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Viele Barrieren in Langenhagen

Langenhagen Viele Barrieren in Langenhagen

Gemeinsam auf unbemerkte Hürden im Alltag hinweisen: Seit Mai ist in Langenhagen der Arbeitskreis Barrierefreiheit unter Federführung von Albert Schneider aktiv. Mit Aktionen wollen sie Bürger - aber vor allem auch die Stadt - für bauliche Missstände in der Stadt sensibilisieren.

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Wollen Aufklärungsarbeit betreiben: Albert Schneider (von links), Sebastian Poerschke und Martin Wulff engagieren sich unter anderem im Arbeitskreis Barrierefreiheit für die Interessen von Menschen mit Handicap. Als Betroffene wissen sie sehr genau, wo es in baulicher Hinsicht krankt.

Quelle: Zottl

Langenhagen. Harte Bretter zu bohren, braucht seine Zeit. Das haben Albert Schneider, Martin Wulff und Sebastian Poerschke erst vor wenigen Tagen gemerkt, als sie an der Bushaltestelle Langenhagen/Rathaus Flugblätter zum Thema Barrierefreiheit an ankommende und einsteigende Fahrgäste verteilten. "Manche haben sich sehr interessiert. Andere wollten sich gar nicht mit dem Thema befassen", sagte Schneider.

Dabei war das Infoblatt alles andere als kompliziert: Unter dem Titel "Diese Bushaltestelle wäre barrierefrei, wenn ..." hatten die Männer sehr anschaulich skizziert, wie die Haltestelle und ihre gesamte Peripherie aussehen müsste, damit Seh-, Hör- und Mobilitätseingeschränkte sicher in den und aus dem Bus kommen.

Ein großer Kritikpunkt sind die transparenten Glaswände des Wartehäuschens - aktuell eigentlich der Inbegriff moderner Haltestellengestaltung. Aber für Schneider und alle anderen Menschen mit Sehbehinderung stellen sie ein hohes Risiko dar, weil sie diese nicht als Barriere erkennen. Dass die Wände am Stopp Langenhagen/Rathaus auf halber Höhe einen milchigweißen Streifen haben - geschenkt. "Sie müssen kontrastreich sein, beispielsweise rot", sagt Schneider. Zwei Markierungen - eine für kleingewachsene Menschen, eine für größere - wären ebenfalls sinnvoller als diese eine in der Mitte.

Dass es am Haltepunkt keinerlei taktile Bodenelemente gibt - diese sogenannten  Aufmerksamkeitsfelder und Leitstreifen mit ertastbaren Rillen, Punkten und anderen Oberflächenstrukturen erleichtern Blinden und stark Seheingeschränkten die Orientierung - ist ebenfalls ein Manko. Aber was noch viel schlimmer ist und leider in der Welt der Buswartehäuschen kein Einzelfall: Zwischen der Einstiegskante und dem Bushaus verläuft der Fahrradweg. "Das ist eine große Gefahr", sagt Schneider und fügt hinzu: "Diese Haltestelle ist nur exemplarisch."  Zudem wünscht sich der Arbeitskreis eine barrierefreie Fahrgastinformation - Digitalanzeigen und elektronische Ansagen im Stil der Stadtbahn wären aus ihrer Sicht ein großer Sprung nach vorn. Hier blicken Schneider und seine Mitstreiter mit Interesse auf die Bestrebungen von Region, üstra und regiobus. Diese wollen mittelfristig eine sprechende Smartphone-App für Blinde und Seheingeschränkte entwickeln.

Es sind aber nicht nur Buswartehäuser und deren Anordnung, die den Menschen mit Handicap das Leben in der Nordkommune schwer machen. "Es gibt in Langenhagen viel zu tun", sagt Schneider. Von viel zu glatten Pflastersteinen - bei Regen und Schnee selbst für Menschen ohne körperliche Einschränkung eine Rutschpartie - bis zu viel zu schmalen kombinierten Geh- und Radwegen im Zentrum ist alles dabei. Wichtig ist Schneider, dass der Arbeitskreis nicht einfach nur anprangern will. "Ich möchte nur Anregungen geben. Für viele Menschen bedeutet Barrierefreiheit keine Treppen. Das ist zu wenig", sagt er.

Arbeitskreis sucht weitere Mitglieder

Im Mai hat Albert Schneider unter großer Beachtung und Aufmerksamkeit von Stadt und Politik den Arbeitskreis Barrierefreiheit ins Leben gerufen. Mittlerweile zählt die Gruppe etwa 20 Mitglieder, die nicht nur loben, sondern selbst betroffen sind und sich und ihre Erfahrungen einbringen. "Das letzte Treffen war sehr ermutigend für mich", sagt Schneider. Doch der sehbehinderte Schneider hofft noch auf mehr Aktive. "Ich möchte, dass Menschen mit verschiedenen Handicaps mitmachen. Woher soll ich wissen, welche Bedürfnisse ein Rollstuhlfahrer hat?" Auch ältere Menschen, die beispielsweise auf einen Rollator angewiesen sind, zählt Schneider zur Interessensgruppe. Der Arbeitskreis trifft sich jeden dritten Montag im Monat ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal 2 des Rathauses Langehagen. Da der Septembertermin entfällt, das nächste Mal am 17. Oktober. Wer Schneider zuvor erreichen möchte, ruft ihn unter (05 11) 73 27 33 an. Jeden dritten Donnerstag im Monat von 14.30 bis 17.30 Uhr bietet er zudem im selben Sitzungssaal eine Beratung für Blinde, Sehbehinderte und Angehörige an.

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