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Detlef Euscher tritt aus der SPD aus

Langenhagen Detlef Euscher tritt aus der SPD aus

Detlef Euscher ist aus Protest aus der SPD ausgetreten – nach 45 Jahren. Der ehemalige Ortsbürgermeister von Godshorn wirft seiner Partei, seinem Amtsnachfolger und der Stadtverwaltung unter anderem eine falsche Informationspolitik zu den geplanten Modulbauten Am Moore vor.

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Auf diesem als Ausgleichsfläche angelegten Areal sollen nach dem Willen der Stadt Modulbauten für Flüchtlinge entstehen.

Quelle: Sven Warnecke

Godshorn. Die Region wird in der Stadt an zwei Stellen Modulbauten errichten, um darin Flüchtlinge unterzubringen: Unter anderem Am Moore in Godshorn. Noch in diesem Jahr sollen in dem zweigeschossigen Bau bis zu 68 Schutzsuchende beherbergt werden. Dagegen regt sich heftiger Protest der Anwohner. Am Wochenende wurden entsprechende Flugblätter im Dorf verteilt. Zudem läuft eine Internetpetition.

Einer der Gegner ist Godshorns ehemaliger Ortsbürgermeister Detlef Euscher. Aus Protest über die mangelnde Informationspolitik seiner Partei und seines Amtsnachfolgers Willi Minne hat er am Sonnabend verärgert sein Parteibuch zurückgegeben – nach 45 Jahren SPD-Mitgliedschaft. Auch Euschers Frau Ruth ist nach 44 Jahren aus Protest ausgetreten.

„Um eines vorwegzunehmen, ich habe nichts gegen Flüchtlinge“, betont der 69-Jährige am Sonntag. Im Gegenteil. Er engagiere sich als Chef des Kulturrings im Flüchtlingsnetzwerk der Kirche. Doch der seiner Ansicht nach hinter verschlossenen Türen entwickelte Plan, auf dem als Ausgleichsfläche ausgewiesenem Areal Am Moore zweigeschossige Modulbauten zu errichten, habe bei ihm das „Fass zum überlaufen gebracht“. „Schlicht der falsche Standort“, meint Euscher mit Blick auf die Bauweise und die auf zehn Jahre festgelegte Betriebsdauer. Zumal auch keiner wisse, wie die Bauten aussehen sollen, moniert er und weist auf die dort sonst übliche eineinhalbgeschossige Wohnbebauung in der Umgebung. Es könne niemand abstreiten, dass das für die Anlieger einen nicht unerheblichen Wertverlust für die eigene Immobilie bedeutet. Der Altbürgermeister spricht deshalb auch von „schleichender Enteignung“.

Er ist sich sicher, dass es idealere Standorte in der Stadt gebe. Auch wenn es schwierig sei, Grundstücke zu finden, die völlig problemfrei bebaut werden könnten, räumt Euscher ein. Doch der 69-Jährige berichtet auch davon, dass der Stadt von einem Godshorner Bürger ein 10000 Quadratmeter großes Grundstück in Langenhagen angeboten worden sein soll. Doch das habe die Stadtverwaltung aus für ihn unerfindlichen Gründen abgelehnt.

Euscher hätte zudem von seinem Amtsnachfolger erwartet, dass er sich dieses mal stärker für die Belange Godshorns einsetzt. Er wäre der einzige gewesen, der in Langenhagens Politik hätte intervenieren können. Doch wieder nichts. So wie damals, als es um den Erhalt des Godshorner Hallen-Freibades ging. Er spricht daher von „Fraktionszwang,“ der ihn besonders ärgert. „Das frustriert die Bürger und treibt sie dorthin, wo demokratische Parteien sie nicht hinhaben wollen“, meint Euscher in Anspielung auf den Zuspruch, den die AfD derzeit allerorten erfährt. Ihn werde man dort aber nicht finden, ergänzt das nun ehemalige SPD-Mitglied rasch.

Der so gescholtene Willi Minne bedauert Euschers Schritt – und auch dessen Kritik. Zumal sie 30 Jahre politisch eng und gut zusammengearbeitet hätten. Für die Montagabend um 19 Uhr angesetzte Sondersitzung des Ortsrates im Dorfgemeinschaftshaus am Spielplatzweg erwartet Minne nichts gutes: „Das wird schlimm.“ Er spricht von einer derzeit katastrophalen Stimmung im Dorf. Kritik von Anwohnern sei meist normal, aber so wie sie derzeit auf ihn in Godshorn hineinprassele, habe er noch nicht erlebt. "Doch damit muss ich leben", betont Minne, der sich für die Sondersitzung Unterstützung von der Langenhagener Stadtspitze erhofft.

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Ein Bild aus gemeinsamen Tagen: Detlef Euscher (links) und sein Nachfolger als Ortsbürgermeister Willi Minne.

Quelle: Archiv

Von Sven Warnecke

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