen gefunden und eine Satzung geschrieben. Auch das Wahlprogramm stehe bereits zu einem Großteil und soll in den kommenden zwei Wochen vorgestellt werden.

Für den Wahlbereich Wiesenau, Brink und Im Hohen Felde steht Ursula Missner als Kandidatin der AfL zur Wahl. Sie hadert vor allem mit den von der Stadtverwaltung aufgelegten Sanierungsgebieten Wiesenau und Langenhagen-Nord. Diese werden auch von Speich kritisiert. Er spricht von „kalter Enteignung.“ „Ich habe eigentlich genug zu tun, um mich um Politik zu kümmern“, sagt Missner. „Aber irgendwann habe ich gedacht, also jetzt ist aber wirklich gut.“ Ihr Bruder Norbert Missner will für den Wahlbereich Langenforth antreten. Er habe Erfahrung mit Kosten für Bauvorhaben, sagt der Handwerksmeister. Manche Ratsmitglieder hingegen könnten einen „Stahlträger nicht von einem Holzbrett unterscheiden“, meint er.

Der wichtigste Punkt sei, dass man „den Willen der Bürger aufnehmen und umsetzen“ wolle, sagt Andreas Eilers, der auch im Schulelternrat engagiert ist. Er tritt im Wahlbereich Kaltenweide, Krähenwinkel und Alt-Langenhagen Nord an. So würden auch die Eltern in Kaltenweide bei der Planung der Grundschule übergangen. Als Beispiel nennt er die dort von Politik und Verwaltung favorisierte Ganztagsschule. „Die will aber keiner“, betont Eilers. Das hätten Elternbefragungen auch gezeigt.

Gerriet Kohls kandidiert für den Wahlbereich Engelbostel, Godshorn und Schulenburg. Seine politische Linie will er auch in der AfL fortsetzen. „Ich will mehr Bürgerdemokratie. Die Leute sollen viel mehr Einfluss haben“, sagt er. Kohls setzt auf eine professionelle Durchführung und Berücksichtigung von Bürgerbefragungen. Er, wie auch die übrigen AfL-Vertreter wollen sich unter anderem für den Erhalt des Godshorner Freibades starkmachen.

Speich, der nach 20 Jahren Politik für FDP und als unabhängiger Ratsherr seinen Rückzug verkündet hatte, begründet sein neues Engagement mit der ablehnenden Haltung von Politik und Rathausverwaltung in Sachen Flughafenentwicklung. „Wir müssen dem Flughafen Erweiterung zubilligen“, betont Speich. Denn dieser habe im Laufe der Jahren Tausende Arbeitsplätze direkt oder indirekt nach Langenhagen gezogen. „Und den Wohlstand der Stadt genährt.“

Die Zeit wird es zeigen

Ein Kommentar von Sven Warnecke

Der Name ist nicht zufällig, sondern ganz bewusst gewählt, heißt es vonseiten der AfL selbstbewusst. Schließlich wolle man den Bürgern eine Alternative bieten. Doch mit Verlaub, ob die Namensgebung wirklich geschickt war, darf angezweifelt werden. Denn trotz aller Lippenbekenntnisse, dass es sich dabei nicht um einen Ableger der am rechten Rand fischenden AfD handelt, dürfte der Name das Wahlvolk irritieren. Demokraten, die tatsächlich eine Alternative zu den etablierten Parteien in der Stadt suchen, könnten so abgeschreckt werden. Welche politische Gesinnung sich nun wirklich hinter der Wählergemeinschaft verbirgt, wird deren in Kürze erwartetes Wahlprogramm zu Tage fördern. Dann gibt es Klarheit.

Von Sven Warnecke und Nils Oehlschläger

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