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Einige Anwohner am Harkenkamp haben Angst

Langenhagen Einige Anwohner am Harkenkamp haben Angst

Anwohner des Harkenkamps haben Angst. Um ihre Kinder, und um sich selbst. Der Grund sollen einige Bewohner des dortigen städtischen Obdachlosenheims sein. Jetzt hat es in der Tat einem Angriff auf eine Seniorin gegeben. Der Täter ist nun in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen worden.

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Die Anwohner des Harkenkamps sind in Sorge wegen des Lärm und der zum Teil geäußerten Aggression der Bewohner des Obdachlosenheims am Harkenkamp.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Langenhagen unterhält am Harkenkamp seit Jahren eine Obdachlosenunterkunft. Genau so lange gibt es auch Proteste und Beschwerden von Anwohnern. Doch die Stadt sei verpflichtet, entsprechende Einrichtungen vorzuhalten, sagt Langenhagens Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch. Eine Stadt müsse Obdachlosen eine Notunterkunft anbieten.

Die Verwaltung kenne aber die Sorgen der Nachbarn, betont Gotzes-Karrasch. „Die nehmen wir auch ernst.“ Auch aus diesem Grund sei dort seinerzeit bei der grundlegenden Sanierung der Gebäude kein drittes Haus hochgezogen worden. Aktuell wohnen dort nach Auskunft von Stadtsprecherin Juliane Stahl 24 Menschen, darunter 23 Männer. Diese lebten zum Teil nur kurzfristig in der Einrichtung, manche aber durchaus fünf oder zehn Jahre, manche auch länger.

In den letzten Sitzungen sowohl des Sozialausschusses wie auch des Rates hatten nun Anwohner ihre Sorgen und Nöte, zum Teil gar Ängste formuliert, die seit Jahren bestünden. Das sagte unter anderen sogar Harald Matern – ein Hüne von Mann. Der hochgewachsene Anwohner beschrieb sehr glaubhaft weniger die Sorge um sich selbst, als um seine Frau und seine Kinder und Enkelkinder. Und er ist nicht der einzige, der sich über die Zustände am Harkenkamp beklagt.

Und offenbar ist die Sorge nicht ganz unberechtigt. Denn nun ist ein Bewohner der Unterkunft aggressiv und gewalttätig geworden. Der 27-Jährige hatte nach Auskunft der Polizei aus bislang ungeklärten Gründen eine Frau angegriffen. Auf der Kastanienallee schlug er der mit dem Fahrrad vorbeifahrenden 78 Jahre alten Seniorin plötzlich und offenbar grundlos an den Hinterkopf. Augenzeugen verhinderten wohl Schlimmeres. Daraufhin flüchtete der Täter. Die Passanten verfolgten ihn und riefen die Polizei. Beamte konnten den Mann kurze Zeit später in der Unterkunft am Harkenkamp stellen. In Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, dem Sozialberatungsdienst und nach ärztlicher Untersuchung wurde er in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert. Gegen ihn werde wegen Körperverletzung ermittelt, berichtet Langenhagens Polizeisprecher Mario Mantei. Der 27-Jährige wurde bereits in der Vergangenheit aktenkundig. Aber nur wegen Schwarzfahrens oder Sachbeschädigung, durch Gewaltdelikte fiel er bislang nicht auf.

Allerdings deuten die Beobachtungen mehrerer Anwohner etwas anderes. Sie bezeichnen den 27-Jährigen als eine Art „tickende Zeitbombe“. „Ich habe Angst um meine kleine Tochter“, berichtete etwa eine Anwohnerin dem Langenhagener Rat. Sie appellierte an die Stadtverwaltung, aktiv zu werden, damit sich ihre „Familie wieder sicher fühlen kann“.

Ob die Anwohner des Harkenkamps mit der nun getroffenen Maßnahme zufrieden sein werden, dürfte fraglich sein. Denn diese berichteten auch von fortwährenden Ruhestörungen, speziell in den warmen Sommermonaten. Dann seien abendliche Grillpartys die Regel, monieren sie. Kommissariatssprecher Mantei stellt indes klar, dass es dort keine „signifikante Häufung“ an Einsätzen der Polizei gebe. Doch von Gartenfeiern in der städtischen Einrichtung weiß auch die Rathausverwaltung aus den Berichten ihrer dort eingesetzten Sozialarbeiterin, sagt Gotzes-Karrasch dieser Zeitung. Ob die Verwaltung ein für die Einrichtung geltendes Alkoholverbot aussprechen kann, werde derzeit im Rathaus geprüft.

„Wir haben auf die Vorfälle wie jetzt keinen Einfluss“, gibt Bürgermeister Mirko Heuer frank und frei zu. Doch es habe phasenweise auch am Harkenkamp einen von der Stadt beauftragten Sicherheitsdienst gegeben, um etwa „Grill-
orgien zu reglementieren“, betont der Verwaltungschef. Und auch, um das „Konfliktpotenzial zu den Nachbarn zu minimieren“. „Wenn es neue Möglichkeiten gibt, werden wir diese nutzen“, stellt Heuer in Aussicht.

Nach Ansicht von Claudia Hopfe gibt es bereits über die Satzung zu den Obdachlosenunterkünften entsprechende Möglichkeiten. Sie müsse nur konsequent angewendet werden, fordert die CDU-Fraktionschefin nun auch in einem am Donnerstag eingebrachten Antrag und spricht von der „Durchsetzung des Hausrechts“ – auch in den anderen städtischen Einrichtungen. „Es geht darum, die Anwohner nicht im Regen stehen zu lassen“, sagt sie dieser Zeitung angesichts der Verunsicherung der Bevölkerung. „Die Anwohner müssen sich wieder sicher fühlen können“, betont Hopfe.

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Von Sven Warnecke

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