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Erfindung rettet Sound der Hammond-Orgel

Langenhagen Erfindung rettet Sound der Hammond-Orgel

Ein hannoverscher Bestatter unterschlug Geld, auch sein Werkstattmieter wurde zum Opfer: Jahre gesammelte Hammondorgel-Ersatzteile verschwanden spurlos. Doch mit Erfindergeist entwickelte Carsten R. Meyer einen programmierbaren Gatterbaustein, welcher die Welt der Hammondorgeln wieder klingen lässt.

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In seiner Werkstatt lötet Carsten R. Meyer programmierbare Gatterbausteine, die Hammond-Orgel-Musikern ein beispielloses Klangerlebnis ermöglichen.

Quelle: CHADDE

Langenhagen. Während seines Elektrotechnik-Studiums war der Langenhagener der "Werkstatt-Horst" eines großen Brauschweiger Musikhauses und wurde "angefixt". Der Klang von Hammond-Orgeln, die nur von 1935 bis 1974 gebaut wurden, faszinierten Carsten R. Meyer. Denn die Varianzen beim Anschlag der Tasten, die nicht immer voll funktionsfähigen Röhren und die unterschiedlichen Zahnradpositionen des eigenwilligen Tongenerators erschaffen den Sound, der Musikgenerationen prägte. Ken Hensley von Uriah Heep oder Jon Lord von Deep Purple variierten ebenso wie Steve Winwood, Helge Schneider und Lutz Krajenski den enormen musikalischen Spielraum des Instruments virtous.

Doch "Hammonds sind ein Nischeninstrument", räumt Musikliebhaber Meyer unumwunden ein. Als Haupterwerb wechselte er 1988 zur Computertechnik und bekam bei der Zeitschrift c't den Job als "Fachredakteur Nummer acht". "Zwei Wochen nach sorgfältigster Recherche war ein Artikel oft schon wieder überholt", so Meyer. Die Kurzlebigkeit kam dem heute 56-Jährigen wenig sinnstiftendt vor, weshalb er sich am Wochenende immer häufiger der Instandsetzung von Hammond-Orgeln zuwandte.

Die mechanischen Instrumente waren zwar in die Jahre gekommen, doch "wenn man eine Orgel, Baujahr 1948, restauriert hatte, war auch klar, die spielt die nächsten 60 Jahre wieder", so Carsten Meyer über seine Leidenschaft. Das Ersatzsteillager in den Räumen eines hannoverschen Beerdingungsinstitutes wuchs zu stattlichem Umfang.

Doch des Bestatters Hang zu US-amerikanischen Autos und finanzieller Untreue wurde dann leider auch dem Orgel-Sanierer zum Verhängnis: Mit der Abwicklung des Bestattungsunternehmens verschwand auch die Sammlung von Meyers rar geworden Orgel-Ersatzteilen.

Deshalb entwickelte der technisch versierte Erfinder ein mathematisch-physikalisches Modell, welches die Unzulänglichkeiten des Instruments durch bewusste "Zufälligkeiten" abbildet. Dabei nutzte er keinen digitalen Signalprozessor, sondern setzte auf massiv parallele Algorithmen, die er in einen programmierbaren Gatterbaustein (FPGA) einbaute.

120.000 Programmzeilen schrieb der Langenhagener Erfinder und versetzte die Fachwelt mit den neuen Klangmöglichkeiten in Erstaunen. Vielleicht inspirierte dabei auch die Nähe zu Langenhagens Schallplatten- und CD-Presswerk, in dessen Sichtweite Carsten R. Meyer schon lebte, als dort noch produziert wurde. Doch Live-Musik wirkt noch stärker: "Den ergreifenden Moment, als das junge Talent Simon Oslender auf der Orgel mit meinem Gatterbaustein spielte, werde ich nie vergessen", so Meyer, der auch bei Gospel- und Jazzkonzerten ganz genau hinhört und häufig bemerkt: "Hier spielt meine Erfindung mit!"

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Fotostrecke Langenhagen: Erfindung rettet Sound der Hammond-Orgel

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Von PATRICIA CHADDE

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