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Darf eine Hecke 700.000 Euro kosten?

Langenhagen Darf eine Hecke 700.000 Euro kosten?

Eine Stadt wagt den Versuch, für zwei kleinere Orte ein gemeinsames Feuerwehrgerätehaus hinzubekommen. Von allen Beteiligten wegen der räumlichen Enge gefordert – und nach Jahren der Diskussion in Angriff genommen. Doch nun kommt eine Kostensteigerung – im Rat der Stadt kochen die Emotionen hoch.

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Am Engelbosteler Stadtweg soll die neue gemeinsame Feuerwache stehen.

Quelle: Dominik Flinkert

Engelbostel/Schulenburg. Der Hintergrund: Die Planer kalkulierten für 8 Millionen Euro am Stadtweg einen Neubau. Doch der Entwurf wurde angesichts der Kosten von der Politik kassiert. Man beschloss, die Angelegenheit dürfe nicht mehr als 3 Millionen kosten. Letztlich beschied die Politik einen Kostenrahmen von 5,2 Millionen Euro – ohne Außenanlagen.

Doch nun ist nach all den Jahren alles anders am Stadtweg. Die einstige Halle des jahrelang verwaisten Racketclubs wird nun als Soccerpark genutzt. Nach Auskunft von Ratsfrau Gudrun Mennecke mit großem Erfolg und noch mehr Verkehr. Der hat zur Folge, dass der Stadtweg regelmäßig zugeparkt ist. Das gleiche Schicksal drohe auch den Flächen am Feuerwehrgerätehaus, befürchtet der Ortsrat Engelbostel. Das Gremium empfahl schließlich Alarmtore und eine Heckenanpflanzung, um das Areal vor parkenden Autos zu schützen, berichtet Mennecke am Montagabend im Rat. Allerdings bedeutet dies inklusive der kompletten Außenanlage Mehrkosten in Höhe von etwa 705 000 Euro.

Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt sprach angesichts der fortwährenden Diskussionen um die gemeinsame Feuerwache von einer „neverending story“. Die Kosten würden aus dem Ruder laufen, aus diesem Grunde könne seine Partei dem nicht zustimmen. Sein Parteifreund Heinrich Kohne sprach davon, dass die Kostensteigerung nicht „hinnehmbar“ sei. Auch Wilhelm O. Behrens von den Unabhängigen nutzte die jüngste Ratssitzung, um das aus Sicht der Steuerzahler zu kritisieren. BBL-Fraktionschef Jens Mommsen monierte, wie und wo die Standards gesetzt werden würden. Zwar gönne er der Feuerwehr die „Langenhagen-Standards“, doch die nun hervorgebrachten Rolltore und Außenanpflanzungen seien nie durch die Fachausschüsse gegangen. In die gleiche Kerbe schlug WAL-Ratsherr Andreas Eilers. Für ihn sei die Kostenexplosion einmal mehr eine Folge, mehr „als Langenhagener Standard“ geplant zu haben. Eilers meint, das sei die Konsequenz daraus, dass das Thema nicht vorher im Fachausschuss diskutiert worden sei, um eine günstigere Lösung zu finden.

Letztlich war alle Kritik umsonst. SPD und CDU segneten mehrheitlich die Mehrkosten ab. CDU-Parteichef Reinhard Grabowsky erinnerte daran, welche Probleme die Kaltenweider Ehrenamtlichen am Gerätehaus wegen geparkter Autos hätten. Er könne angesichts der Kostensteigerung zwar die Kritik verstehen. Doch bei dem Neubau in Engelbostel müsste bereits im Vorfeld für „geordnete Verhältnisse“ gesorgt werden, befand der Christdemokrat.

Langenhagens Stadtbaurat Carsten Hettwer und Bürgermeister Mirko Heuer zeigten sich ob der Diskussion im Rat verwundert. Denn im Vorfeld habe es bereits eine Anfrage aus der Politik gegeben. Und diese sei hinlänglich beantwortet worden, meint Heuer. Hettwer hebt hervor, dass die ursprüngliche Kostendiskussion um die Feuerwache zunächst bei etwa 8 Millionen Euro gelegen habe.

Doch wollte das von der Stadtfeuerwehr ins Gespräch gebrachte Planungsbüro K-Plan das „günstiger hinbekommen“ – und scheiterte, betont Hettwer im Gespräch mit dieser Zeitung. Neben zunächst in Aussicht gestellter Synergieeffekte der beiden Feuerwehren habe es dann auch von der Feuerwehr-Unfallkasse gestiegene Anforderungen gegeben. Zudem: „Jetzt ist bei der Planung der Außengelände-Flächen deutlich geworden, dass die Kostenschätzung von K-Plan zu geringe Werte eingesetzt hatte“, sagt er. Nur so komme nun die kritische „Kostensteigerungs-Diskussion“ zustande.

„Ich habe in der Ratssitzung nichts mehr dazu gesagt, weil es einfach keinen Sinn mehr gemacht hätte“, sagt Heuer. Aus den Antworten auf die Anfrage aus der Politik hätten die Beteiligten klar entnehmen können, dass „es mitnichten so ist, dass die Hecke oder der Zaun 700 000 Euro kosten“. Diese Antworten seien allen Ratsmitgliedern lange bekannt. „Insofern finde ich die Argumentation nicht nur frech, sondern beinahe schon rufschädigend“, betont Heuer angesichts der in der Ratssitzung aufflammenden Kritik. „Es scheint in Mode gekommen zu sein, einfach mal so sein Missfallen – auf welcher Basis das sich auch immer gründet – zum Ausdruck zu bringen.“

Kommentar: Was uns die Feuerwehr wert sein sollte

Na klar, eine plötzliche Kostensteigerung ist immer ärgerlich. Das weiß jeder Hausbauer, wenn er mit der Begrifflichkeit Mehrkosten konfrontiert wird. Und es ist nicht nur verständlich, wenn Ratspolitiker der kommunalen Verwaltung beim Umgang mit den Finanzen genau auf die Finger schauen. Es ist gar ihre Pflicht.

Doch im Fall der neuen Feuerwache lagen fast alle Zahlen zuvor zwecks Abstimmung auf dem Tisch. Dass nun noch neue Gegebenheiten und gesetzliche Bestimmungen dazukommen, ist zwar unerfreulich – aber wohl hinzunehmen.
Jeder der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker sollte sich genau überlegen, wo bei einem Brand ein ebenfalls ehrenamtlicher Feuerwehrmann sein Privatauto hinstellen darf, kann oder muss, um dann in ein Einsatzfahrzeug zu steigen und möglicherweise Leben retten zu können. Dabei zählt jede Sekunde.

Es sei allen Kritikern der Rolltore und der damit einhergehenden Kostensteigerung in Engelbostel geraten, sich einmal bei den Kaltenweider Feuerwehrkameraden ein wenig Rat einzuholen. Denn die haben im Januar 2013 nur mit großem Engagement Kinder aus einem in einen Unfall verwickelten Schulbus retten können – wegen blockierter Parkplätze vor dem Gerätehaus.

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Sowohl das alte Gerätehaus in Engelbostel wie auch das Schulenburger Pendant sind nicht mehr zeitgemäß.

Quelle: Stephan Hartung

Von Sven Warnecke

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