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Warten, reden - gehen ohne Erfolg

Langenhagen Warten, reden - gehen ohne Erfolg

Langes Warten auf den neuen Pass und beim Anmelden eines Autos: Für mehr Service lässt die Langenhagener Stadtverwaltung seit dem 24. April das Bürgerbüro und die Zulassungsstelle im Rathaus umbauen. Doch bevor in der Tat mehr Service geboten werden kann, müssen sich die Kunden in Geduld üben.

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Wegen der Umbauarbeiten im Bürgerbüro und der Kfz-Zulassungsstelle im Langenhagener Rathaus kommt es aktuell zu nicht unerheblichen Wartezeiten. Auch das Ziehen einer Nummer bedeutet nicht automatisch, dass man bedient werden kann.a

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Aktuell bilden sich vor dem Bürgerbüro und der Zulassungsstelle in Langenhagen täglich lange Schlangen. Das zerrt nicht nur an den Nerven der Besucher, sondern auch der Mitarbeiter in der Dienststelle. Voraussichtlich dauern die zusammen etwa 100.000 Euro teuren Arbeiten einschließlich neuer Hard- und Software noch bis zum 19. Mai. Dafür muss nach Auskunft von Langenhagens Stadtsprecherin Juliane Stahl die Anlaufstelle am 11. und 12. Mai ganztägig geschlossen bleiben.

Deshalb empfiehlt die Stadtsprecherin, bei Kfz-Angelegenheiten auch auf die Zulassungsstellen der Gemeinde Isernhagen, in Garbsen, in Burgdorf sowie bei der Region Hannover zurückzugreifen. „Wer Pass und Meldeangelegenheiten zu regeln hat, sollte zu einem späteren Zeitpunkt – also ab Ende Mai – das Bürgerbüro im Langenhagener Rathaus besuchen oder auf eine der Verwaltungsstellen ausweichen“, sagt sie. Deren Öffnungszeiten sind auf der Internetseite www.langenhagen.de einsehbar.

„Um dennoch den gewohnten Service bieten zu können, ist geplant, am Donnerstag, 11. Mai, alle vier Verwaltungsstellen von 8 bis 18 Uhr zu öffnen“, wirbt Stahl. Dort könnten die gleichen Anträge wie im Bürgerbüro gestellt und Meldeangelegenheiten erledigt werden. Einen Tag später haben die beiden Verwaltungsstellen in Kaltenweide und Schulenburg regulär von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

Ein Besuch im Rathaus um 14 Uhr

Die Uhr zeigt an diesem Donnerstag wenige Minuten nach 14 Uhr - beste Zeit also, um den neuen und für Juni benötigten Reisepass abzuholen. Die Benachrichtigung dafür kam eine Woche zuvor, das Dokument sei fertig, das Amt warte auf den Antragsteller und der wiederum hat wegen eines freien Tages keinen Termindruck. Denn er ahnt, dass das Abholen durchaus seine Zeit dauern wird. Schließlich hatte die Stadt schon von selbst auf die Wartezeiten hingewiesen.

Doch mit einer solchen Situation hat an diesem Donnerstag wohl kaum einer der Wartenden gerechnet. Sie sitzen auf allen Stühlen vor dem Bürgerbüro, und auch vor der Zulassungsstelle findet sich kein freier Platz mehr. Dafür zeigt der Automat, an dem sich jeder Besucher seine Nummer ziehen muss, schlichtes Schwarz an. Fragende Blicke der Neuankömmlinge sind die Folge. So mancher wagt sich dichter heran und findet dann die handgeschriebene Notiz, dass der Automat nur scheinbar ausgeschaltet ist: Eine Nummer gibt es per Knopfdruck und auf Wunsch. Andere finden Gnade bei den "Sesshaften". Sie erklären mit stoischem Gleichmut das Procedere: "Wenn die Frau kommt, musst du deine Nummer ansagen", erklärt ein Mann, der sein Auto ummelden möchte, ein ums andere Mal.

Die Frau - das ist an diesem Tag eine städtische Mitarbeiterin, deren Job in dem Moment niemand übernehmen möchte. Gefühlt alle fünf Minuten kommt sie, mit einem Din-A4-Zettel in der Hand, zu den Wartenden und gleicht die Nummern ab. "Wer hat die 13, 14 oder 19?" lautet die wiederkehrende Frage. Niemand. 13, 14, 19 bleiben verschollen. "Wo ist die 98?" Großes Schweigen ist die Antwort. Aber: "Ich bin die 74", sagt ein Mann, der gerade ankommt. Er hat die Stunden fürs Mittagessen genutzt und kann nun als nächster ins Bürgerbüro. Stirnrunzeln bei den anderen. Was hat der, was ich nicht habe?, fragt sich mancher leise. Die Antwort wäre: Gelassenheit.

Allerdings schwindet jene mit jeder Viertelstunde zwischen Autokennzeichen, neuen Pässen, alten Dokumenten oder Fragen nach Formularen. Geduldig beantwortet die Dame vom Amt jede Frage, schickt eine Seniorin gleich noch zum Fotografieren für den neuen Ausweis. Ja, doch, man benötige dafür ein Passbild. Und ja, doch, das schaffe sie locker, bis sie an der Reihe ist. Die Seniorin verschwindet, kommt nach einer halben Stunde wieder - gerade drei der 25 vor ihr Angekommenen haben inzwischen die Wartebank verlassen.

Die anderen sitzen und schweigen, surfen im Internet oder helfen eben den Neuankömmlingen. Honoriert wird die Freundlichkeit der städtischen Beschäftigten, deren Höflichkeit unerschöpflich scheint. Dass sie dann ihre Jacke anzieht und verschwindet, sorgt für Irritationen. "Und jetzt?", fragt ein Mann, der Unterlagen von der Ausländerbehörde bei sich trägt. Eine Kollegin springt ein, aber das Vertraute ist irgendwie weg. Doch nur für kurze Zeit: Entweder hat die Dame vom Amt ihre Mittagspause verkürzt oder sie hatte gar keine. Das ist den Wartenden egal, ihr Gefüge passt wieder.

Immerhin: Gegen 15.30 Uhr werden einige Stühle frei. Aber nur deshalb, weil immer mehr jetzt aufgeben. Und auch der Reisepass muss weiter sein Dasein im Bürgerbüro fristen. Bis Juni ist noch Zeit. Viel Zeit. 

Von Sven Warnecke und Antje Bismark

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