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So hat Langenhagen sein Freibad verabschiedet

Langenhagen So hat Langenhagen sein Freibad verabschiedet

Nach 45 Jahren war Schluss: Am Donnerstag hatte das Freibad an der Berliner Allee zum letzten Mal geöffnet. Für viele Schwimmer endete damit eine Ära, denn sie zogen dort zum Teil seit Jahrzehnten ihre Bahnen. Die HAZ begleitete den Abschied während des gesamten Tages.

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Rena Lenders (von links), Heike Thien, Gabriele Diers, Marlies Kaulbach, Heinz Mahlberg und Jürgen Egel stehen ein letztes Mal vor der Kasse am Freibad an.

Quelle: Bismark

00.03 Uhr: Aus. Schluss. Vorbei. Das Becken ist dunkel, das letzte Bier wird geleert. Auch wir packen ein und beenden diesen auch für uns eigenwilligen Ticker. Wir danken für diesen längsten letzten und zweifellos unvergesslichen Tag im Erlebnisbad Godshorn.

23.55 Uhr: Jürgen Hameister gibt jetzt alles. "Die Badezeit endet in 4 Minuten. Wer jetzt nicht das Wasser verlässt, dem erteile ich Badeverbot für den Rest der Saison." Wer kann da widerstehen?

23.52 Uhr: Alles wird - dunkel. Theoretisch jedenfalls. Jürgen Hameister strahlt. "Ich habe den Kasten", raunt er beim Vorbeigehen, lacht und steckt die Licht-Fernbedienung in die Hosentasche.

23.48 Uhr: Andere sammeln Autogramme. Hans Möller sammelt Wasser "für die Ewigkeit". Er kniet am Beckenrand und füllt seinen eigens mitgebrachten Kanister mit feinstem Godshorner Schwimmbad-Wasser. "Dr. Möller" ist den Umstehenden bestens bekannt: Der heute 51-jährige Mediziner betreut Waspo 98 und hat früher beim SV Langenhagen selbst gespielt. Mit fünf Jahren hat er in Godshorn schwimmen gelernt. Was er mit dem Wasser macht? "Zuhause hinstellen." Es wird der einzige Kanister dieser Art dort sein.

23.45 Uhr: Louis Irmer müht sich autoritär. Aber seine Durchsage, es mögen doch bitte in zehn Minuten alle duschen gehen, erntet im Becken nicht einmal ein müdes Lächeln.

23.41 Uhr: Wer an diesem Abend eigentlich das sprichwörtliche Licht löschen wird, ist unklar. Schwimmmeister Jürgen Hameister kann es nicht sagen. Einen berüchtigten Lichtschalter jedenfalls gebe es nicht. "Das ist eine Fernbedienung. So ein kleiner Kasten." Und wer hat den? "Keine Ahnung." Nur eines weiß er: "Wenn die hier das Flutlicht ausmachen, ist es sofort zappenduster."

23.39 Uhr: Man will ja die Jungs nicht beim Spielen stören - aber Bistro-bald-nicht-mehr-Betreiberin Bärbel Merkel legt schon einmal Hand an: Und rollt die ersten Kabeltrommeln auf. Der Zeiger rückt vor. Und irgendwie wird der Abend sein Ende nehmen. Ob man es will oder nicht.

23.31 Uhr: Ganz jugendfrei ist es im Becken jedenfalls nicht mehr. Nicht alle Spieler sind ordnungsgemäß gekleidet. Um nicht zu sagen: gar nicht bekleidet rein gesprungen. Über weitere Details hüllen wir den Mantel des Schweigens.

23.30 Uhr: Die besten Feten steigen in Küchen? Quatsch. Wasserballer finden sich am Ende des Abends im Becken - wo sonst. Dirk Rößger jedenfalls freut sich. "Ein letztes Ausschießen. Und ich werde es gewinnen!" Ruft's und springt ins Becken.

23.27 Uhr: Während sich CDU-Mitglieder, SVL-Akteure und Godshorner am Beckenrand versammeln, spielt die Jugend "Atemlos" von Helene Fischer. Laut und mit Begeisterung. Ob Dirk Rößger deshalb erneut ins Wasser springt?

23.25 Uhr: Abschiedsfoto für Julia und Carola. "Wir waren immer hier", sagt Carola, auch als Schwimmtrainerin engagiert.

23.16 Uhr: Ohne Worte - Zuschauer genießen vom Beckenrand und von der Terrasse aus die letzten Momente im Schwimmbad.

23 Uhr: Im Bistro bereiten Monika Hippler und Carmen Böge den letzten Kakao zu - und drappieren den Keks gekonnt auf der Untertasse. So viel Stil muss sein, bis zum Schluss. Böge arbeitet seit fast zehn Jahren bei Barbara Merkel im Bistro, drei Tage die Woche und mit Leidenschaft. "Ich helfe, wenn Bedarf ist", sagt Hippler. Das Ende - unvereinbar. "Aber wir kochen bis zum Schluss Kakao und frittieren Pommes", sagt sie mit Blick auf die letzte Stunde.

22.43 Uhr: Ein Rundgang abseits des Grill- und Bier-Standes ist nichts für Zartbesaitete. Menschenleere Umkleiden, vereinsamte Spieltiere und Schaukeln, ein Einkaufswagen mit einer trocken gelegten Bahnen-Kette. Harte Kost für sentimentale Gemüter. Jürgen Hameister aber geht es gut. Er hat seinen Abschied als Schwimmmeister schon hinter sich. Zumindest offiziell hat sich der städtische Angestellte schon vor geraumer Zeit in Godshorn verabschiedet. Dass er in diesen Tagen noch immer hier ist, läuft unter Aushilfe. "Mir geht es heute besser als beim letzten Mal", sagt er, steht auf und dreht seine Runde - unter Menschen. Besser isses.

22.35 Uhr: Bärbel Merkel ist ein heiß gefragter Gast. Buchstäblich. Ihre Frage, wer möchte noch Kaffee, wird glücksbeseelt beantwortet. Sie lacht. "Ich hol' mal noch ein paar Becher", sagt sie und entschwindet. Die Kanne steht schon lockend auf dem Tisch. Über den Becken dampft das Wasser. Offensichtlich deutlich wärmer als die Luft darüber.

22.30 Uhr: Nur die Harten kommen in den Garten. Oder die, die sich gut angezogen haben. Temperaturen knapp über zehn Grad sind für Ende August nicht nett. Die weit übers Gelände dröhnenden Bässe aber machen munter. Schwimmmeister Jürgen Hameister kann derweil seinen Lebensunterhalt als Süßwarenhändler bestreiten. "Fürs nächste Jahr reicht es", ruft er lachend, während er das nächste Dankes-Geschenk lang vertrauter Gäste entgegen nimmt.

22.14 Uhr: Margret und Ehrhard Destanovic sind glücklich. Von dem Spielball mit den Autogrammen der prominenten Gästen wollten sie nichts wissen. Sie wollten spenden für einen Ball mit den Unterschriften allein aus dem SV Langenhagen. Weil eben ihre Kinder da gespielt haben. Jetzt hüten sie ihren Schatz und lassen ihn sich auch nicht von spielwütigem Nachwuchs im Becken abluchsen. Margret Destanovic ist allerdings doch ein wenig bekümmert. Am Morgen hat sie ihren letzten Aqua-Kurs besucht. "Und jetzt wissen wir nicht, wie es weiter geht." Alle Anrufe im neuen Schwimmbad blieben bislang erfolglos. "Die müssen noch planen, hieß es."

22.06 Uhr: Die Kälte hat inzwischen doch so manchen aus dem Bad vertrieben. Doch es wird ein langer Abend. Ein harter Kern will feiernd durchhalten - gut gewappnet: "Ich habe einen Schlafsack im Auto." Nein, einen Namen gibt es zu dem Zitat nicht.

21.42 Uhr: Die Frau, die dienstags nie konnte. So stellt sich Inga Engel der Berichterstatterin vor. Engel kam vor 15 Jahren ins Bad gehumpelt. Mit dickem Knie und gerissenem Kreuzband. Der Arzt hatte ihr geraten, schwimmend und mit Aqua-Jogging ihrem Knie etwas Gutes zu tun. Tat sie. So ausdauernd, dass sie in ihrem Kollegen- und Bekanntenkreis irgendwann eben zu jener Frau mit dem eigentümlich geblockten Terminkalender wurde. Und jetzt? "Wir wissen nicht so richtig, wo wir hin sollen." Dass es in der neuen Wasserwelt wohl neue Kurse geben werde, sei zwar klar. "Aber wir kennen keine Zeiten und keine Preise." Blödes Gefühl. Fast wie dickes Knie.

21.40 Uhr: Jetzt wird es doch noch einmal ernst. Bärbel Merkel, Betreiberin des Bistros, lässt in ihrer Dankesansprache an die Organisatoren des Abends, die Wasserballer des SVL, ihrer Enttäuschung freien Lauf. Dass kein einziger Politiker der Stadt eine besondere Idee für diesen Abend gehabt habe, sei enttäuschend. Tatsächlich kam die Intiative für das außerordentliche Match zum Abschluss aus den Reihen der Sportler selbst. Eine Idee mit Wirkung. So wurde, wie es hieß, so mancher Urlaub für den Abend unterbrochen.

21.34 Uhr: Derweil gibt Thomas Vormeier sein Bestes. Der Wasserballer des SV Langenhagen ist zwar inzwischen längst aus dem Becken geklettert und wieder trocken auch hinter den Ohren. Aber er hat Gutes im Sinn - und in der Hand: den von allen prominenten Wasserballern des Waspo 98 signierten Spielball des Abends. Versteigert werden soll er. Der Erlös fließt in die Kasse von Terre des Hommes. Vormeier, der älteste im Team und trotzdem von allen "Junior" genannt, hat Erfolg: Für 155 Euro geht der Ball an Rolf Spremberg, seines Zeichens - was sonst - Wasserballer. Seit nunmehr 40 Jahren im Team, inzwischen aber nur noch passiv dabei.

21.33 Uhr: Dirk Rößger wird sentimental. "Gleich nach der Geburt meines Sohnes 2001 bin ich in der Nacht hier über den Zaun gestiegen und habe mich um 2 Uhr in der Früh ganz alleine ins Wasser gelegt mit einem Bier auf dem Bauch - und war glücklich." Bedenken, dies in der Zeitung zu lesen, hat er nicht. "Ist ja verjährt."

21.20 Uhr: Gleich neben den Damen sitzt Anita Handschuh. Sie kommt seit 1972 und damit seit dem ersten Tag ins Bad. "Ich kenne auch noch den damaligen Leiter des Bades, Karl-Heinz Altrogge." Dass sie vom Schwimmen nicht lassen kann, hat einen guten Grund. Anita Handschuh war 1968 Niedersachsen-Meisterin im Kraulen.

21.15 Uhr: Ein kleines Grüppchen hat sich eine ruhige Ecke gesucht. Jutta Göschka und Jenny Winter, ein fröhliches Zwillingspaar, beobachtet berührt die letzten Stunden des fröhlichen Treibens im Becken. Ihnen selbst ist es an diesem Abend zu kalt für einen Sprung ins Nass. "Aber wir waren gestern da und vorgestern." Und überhaupt mindestens jeden Dienstag seit nunmehr 9 Jahren.

21.10 Uhr: Die Wasserballer haben das Schwimmerbecken verlassen. Der Grill daneben glüht. Laute Musik dröhnt über das am Ortsrand gelegene Gelände. Perfekte Party-Location. Am Beckenrand stehen die Menschen dicht gedrängt und schwelgen in Erinnerungen. Die Jugend ist dagegen wenig ergriffen. Die toben im Wasser und nutzen die Tore. Am Rand zieht ein älterer Herr langsam seine Bahnen.

21 Uhr: Es. Ist. Voll. Total vollkommen voll. Wer jetzt noch ins Godshorner Bad kommen möchte, sollte mit dem Rad kommen. Auf dem Parkplatz ist nur noch schwer ein freies Fleckchen zu finden. Am Beckenrand ist es nicht viel anders. Dirk Rößger, Wasserballer des SV Langenhagen, reibt sich die Augen. Das liegt nicht an der Rührung, die ihn noch bei der Hinfahrt übermannt hatte. Und auch nicht am Chlor nach dem Spiel gegen Waspo 98. "So viele Zuschauer hatten wir hier noch nie. Nicht einmal bei Bundesliga-Spielen."

18.15 Uhr: Ab jetzt übernehmen die Kollegen vom Sport die Berichterstattung. Der Live-Ticker meldet sich an dieser Stelle nach dem Spiel wieder zurück.

18 Uhr: Nach einem öffentlichen Training der Mannschaft von Waspo 98 Hannover ist gegen 19.30 Uhr unter Flutlicht ein Spiel über vier Viertel geplant. Dann wird Waspo 98  zwei Viertel gegen die Bezirksoberligamannschaft des SVL und zwei Viertel gegen eine Mannschaft, die aus Spielern anderer Mannschaften der Bezirksligen gebildet werden soll, spielen. Waspo 98 wird mit zahlreichen Nationalspielern, Olympia- und WM- Teilnehmern erscheinen. Der Pokalsieger wird in Godshorn mit einer gegenüber der Vorsaison weiter verstärkten Mannschaft antreten. Dort werden die Neuverpflichtungen ihren ersten öffentlichen Auftritt zur neuen Saison haben. Der Eintritt ist frei.

17.43 Uhr: Die Wasserballer übernehmen jetzt das Becken fürs öffentliche Training, längst sind die Tore angebracht. Familien, Freunde, Fans bevölkern jetzt das 40.000 Quadratmeter große Grundstück. "Die Stimmung ist gut", sagt eine Zuschauerin - wenn auch viele eine Gänsehaut bekommen. Das liegt weniger am Wetter, als vielmehr an den Emotionen. Denn der Regen hat sich verzogen.

17.30 Uhr: Der Godshorner Heinz Mahlberg hat für die Schwimmer eine Rede aus Sicht des Bades geschrieben (das Video dazu steht auf der Facebook-Seite HAZ Langenhagen). Sein Credo dazu lautet: Dass ich tieftraurig bin und mir die Tränen kommen könnt ihr sicherlich verstehen. Aber ich erinnere mich, dass ihr Menschen, immer sagt: Tod ist nur der der vergessen wird. Daher meine Bitte: Vergesst mich nicht!!! Alles Gute für Euch Allee!!

17.10 Uhr: Es war eine schöne Zeit mit den Frühschwimmern und dem Team vom Bad ☺ einige geschlossene Freundschaften werden weiter bestehen. Nur leider nicht mehr im Godshorner Bad", schreibt Sabine De auf der Facebook-Seite HAZ Langenhagen.

16.50 Uhr: Eine dicke schwarze Regenwolke schiebt sich über Godshorn und damit das Bad. Der blaue Himmel "drumherum" lässt die Hoffnung zu, dass der Schauer nicht lange anhält. Ansonsten müssen alle ins Wasser und werden eben so nass.

16.40 Uhr: Familie Weis sagt Tschüss zu "einem Stück Heimat" - in Form eines riesigen Geschenkkorbs voller Süßigkeiten. In Empfang nimmt ihn Schwimmmeister Jürgen Hameister. Für ihn ist Vater Thomas Weis wahrlich kein Unbekannter. Der Triathlet hat einst bei Hameister als Aushilfe im Bad gearbeitet. Seine Ehefrau Andrea ist hörbar betrübt. Alle Kinder haben in Godshorn schwimmen gelernt. Das können die zwar inzwischen ziemlich passabel ganz alleine. Aber vermissen werden sie ihre vertraute Umgebung dennoch.

16.30 Uhr: Daniela Kuschel und Claudia Schütt verfolgen diese letzten Minuten des Schwimmkurses bei Trainer Alex Evseev durch das große Fenster der Cafeteria. Seit einem gutem Jahr kutschieren die Mütter aus Garbsen ihre Söhne nach Godshorn. Die Jungs haben längst das Bronzene Jugendschwimmabzeichen geschafft. Aber weil sie "ihren Trainer so lieben", kommen sie einfach weiterhin. In Garbsen hat das Schwimmbad schon seit geraumer Zeit geschlossen. "Wir haben sogar in Neustadt und in Wunstorf freie Plätze im Schwimmkurs gesucht, aber nur hier etwas bekommen", erzählt Claudia Schütt. Nun freuen sie sich auf den Neustadt in Langenhagen. Zum Tag der offenen Tür am 14. Oktober wollen sie unbedingt kommen.

16.25 Uhr: Im Hallenbad läuft der Countdown. Zumindest für die kleine Mona. Die Vierjährige könnte heute noch ihr Seepferdchen schaffen - und es damit ihrer älteren Schwester Lena gleichtun. Die Fünfjährige hat ihr Abzeichen schon vergangene Woche erhalten. Beobachtet werden sie etwas wehmütig von ihrer Mutter. Auch die Godshornerin hat in dieser Halle einst das Schwimmen erlernt.

16.10 Uhr: Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Doch unter dem Dach vor der Schwimmmeister-Bude lassen sich Justus Groth, Lennart Holtz und Louis Irmer nicht aus der Ruhe bringen. Die Wasserballer des SV Langenhagen genießen eine Stärkung bei Pizza und (alkoholfreiem) Bier.

15.50 Uhr: Kurze Ruhe. Inzwischen trudeln die ersten Wasserballer ein. Auf dem Rasen zwischen Eingang und Schwimmbecken entsteht keinesfalls eine komplizierte Spielzug-Skizze. Es sind die Stangen für den Zelt-Pavillon, die bereitgelegt werden. Wenn nachher wirklich jedes Stangenteil seinen richtigen Platz gefunden haben wird, können darunter am frühen Abend Zuschauer und Freunde der Wasserballer ein lauschiges Plätzchen finden.

15:40 Uhr: Im Freibad ist etwas Ruhe eingekehrt, laut wird es dafür aus den Lautsprecherboxen. Der Soundcheck für die abendliche Party beginnt. Die "Spätschicht" dieses Live-Tickers wird dann nachher die Kollegin Rebekka Neander übernehmen. Ich verabschiede mich hiermit aus dem Freibad Godshorn - und wenn mir diese persönliche Note gestattet ist: mit Wehmut und Gänsehaut. An diesem Schwimmbad hängen viele Kindheitserinnerungen, von Capri-Eis und Pommes in der Cafeteria bis hin zu Angst beim Sprung vom Dreimeter-Brett. Tschüs, "Godshorner" - so nannte man das Bad immer.

15:05 Uhr: Godshorns Ortsbürgermeisterin Ute Biehlmann-Sprung ist eingetroffen. Mittlerweile ist der junge Mann von Leinehertz aus dem Wasser gestiegen - und schnappt sich die Ortsbürgermeisterin für ein Interview. Der Interviewer ist abgetrocknet, aber steht immer noch in Badehose da. Und mit Mikro natürlich. Das Interview ist kurz, die Batterien halten.

14:55 Uhr: Große und keine Badegäste bedauern das Ende des Bads. "Es war in dem Schwimmbad immer so schön. Die Leute waren so nett. Ich weiß gar nicht, wo ich nächste Woche schwimmen soll", sagt die fünfjährige Lea. Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2003 hat Ingret Bade-Schäfer hier gearbeitet. "1972 habe ich hier als Aushilfe angefangen, ab 1979 dann fest gearbeitet. Es macht mich sehr traurig. Ich wohne in Davenstedt, bin immer zum Schwimmen nach Godshorn gekommen", sagt die 74-Jährige.

14:45 Uhr: Jetzt wird es kurios! Der Leinehertz-Reporter hat das Interview beendet - und steht plötzlich in Badehose da. Er geht jetzt baden und ist schon im Wasser. Nein, ich behalte jetzt meine Sachen an und arbeite hier weiter. Fest steht übrigens, dass Radio Hannover den Beitrag am Freitag um 7.40 Uhr senden wird. Auch Leinehertz bringt den Bericht aus Godshorn am Freitagvormittag, die Zeit steht aber noch nicht fest.

14:39 Uhr: Die frischen Batterien sind aufgetaucht, zwar nicht im Auto, sondern oben im Restaurant des Hallenbads - warum auch immer, dort hatte der Kollege vorm Interview noch ein Getränk eingenommen. Jetzt ist er im Gespräch mit Otte. Parallel dazu geht Hanna zufrieden nach Hause, Jürgen Hameister hat die Brille gefunden.

14:35 Uhr: Was hier alles passiert... verrückt! Der Leinehertz-Mitarbeiter läuft zum Auto, vielleicht befinden sich ja dort die Batterien. Die Wartezeit wird für Otte verkürzt, denn in diesem Moment kommt Pamela Grundey mit ihrer Tochter Hanna vorbei. Die Vierjährige hat gestern ihre Taucherbrille im Freibad verloren. 

14:30 Uhr: Und das nächste Medium: Radio Leinehertz ist da und möchte mit Stefan Otte ein Interview führen. Otte steht bereit - muss aber warten, denn der junge Mann von Leinehertz sucht noch die Batterien für das Mikro. 

14:25 Uhr: Doch die für kurze Zeit gute Laune vergeht Otte wieder. Gerade hat er festgestellt, dass aus dem Bereich des Treppenaufgangs des Hallenbads ein großes Bild geklaut wurde. "Das war eine wertvolle Fotomontage, die ich zum Abschied unserem Bademeister Jürgen Hameister schenken wollte", ärgert sich Otte. Er greift wieder zum Handy, ruft die Polizei an. Für morgen hat er einen Termin auf der Wache und will Anzeige erstatten. 

14:18 Uhr: Es geht aber auch lustig zu trotz des für alle Beteiligten bitteren Anlasses: Geschäftsführer Stefan Otte bekommt einen Anruf auf seinem Mobiltelefon, nicht sein erster eingehender Anruf heute. Die Person am anderen Ende der Leitung fragt offenbar, wo er gerade ist. "Ja, wo bin ich heute wohl? In der Markthalle und überlege, was ich essen soll!", sagt Otte und lacht.

14:15 Uhr: Das bisherige nass-kalte Wetter passte bisher von der Symbolik her perfekt zu diesem traurigen Tag. Doch nun kommt endlich mal die Sonne raus.

14:13 Uhr: Er will zwar nicht seinen echten Namen nennen. Unter "Klicker" würde man ihn aber in Langenhagen kennen, sagt er. "Ich habe zum Abschluss noch eine letzte Arschbombe gemacht", sagt Klicker, nachdem er aus dem Wasser steigt und sich in Richtung Umkleidekabine begibt.

14:10 Uhr: "Herr Hartung, Sie können schreiben: Herr Plutta stempelt sich um 14.10 Uhr nach 14 Jahren für immer aus", sagt Michael Plutta. Okay, schreibe ich so. Michael Plutta verlässt das Gelände. Er dreht sich um und winkt.

14:00 Uhr: Langsam riecht es schon nach Wasserball. Lars Wunderlich, den man beim SV Langenhagen durchaus als Wasserball-Legende bezeichnen kann, ist eingetroffen. Heute Abend ab 19 Uhr spielt der SVL gegen Waspo Hannover, den deutschen Vizemeister.

13.47 Uhr: Es nieselt weiterhin, daher ist in den Schwimmbecken nicht viel los. Dafür passiert viel drumherum: Der Aufbau für den weiteren Tagesverlauf geht voran, junge Helfer stellen Schirme auf. Zudem gibt es frischen Heidelbeerkuchen: Sevin Bingöl, in Langenhagen bekannt als Betreiberin in der Markthalle und zudem acht Jahre lang im Restaurant des Hallenbads tätig, bringt ein großes Blech fürs Team vorbei. 

13:20 Uhr: Kleines Dankeschön inklusive Abschiedsgeschenk für Otte: Brigitte Eder und Renate Kammeyer kommen vorbei und zeigen sich erkenntlich dafür, dass Otte die von ihnen betreuten Flüchtlinge aus Langenhagen kostenlos ins Bad gelassen hat. 

12:58 Uhr: Das Radio ist da. Carlotta Tantuw von Radio Hannover interviewt Geschäftsführer Stefan Otte.

12:30 Uhr: Die Kinder des Zwölf-Apostel-Kindergartens sind nun umgezogen, verabschieden sich im Eingangsbereich von allen Mitarbeitern. Für Paulina wird dieser 31. August in besonderer Erinnerung bleiben: Sie hat vor wenigen Minuten ihr Seepferdchen gemacht, es ist damit das letzte Schwimmabzeichen im Godshorner Bad.

12:15 Uhr: Mittagszeit im Freibad, Mitarbeiter Alexander Evseev hat den Grill angeworfen. Es gibt Würstchen und Steaks. 

11.50 Uhr:  Schwimmmeister Michael Plutta übergibt seinen Zentralschlüssel an Wolfgang Weyel. Plutta hat heute um 14 Uhr Feierabend, er ist ab 1. September bei der Wasserwelt Langenhagen im Einsatz.

11.25 Uhr: Geschäftsführer Stefan Otte, der seit 10.30 Uhr hier ist, bekommt viele Anfragen von Leuten, die gern Souvenirs mitnehmen wollen. Ab nächster Woche alles gern möglich, antwortet Otte. Was ihn aber verärgert: In den vergangenen Tagen sind auf dem Gelände wichtige Utensilien wie Rettungsringe abhanden gekommen. 

11.05 Uhr: Gabriele Hellfeuer, Leiterin des Zwölf-Apostel-Kindergartens, bringt die erste Gruppe zurück in die Einrichtung. Jetzt schwimmt die zweite Gruppe der Kirchengemeinde. Seit 2004 lernen Vorschulkinder des Kindergartens hier schwimmen.

10.45 Uhr: Gabriele Diers verabschiedet sich von Schwimmmeister Michael Plutta: Die beiden kennen sich noch vom Bad an der Konrad-Adenauer-Straße. "Und seitdem schätze ich Sie", sagt Diers, denn: "Ich habe einmal beobachtet, wie Sie einem Mädchen die Angst vor dem Wasser genommen haben, das war toll." Seit 14 Jahren schwimmt sie nun im Godshorner Bad, weitere 14, prognostiziert Plutta, dann im neuen.

10.15 Uhr: Seit ein paar Minuten sind auch die ganz jungen Schwimmer im Wasser - die Kinder aus dem Kindergarten der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde genießen die letzten Bahnen im Hallenbad.

9.30 Uhr: Jörg Tuchenhagen, beim SVL für die Finanzen zuständig, beendet seine morgendliche Schwimmrunde. "Heute möchte ich das ganze Bad umarmen", sagt er. Zur Mittagszeit will er an die Berliner Allee zurückkehren, dann wird gegrillt. Und abends kommt er noch einmal zum Wasserballspiel.

9.15 Uhr: Unter die Wehmut und Trauer mischen sich zunehmend auch Kritik und Unverständnis der Badegäste: Wo sind Vertreter der Stadt? Wo bleibt der Geschäftsführer der Hallenfreibad GmbH? Und: Müsste nicht jemand der Verantwortlichen gleich über das neue Bad an der Theodor-Heuss-Straße informieren? Und nicht zuletzt läuft die Debatte über eine Nachnutzung des Godshorner Areals - Wohnen, Gewerbe oder was? "Niemand weiß, was daraus wird", sagt Guido Arndt und wünscht sich, dass am neuen Standort auch ein Freibad mit 50-Meter-Bahn entsteht.

9 Uhr: Mit aufmunternden Worten verabschieden sich die Schwimmer vom Bad-Team. Schwimmmeister Michael Plutta kennt viele von ihnen bereits aus dem 2003 abgerissenen Bad an der Konrad-Adenauer-Straße. "Sie wollten erst nicht nach Godshorn, jetzt wollen sie nicht ins neue Bad", sagt er. Aber, so seine Prognose, sicherlich kämen einige von ihnen dann doch. Und so weist er fast jeden Abschiednehmenden auf die Neueröffnung am 16. Oktober hin.

8.45 Uhr: Im Bistro plaudert die Frühstücksrunde, in der angrenzenden Halle trainiert unterdessen der Aquakurs.

8.30 Uhr: Erika Buhmann (93) schwimmt seit 40 Jahren in Godshorn. "Am besten hat mir gefallen, dass ich hier so tolle Menschen getroffen habe", sagt sie. Das gelte für die Mitschwimmer ebenso wie für die Mitarbeiter des Bades.

8.15 Uhr: Die Frühstücksrunde hat sich versammelt, Heinz Mahlberg verabschiedet die Gruppe mit einer Rede aus Sicht des Bades.

7.53 Uhr: Der Countdown fürs gemeinsame Frühstück läuft, aber noch fehlt das Mett. Dafür schauen die Frühschwimmer mit Wehmut auf die Becken, Strandkörbe und Grünanlagen.

7.45 Uhr: Als hätte er es geahnt: Über Nacht hat auch noch der Kühlschrank seinen Geist aufgegeben.

7.30  Uhr: Christina Philippeit schreibt ihre Erinnerungen an das Bad in einer E-Mail an die HAZ: Als Kind der 60ger habe ich, wie so viele Langenhagener auch, im Silbersee schwimmen gelernt. Ende der 60ger fuhren wir dann mit meiner Mutter, die damals schon einen Führerschein und ein eigenes Auto besaß im Sommer ab und zu, entweder nach Mellendorf oder nach Großburgwedel in die noch heute bestehenden Freibäder. Als dann das Godshorner Bad eröffnet wurde, war das natürlich wunderbar, da man nun unabhängig von den Eltern, in den Sommerferien nach Möglichkeit jeden Tag in ein schönes, modernes und freundliches Schwimmbad ohne gruseligen Steg gehen konnte. Man traf sich mit Freunden am „Kahlen Asten“ und es waren wunderschöne Zeiten.

Als dann meine beiden Kinder auf der Welt waren, wurden auch sie selbstverständlich von klein auf mit ins Bad genommen. Sie haben beide im Godshorner Bad vom Seepferdchen, Bronze- Silber-, Gold-Abzeichen alle Schwimm-Prüfungen abgelegt. Wir haben im Laufe der Jahre auch sehr schöne Kindergeburtstage im Godshorner Bad gefeiert. Seit ein paar Jahren habe ich einen kleinen Enkel und auch der geht gerne ins Godshorner Bad! Aber er wird ja nun leider nicht mehr hier Schwimmen lernen und wenn er dann ab nächstem Jahr im Sommer in einem Freibad schwimmen gehen will muss er dann wieder, wie seine Oma vor über 45 Jahren, entweder in den Silbersee, oder wenn seine Mutter ihn fährt wieder nach Mellendorf oder Großburgwedel gehen müssen. Schade!

7.15: Beste Bedingungen zum Schwimmen: Die Lufttemperatur beträgt 19 Grad, das Wasser im großen Becken 25 Grad. Und auch wenn die Halle derzeit geöffnet ist - niemand verirrt sich dorthin.

7 Uhr: Den Frühdienst von der Hallenfreibad GmbH übernehmen Michael Plutta, Wolfgang Weyel und Alexander Evseev. Weyel bleibt vorerst in Godshorn. Plutter wechselt als städtischer Angestellter ins neue Bad, Evseev arbeitet künftig für den neuen Bad-Betreiber GMF. "Morgen lernen wir alle Kollegen kennen", sagt Plutter.

6.45 Uhr: Zum Abschied schwimmen die Stammgäste - unter Flutlicht. Dieses Mal am Morgen und nicht wie gewohnt abends.

6.30 Uhr: Die Kasse öffnet ein letztes Mal, drei Minuten später springen die ersten Schwimmer ins Wasser.

6.15 Uhr: Noch ist die Kasse geschlossen, doch Rena Lenders, Heike Thien, Gabriele Diers, Marlies Kaulbach, Heinz Mahlberg und Jürgen Egel warten schon vor der Tür. "Wir treffen uns immer um diese Zeit", sagt Mahlberg, und Kaulbach ergänzt: "Erst besprechen wir hier in der Familie, was am Vortag passiert ist, dann geht es ins Becken." Ab morgen testen sie andere Bäder: Lenders und Kaulbach kommen aus Vinnhorst, sie fahren nach Stöcken. Egel und Mahlberg nach Garbsen.

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Fotostrecke Langenhagen: So verabschiedet Langenhagen sein Freibad

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Von Antje Bismark, Stephan Hartung und Rebekka Neander

Warum wir das Godshorner Bad vermissen werden

Meine Heimatstadt durchzieht gerade ein Hauch von Wehmut. Nach 45 Jahren schließen sie das Hallenfreibad in Godshorn, weil sie in der Langenhagener Stadtmitte ein neues bauen. Das heißt dann nicht mehr Hallenfreibad, sondern Sport- und Erlebnisbad Wasserwelt und kostet Millionen.

Das Godshorner Bad ist formell einer der typischen Schwimmkästen, die man in den Siebzigerjahren flächendeckend in die Landschaft setzte, indem man Gruben aushub, die Wände mit Beton begradigte und hellblau verkachelte.

Das ist aber nur die nüchterne, pragmatische Sichtweise. Das Godshorner Bad ist ein Ort, an dem ich das erste Mal auf dem Drei-Meter-Brett stand und nicht mehr zurück konnte, weil ich mich sonst dort nie wieder hätte blicken lassen können. Es ist der Ort, an dem wir versuchten, eine perfekte Arschbombe zu servieren. Es ist der Ort, der nach Frühschwimmen mit Badekappenzwang aussah und nach Chlor roch. Es ist der Ort, an den wir trotzdem gingen, weil wir einem pubertären Drang gemäß gucken wollten, was sich in den Oberteilen der Bikinis verbarg. Es ist der Ort, an dem wir so lange mit Wasser spritzten, bis der Bademeister pfiff. Es ist der Ort, an dem wir im Sommer auf der Liegewiese Musik aus dem batteriebetriebenen Kassettenrekorder hörten und die „Bravo“ lasen. Es ist der Ort, an dem wir uns regelmäßig einen Sonnenbrand holten, weil es nur Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor zwei gab und eincremen sowieso was für Luschen war. Es ist der Ort, in dem in der Cafeteria der stadtweit erste Flipperautomat stand und wir dort immer Pommes und Fanta bestellten. Es ist der Ort, an dem meine Tochter schwimmen lernte, das erste Mal auf dem Drei-Meter-Brett stand und nicht mehr zurück konnte, weil sie sich sonst ...

Das Godshorner Bad war ein Erlebnisbad. Mal sehen, ob das neue mithalten kann.    

Von Bernd Haase

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