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„Es ist noch nicht perfekt!“

Langenhagen „Es ist noch nicht perfekt!“

Die Künstlerin Marion Seewald aus Langenhagen gewährt Einblicke in ihre Passion. Sie erzählt, was ihr künstlerisches Gemüt inspiriert, wie sie Stimmungen auf eine Leinwand bringt und wann ein Bild tatsächlich fertig ist. Bis zum 2. Dezember sind ihre Kunstwerke noch im Foyer des Rathauses ausgestellt.

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Marion Seewald stellt derzeit im Langenhagener Rathaus aus.

Quelle: Feininger

Langenhagen. „Malen ist für mich ein Lebenselixier“, erzählt die Künstlerin Marion Seewald strahlend über ihre Leidenschaft. Die gebürtige Cellerin nimmt sich Zeit für die Gäste ihrer Vernissage, schüttelt Hände, umarmt, erzählt Anekdoten zu ihren Bildern. Jedes Gemälde hat eine eigene Geschichte. Die 67-Jährige hat viel erlebt, das merkt man. Ihre Familie habe sie trotz schwerer Schicksalsschläge unterstützt, und zu dem Menschen gemacht, der sie heute ist.

Den Weg zur Kunst fand sie schon als Kind über ihren Großvater im Celler Schlosstheater, wo sie den Kulissenmalern zuschaute. „Manchmal durfte ich einen Pinsel nehmen und eine Fläche ausmalen“, erinnert sie sich an ihre ersten Berührungspunkte mit der Kunst.

Ihre ersten „Kritzeleien“, wie sie sie nennt, habe sie zwar schon mit fünf, sechs Jahren gezeichnet, zum „richtigen Malen“ kam Seewald aber erst nach 1980. Ihr künstlerisches Debüt gab sie im privaten Rahmen: Das erste Werk entstand an den Zimmerwänden ihres Sohnes. Für ihn malte sie eine Landschaft in das Kinderzimmer, die stetig wuchs: „Bäume, eine Igelfamilie, dann kriegte Papa noch seine Weinberge dazu“.

Seither arbeitet sie primär auf Leinwänden, aber auch auf Holz oder Textilien. Die Ideen nimmt sie aus ihrer Umwelt. Ein Film inspiriert sie ebenso sehr wie das Durchblättern eines Magazins. Abhängig von ihren Stimmungen entstehen besonders abstrakte Werke: „Abstraktes kann man nicht planen, das ist spontan“, sagt sie, und verweist auf die dunklen Farben des Bildes „Vom Wind verweht“.

Ein Lieblingsmotiv, das sie regelmäßig malt, hat sie indes nicht. Sich wiederholende Elemente möchte die Künstlerin aber auch nicht malen, denn jedes Bild soll einzigartig bleiben: „Jeder soll sein Unikat haben“.

Sind solche Ansprüche an die Kunst nicht stressig? „Für mich ist es entspannend“, sagt sie, und wirkt aufrichtig überrascht von dieser Frage. Bei klassischer Musik und einem Glas Rotwein male sie am liebsten. Nichtsdestotrotz ist ihr ambitionierter Tatendrang ihr ständiger Begleiter: Wenn ihr eine Idee kommt, stellt sie sich sofort an eine ihrer drei Staffeleien ins Schlafzimmer. Die Tageszeit spielt keine Rolle. Sie malt – auch mitten in der Nacht – stundenlang, bis sie das Gefühl hat, das Bild sei perfekt, so wie es ist. Kein einziger Pinselstrich darf dann noch hinzukommen.

Gelegentlich benötigt sie auch eine Auszeit, um an diesen Punkt zu kommen: „Ein paar Tage Distanz schaffen Nähe zum Bild“, weiß sie nach so vielen Jahren als Malerin. In diesen Phasen malt sie an anderen Bildern weiter. Dass sie mit den Ergebnissen zufrieden ist, und sich zwischen ihren Bildern wohl fühlt, sieht man ihr an. Von abstrakter bis photorealistischer Malerei wechselt sie zwischen Stilrichtungen und Materialien, möchte sich künstlerisch durch eine Festlegung nicht einschränken. Privat mag sie jedoch am liebsten unterschiedliche Grüntöne: „Das passt zu meinen Haaren“, schmunzelt sie.

Und das Verrückteste, das sie jemals gemalt hat? Keine Auftragsarbeit, sondern ein persönlicher Wunsch: „Das abendliche Bad“. Die Ausstellung kann noch bis zum 2. Dezember während der Öffnungszeiten im Rathaus besucht werden.

Von Anna Feininger

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