Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Wer ist der zweite Lebensretter von Langenhagen?

Bahnhof-Mitte Wer ist der zweite Lebensretter von Langenhagen?

Bescheidene Schutzengel an Gleis 2: Ein Bundespolizist und ein Unbekannter retten am Bahnhof-Mitte in Langenhagen einem anderen Menschen das Leben. Dieser war am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr auf die Gleise gestürzt und hatte sich eine schwere Platzwunde am Kopf zugezogen. 

Voriger Artikel
Der Kiepenkasper spielt in der Bibliothek
Nächster Artikel
Sportler erkunden Nova Scotia

„Ich habe doch nur das Richtige getan“: Der Polizist hat einen betrunkenen Verletzten von den Gleisen geborgen.

Quelle: Sven Warnecke

Lagenhagen. Ein junger Mann liegt auf dem Gleis im Bahnhof Langenhagen-Mitte. Er ist vielleicht gestürzt, unübersehbar stark betrunken, und auf jeden Fall hilflos und in höchster Lebensgefahr – auf dem Gleis donnern die ICEs von Norden in Richtung Hannover vorbei, sie haben auch hier noch Tempo 100 oder mehr drauf.

Zwei Männer schätzen diese lebensbedrohliche Situation auf Gleis 2 am Sonntagmorgen kurz nach 9 Uhr richtig ein. Sie werden zu Lebensrettern. Aber Helden wollen sie offenbar beide nicht sein. Der eine geht nach der Hilfeleistung einfach seiner Wege. Der andere, ein Bundespolizist, 45 Jahre alt und Familienvater, wiegelt ab. Er habe doch „nur das Richtige getan“, das Notwendige. Das, was von einem Polizisten erwartet wird, der einen Menschen in einer Notsituation beobachtet. Deshalb war er nach seinem gleichsam mutigen wie besonnenen Einsatz zwar bereit, sich an Ort und Stelle noch einmal für die HAZ fotografieren zu lassen, aber sein Name soll in diesem Artikel nicht vorkommen.
Es ist der unbekannte Helfer, der wohl als Erster die dramatische Situation an diesem Morgen auf dem Bahnsteig in Langenhagen begreift. Er ruft den Polizisten zur Hilfe. Der Beamte wohnt in Celle, er steht in Uniform auf dem Bahnsteig, weil er auf dem Weg zum Dienst am Flughafen ist.

Er ist seit 28 Jahren bei der Polizei, er hat 15 Jahre im Bereich der Bahn seinen Dienst versehen, für den die Bundespolizei zuständig ist. Also springt er ins Gleisbett. Der unbekannte Helfer ebenfalls. Nicht unbedacht, aber auch ohne großes Zögern – die ein- und ausfahrenden Züge habe er im Blick gehabt, sagt er. Der Mann auf dem Gleis hat eine stark blutende Verletzung am Hinterkopf. Doch gemeinsam hieven die beiden Retter den Hilflosen von den Schienen auf die Bahnsteigkante und dann noch etwas weiter weg von den Gleisen.

Der Polizist alarmiert einen Rettungswagen und leistet dann dem betrunkenen Verletzten unverzüglich erste Hilfe. Dieser ist zu diesem Zeitpunkt noch ansprechbar, ruhig und kooperativ. Vielleicht spiele der Respekt vor einem uniformierten Polizisten dabei eine Rolle, mutmaßt der Beamte. Als aber der Notarzt eintrifft, wird der Gerettete regelrecht aggressiv. Er verweigert die Behandlung und will nicht ins Krankenhaus gebracht werden. Das aber ist nötig, und deshalb geht es für den verstörten jungen Mann erst einmal mit Polizeibegleitung in eine Klinik – und der beherzte Polizist fährt weiter zum Dienst.

Und fühlt sich der Bundespolizist nun als Lebensretter? „Nein“, sagt der Vater von zwei Töchtern am Montagmorgen bei der Rückkehr an den Ort des Geschehens. Das sei seine Pflicht gewesen, das gelte für jeden Bürger, der jemanden in Notlage findet. Für ihn selbst, auch nach 28 Jahren Dienst bei der Polizei, ist es das erste Mal, dass er als Schutzengel gebraucht wurde. „Das kommt Gott sei Dank nicht so häufig vor“, sagt er. Gleichwohl sei nach dem „Durchrauschen des ICE bei ihm ein Ruck durchgegangen“, wie er freimütig berichtet. Trotzdem: Beim nächsten Mal würde er wieder so handeln, betont er. Und dann lobt er noch einmal ausdrücklich den geistesgegenwärtigen unbekannten Helfer. „Ich bin ja nicht alleine gewesen“, sagt der 45-Jährige mit Blick auf den anderen Helfer. „Ihm gebührt Lob“, betont der Polizist und fordert den Lebensretter auf, sich bei der Polizei zu melden. Unannehmlichkeiten hat der allerdings nicht zu erwarten. „Wir wollen ihn für den Zivilcourage-Preis vorschlagen“, sagt Bundespolizeisprecher Frank Steigerwald.

Ob er sich meldet? Steigerwald ist unter der Rufnummer (01 73) 6 11 98 08 zu erreichen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr