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Dieter und Detlev suchen ein neues Zuhause

Langenhagen Dieter und Detlev suchen ein neues Zuhause

Zwei in der Silvesternacht ausgebüxte Hausschweine sind in einem Tierheim in Langenhagen untergekommen und suchen ein neues Zuhause. Woher sie kommen, ist unklar. Eins müssen die neuen Besitzer jedoch versprechen: sie dürfen Detlev und Dieter nicht essen.

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Was Dieter und Detlev in der Silvesternacht im Heidekreis auf die Landstraße getrieben hat, wird auf immer ihr Geheimnis bleiben.

Quelle: Neander

Krähenwinkel. Anfang Januar irrten fünf kleine Hausschweine auf der Landesstraße 190 in einem Wald bei Lindwedel umher. Die Polizei erteilte, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu wahren, daraufhin Jägern die Erlaubnis, die Tiere zu erlegen. Zwei der Schweine „hatten sich jedoch unerlaubt entfernt“, erzählt Anke Forentheil, stellvertretende Leiterin des Tierheims, noch hörbar amüsiert. Sprich: Sie waren im Wald verschwunden. Alle Versuche örtlicher Tierschützer, der Jäger und der Polizei, der Tiere habhaft zu werden, scheiterten über Tage. Forentheil wagte dann in der ersten Januarwoche mit zwei Kolleginnen einen letzten Versuch - mit Erfolg.

Seitdem haben Dieter und Detlev, wie die zwei Tiere inzwischen getauft wurden, es sich im dicken Stroh des Tierheims unter ihrer Wärmelampe gemütlich gemacht. „Die Tiere hätten die nächste Nacht im Wald bei den Minusgraden nicht überlebt“, betont Forentheil. Woher die Schweine stammen, lässt sich bislang nicht ergründen. „Sie verfügen ungewöhnlicherweise über keine Ohrmarken.“ Wer die beiden Schweine haben möchte, muss nachweisen, dass er sich auf die Haltung der Tiere versteht. „Und er muss versprechen, sie nicht zu essen“, hält Forentheil fest. „Sonst hätten wir sie nicht retten müssen.“

Auffällig viele Hunde eingesammelt

Die beiden Schweine sind indes nicht die einzigen Tiere, die die Mitarbeiter des Tierheims derzeit beschäftigen. Auch Pekinesen-Mix Nonna etwa hat offenbar eine schwere Zeit hinter sich. Warum Nonna am Silvestertag hinter dem Zaun eines Gewerbebetriebes gelandet ist, weiß Anke Forentheil nicht. Wie der Pekinesen-Mix allerdings dort gelandet ist, wagt die stellvertretende Leiterin des Tierheims sehr wohl zu beschreiben. „Sie hatte einen fühlbaren Abriss der Schwanzwurzel. Deshalb deutet alles darauf hin, dass sie daran über den Zaun geschleudert wurde.“

Diese Schilderung mag nicht als Frühstückslektüre passen, weicht aber nicht viel ab vom Schicksal der auffällig vielen Hunde, die der Tierschutzverein in den vergangenen Wochen einsammeln musste. David, ein gut ein Jahr alter Mischling, wurde am 21. Dezember am Davenstedter Markt von einer Frau gefunden: Kettenhalsband und Fangleine um den Hals, die Schnauze zugebunden mit dem Gürtel eines Bademantels. Als die Frau zu Hause den Gürtel löste, geriet der Hund derartig in Panik, dass erst die gerufene Polizei-Hundestaffel und Mitarbeiter des Tierheims Herr über das Tier werden konnten. Inzwischen jedoch ist aus dem kapitalen Arbeitshund ein freundlicher, verspielter Kerl geworden.

Volker, ein am Bahnhof in Völksen gefundener Schäferhundmix, etwa ein Jahr alt, sowie Berta, eine ältere, korpulente Pinscher-Hündin, die am Blauen See in Garbsen gefunden wurde, machen das Quartett der Neuzugänge komplett. Hinzu kommen drei Katzen, die erst vor wenigen Tagen im Schnee ausgesetzt worden sind, „an Stellen, an denen nicht damit zu rechnen war, dass sie jemand vor dem Erfrieren finden würde“, klagt Forentheil.

Happy End in der neuen Nachbarschaft

Viele Tiere haben einen Chip unter der Haut – jedoch ohne eine dahinter registrierte Adresse. „Das aber ergibt überhaupt keinen Sinn“, klagt Anke Forentheil. Und noch während die stellvertretende Tierheimleiterin dies erzählt, spielt sich neben ihr ein Lehrbuchbeispiel dafür ab, wie es sein sollte: Ein Ehepaar betritt das Büro, im Arm ein Transportkorb mit einer Katze. Diese sei vor drei Tagen in die Hundehütte ihres Gartens eingezogen und begehre seitdem allabendlich maunzend Einlass ins Haus. „Wir haben aber drei Hunde, deshalb können wir sie nicht behalten“, sagt die Frau. Tierheimleiterin Doris Peterek lässt das Tier untersuchen: Kater, kastriert, gechipt, lautet die Diagnose. Und der Blick in die Datensammlung des Tierheims lässt Peterek aufmerken. „Das ist einer von uns, vermittelt worden erst im letzten November.“ Und wie es der Zufall will: Der Kater wohnt gleich um die Ecke seiner Finder, die sich spontan an das neu gebaute Haus in ihrer Nachbarschaft erinnern. Einen Anruf später sind nicht nur zwei Familien glücklich, auch eine neue Nachbarschafts-Freundschaft scheint sich anzubahnen. 

Von Rebekka Neander

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