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Die Angst wohnt mit im Reihenhaus

Langenhagen Die Angst wohnt mit im Reihenhaus

Die Angst vor einem Einbruch ist wahr geworden: Eine junge Mutter erzählt von ihrem traumatischen Erlebnis, das sie auch nach acht Monaten nicht zur Ruhe kommen lässt.

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Einbrecher haben aus einem Einfamilienhaus in Langenhagen Schmuck, iPods, Laptops und Parfüm erbeutet.

Quelle: Symbolfoto

Langenhagen. Die Gedanken lassen sich nicht vertreiben, auch nach acht Monaten nicht: Bedeutet das knackende Geräusch im Erdgeschoss, dass die Einbrecher zurückkommen? Nehmen wir das Laptop mit zu privaten Treffen, damit es Unbekannten nicht erneut in die Hände fällt? Und haben wir tatsächlich alle Fenster und Türen fest verriegelt? Das Kopfkino läuft bei der zweifachen Mutter noch immer mehrmals täglich - obwohl sie den Einbruch gar nicht unmittelbar erlebt hat. „Wir waren Hunderte Kilometer entfernt im Urlaub“, blickt sie auf den März zurück. Die erste gemeinsame Auszeit der vierköpfigen Familie nach der Geburt der Kinder hat sich bei den Eltern tief eingebrannt. Nicht wegen des Erholungsfaktors, sondern wegen der Tatsache, dass Unbekannte ihre Abwesenheit nutzten und in nur 20 Minuten die Wertgegenstände aus dem Reihenhaus holten. Mehr Zeit blieb den Einbrechern nicht.

Sie warfen mit Steinen, die sie mitgebracht hatten, eine Fensterscheibe ein. Diese ging zu Bruch, ebenso wie etliche Glasvasen auf der Fensterbank. Mit ihrer aus Sicht der Polizei ungewöhnlichen Methode riefen sie die Nachbarn auf den Plan, die zwar nicht sofort, aber doch zeitnah nachschauten. „Das Küchenfenster stand als Fluchtweg offen, die Täter waren längst weg“, sagt die junge Mutter und fügt hinzu: „Damit haben wir nie gerechnet.“ Schließlich befinde sich das Haus in einer eng bebauten Gegend, ihre Eltern hätten während der Urlaubszeit einige Gartenarbeiten erledigt. „Das Haus wirkte nie unbewohnt.“

Ihr Vater, den die Nachbarn ebenso wie die Polizei alarmiert hatten, ging nach dem Einbruch durch das Haus. Unter Schock. „Heute würde er das nicht mehr tun, denn niemand kann vorhersagen, ob die Täter sich noch im Haus aufhalten.“ Und dann kam die Spurensicherung. Stundenlang. Erst am nächsten Morgen informierten die Eltern die Familie. „Wir haben uns entschieden, den Kindern nichts zu sagen. Bis heute.“ Deshalb blieb das Quartett am Urlaubsort. „Die Nachrichten waren furchtbar: Die Einbrecher hatten meinen Schmuck, den ich zu meinen Examina bekommen hatte, gestohlen.“ Sie nahmen auch portable Geräte wie iPods und Laptops mit. Und Parfüm. „Das fand ich sehr befremdlich“, sagt die Langenhagenerin.

Sie ergriff mit ihrem Mann nach der Rückkehr die Initiative, brachte nach Gesprächen mit der Polizei neue Sicherungen im Haus an. „Das hat mir geholfen, aber nicht die Angst genommen.“ Wegen Dienstreisen ihres Mannes sei sie oft allein im Haus. „Und dann wird jedes Knacken zur Bedrohung.“ Dankbar nahm sie deshalb die Angebote ihrer Familie und Freunde an, jederzeit anzurufen. „Manchmal habe ich nachts jemanden gebeten, bei mir zu schlafen.“ Oder sie rief ihren Mann an und ging mit ihm - über das Telefon verbunden - durchs Haus, um die Ursache der Geräusche zu finden. „Rational weiß ich, dass statistisch ein zweiter Einbruch unwahrscheinlich ist.“ Emotional aber bleibe sie angespannt.

Die Folgen sind spürbar, nicht nur bei den unzähligen Glassplittern, die sich noch immer im Sofa verbergen: „Ich schaue Fremde in unserer Straße genauer an“, nennt sie ein Beispiel. Das neue Laptop sei immer dabei, wenn ihre Familie das Haus verlasse. „Und ich verstecke meine Wertsachen.“ Dass Fremde ihren Schmuck, für den sie hart gearbeitet habe, einfach mitnähmen und einschmelzen, mache sie wütend. Die Wut betreffe auch das Gefühl der Ohnmacht: „Ich muss akzeptieren, dass ich auf diese Tat keinen Einfluss habe oder hatte.“

Als positiv habe sie die Gespräche mit anderen empfunden: „Fast jeder im Freundeskreis ist betroffen“, hat sie festgestellt. Geholfen hätten ihr auch die Gespräche mit der Kontaktbeamtin: „Es geht auch darum, mit der Angst zu leben.“

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Von Redakteur Antje Bismark

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