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Jede dritte Unfallflucht wird aufgeklärt

Langenhagen Jede dritte Unfallflucht wird aufgeklärt

Die Zahl der Verkehrsunfälle in der Stadt ist 2016 nahezu identisch mit der des Vorjahres. Sorgen bereitet der Langenhagener Polizei indes die Zahl der Unfallfluchten – weil diese angesichts des Versicherungsschutzes „überflüssig“ sind. Allerdings wird ein Drittel dieser Straftaten aufgeklärt.

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Nach einem schweren Verkehrsunfall auf dem Reuterdamm in Langenhagen ist im September die Fahrbahn komplett gesperrt worden. Eine 80 Jahre alte Fußgängerin war nach Auskunft der Polizei aus Unachtsamkeit auf die Fahrbahn direkt vor einem Auto gelaufen.

Quelle: Sven Warnecke

Langenhagen. Die Polizei bezeichnet die Zahl der Verkehrsunfälle mit 1657 im Jahr 2016 (im Vorjahr 1646) als eher „unkritisch“. Dabei wurden 199 Menschen leicht, 26 schwer verletzt.

Nicht nur angesichts der Größe Langenhagens und der Verkehrsdichte, sondern auch wegen der langen Zeit der Baustelle auf der Autobahn 2 von März bis November und der in der Stadt ausgewiesenen Umleitungsstrecke habe das „positiv überrascht“, sagte Alexander Zimbehl, Leiter des Langenhagener Einsatz- und Streifendienstes (ESD), jetzt bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik. Allerdings hätte sich der Baustellenbetrieb durchaus auf die Unfallzahlen ausgewirkt. Denn der gesamte Verlauf der Bothfelder Straße könne durchaus als Unfallschwerpunkt bezeichnet werden. „Ich bin aber glücklich, auch in diesem Jahr keinen Verkehrstoten vermelden zu müssen“, betonte Zimbehl. Gleichwohl bleibe die Zahl der Schwerverletzten weiter zu hoch. „Und jeder ist einer zu viel“, meint der Erste Polizeihauptkommissar.

Große Sorge bereitet der Polizei indes die weiter hohe Zahl an Unfallfluchten. Im vergangenen Jahr verschwanden Zimbehls Angaben zufolge 487 Fahrer nach einem Unfall, zumeist Bagatellen, ohne den Schaden zu regulieren. „Ja, diese Unfälle nehmen zu, aber selten mit gravierenden Folgen“, kommentiert Langenhagens Polizeichef Andreas Alder die Statistik. Häufig seien später Senioren als Verursacher ermittelt worden. „Wir stellen aber fest, dass diese meist gar nichts davon mitbekommen haben“, ergänzt der ESD-Leiter und spricht von Parkplatzremplern speziell auf Abstellflächen der großen Einkaufszentren wie CCL, Osttor, Elisabeth-Arkaden oder etwa am Flughafen.

Doch zum Glück gelingt es seinen Kollegen dank modernster Technik in der Spurensicherung wie etwa Lacksplittern, immenser Ermittlungsarbeit und „Klinkenputzen“, knapp 37 Prozent dieser Unfallfluchten aufzuklären, betont Zimbehl. Gleichwohl bezeichnet er diese Straftaten angesichts der eigentlich einfachen Schadensregulierung über die Versicherung als ein „Delikt, dass nicht sein muss“. „Wenn dem Verkehrsteilnehmer klar wird, dass jede dritte Unfallflucht aufgeklärt wird, überlegt sich der Autofahrer das vielleicht“, hofft Alder. „Denn das kann durchaus zum Verlust des Führerscheins führen“, stellt Zimbehl das Strafmaß in Aussicht: „Das ist kein Kavaliersdelikt.“

Neben den Senioren ab 65 Jahren gelten auch die 18- bis 24-Jährigen als Risikogruppe. Im vergangenen Jahr sind sie an einer Vielzahl an Unfällen mit immerhin 
80 Leicht- und Schwerverletzten beteiligt gewesen.

Von einer hohen Dunkelziffer in Sachen Unachtsamkeit im Verkehr – etwa wegen der Nutzung von Smartphone oder Tablet am Steuer – spricht indes der Polizeichef. Dagegen wolle die Polizei in diesem Jahr mit Schwerpunktkontrollen speziell vorgehen, kündigt Alder zwecks Prävention an. Auch wenn diese Bemühungen nicht immer helfen könnten, um etwa schwere Unfälle wegen Unachtsamkeit zu vermeiden, meint der Kommissariatsleiter rückblickend auf zwei Unfälle mit lebensgefährlich Verletzten im vergangenen Jahr in Langenhagen. Dabei überquerte eine 80 Jahre alte Frau am 9. September plötzlich den Reuterdamm, ohne auf den Verkehr zu achten. Die Seniorin wurde von einem Auto erfasst. Auf der Langenhagener Straße in Schulenburg passierte am 
6. Dezember ein 60 Jahre alter Mann in den frühen Abendstunden unaufmerksam die Fahrbahn und wurde ebenfalls von einem Fahrzeug erfasst. „Da helfen auch keine Präventionsbemühungen“, sagt Alder. Aufmerksamkeit gehöre nun einmal sowohl für Fußgänger, Fahrrad- wie auch Autofahrer im Verkehr dazu.

Als weiteren Schwerpunkt in diesem Jahr kündigt der Polizeichef an, den öffentlichen Verkehrsraum rund um den Flughafen verstärkt ins Visier zu nehmen. Denn seine Beamten hätten bei Kontrollen im Jahr 2016 dort „zum Teil erschreckende Erkenntnisse“ ob des Fehlverhaltens wie Tempoverstöße oder Missachtung der Vorfahrtsregelung, Handy-Gebrauch am Steuer oder Gurtverstößen gewinnen müssen. „Einige Verkehrsteilnehmer scheinen den öffentlichen Verkehrsraum mit einem Betriebsgelände zu verwechseln“, meint er.

Weitere Zahlen zum Verkehrsgeschehen

Zugenommen haben Fahrten unter Alkohol- (plus 17, 5 Prozent) und Drogeneinfluss (plus 28 Prozent). Im vergangenen Jahr wurden für Verkehrsdelikte 1017 Ordnungswidrigkeiten wie etwa zu schnelles Fahren oder das benutzen des Handys am Steuer angezeigt. Bußgelder wurden in 9971 Fällen ausgesprochen. Dazu zählen Parkverstöße vielfach am Flughafen, Alkohol- oder Drogeneinfluss sowie Nötigung. In 183 Fällen wurden Strafanzeigen fällig, etwa für gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr oder Fahren ohne Führerschein. Letzteres sei besonders häufig auf dem Parkplatz der Pferderennbahn geahndet worden. Denn nach Angaben Alders missbrauchten häufig Eltern mit ihren Sprösslingen dieses Areal für Fahrübungen. Das sei aber auch der Polizei inzwischen bekannt und würde speziell an den Wochenenden durchaus häufiger kontrolliert.

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Der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Langenhagener Polizei, Alexander Zimbehl, präsentiert die Unfallstatistik für das Jahr 2016.

Quelle: Sven Warnecke

Von Sven Warnecke

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