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"Die sind ja gar nicht glitschig!"

Ein Abend als Kröten-Retterin "Die sind ja gar nicht glitschig!"

Mittendrin statt nur dabei: HAZ-Autorin Lisa Malecha packt mit an und hat mit Helfern vom Naturschutzbund (Nabu) in Langenhagen Kröten bei der Wanderung sprichwörtlich auf die Sprünge geholfen. Ein Einsatz mit vielen Überraschungen.

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Die weiblichen Kröten haben den Bauch voller Eier.

Quelle: Lisa Malecha

Langenhagen. „Öök öök öök“ - die Rufe der männlichen Kröte sind an der Straße An der Neuen Bult nicht zu überhören. Der Paarungsruf hört sich an, als würde man mit einem Stab über ein gerilltes Klangholz streifen. Vorsichtig setze ich einen Fuß vor den anderen, immer darauf bedacht, ja keine der zig Kröten zu übersehen, die auf dem Weg sitzen und auf einen passenden Partner warten.

Seit Mitte März sind die Helfer vom Naturschutzbund (Nabu) in den Abendstunden unterwegs, um Kröten und andere Amphibien einzusammeln. Denn mit den steigenden Temperaturen hat die Wanderung zu den Laichgewässern eingesetzt - und der Weg führt die Tiere häufig über Straßen. „Dann ist schon Tempo 30 für die Tiere kritisch - sie zerplatzen und ihre Eingeweide quellen raus, auch wenn sie nicht überfahren werden“, sagt Nabu-Vorstandsmitglied Georg Obermayr. „Das liegt am Unterdruck.“

Einen Abend lang als Kröten-Retterin mit dem Nabu auf den Straßen unterwegs.

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Deshalb machen sich er und sein Helferteam jedes Jahr aufs Neue daran, die Tiere über die Straßen zu tragen. Dabei ist Vorsicht oberstes Gebot, denn die kleinen braunen Kröten sind auf der dunklen und nassen Fahrbahn kaum zu erkennen. Mit Taschenlampe und Warnweste ausgestattet gehen wir die Straße auf und ab, immer wieder. Im Lichtkegel ist eine ganze Gruppe von Kröten zu sehen. „Alles Männchen“, sagt Obermayr. Diese sind wesentlich kleiner als die weiblichen Kröten. Obermayr schnappt sich eins der Tiere - natürlich nicht ohne Handschuhe. „Die Kröten haben kleine Giftdrüsen zur Abwehr vor Fressfeinden - und manche Menschen reagieren darauf allergisch“, erläutert er.

Ich versuche es trotzdem ohne Schutz - immerhin will ich wissen, wie sich die warzige Haut anfühlt. Ein schneller Griff und die Kröte sitzt in meiner Hand. „Gar nicht glitschig“, stelle ich fest. Damit hatte ich nicht gerechnet: Die Kröte fühlt sich trocken an. Sie ist kühl, schrumpelig und weich - und fängt auf einmal an, schnelle, kurze Laute von sich zu geben. Vor Schreck lasse ich sie fast fallen. „Tue ich ihr weh?“, frage ich Obermayr. „Nein, das ist ihre Protestbekundung“, beruhigt er mich. Denn nicht selten besteigt ein Männchen ein anderes Männchen, die Weibchen seien einfach deutlich in der Unterzahl. Da kann es wohl mal zu Verwechslungen vonseiten der liebestollen Männer kommen.

Ich gehe über die Straße und setze die Kröte auf die Wiese. Entgegen meiner Erwartung hüpft sie nicht davon, sondern schreitet mit langen Schritten voran. Vom Straßenrand aus schafft sie es sicher zum Teich, der als Laichplatz dient. Mehrere Hundert Tiere tragen die Helfer an diesem Abend noch in Sicherheit, zum Teil direkt im Doppelpack. Denn die Weibchen, deren Bauch mit bis zu 2000 kleinen Eiern gefüllt ist, tragen ihre Partner huckepack. Um 22 Uhr machen wir Feierabend - allein darf nicht gesammelt werden. „Aus Sicherheitsgründen“, sagt Obermayr. Zwar sei An der Neuen Bult die Straße nachts gesperrt, aber einige Autofahrer halten sich nicht immer daran, erläutert Monika Plattner, die seit mehr als zwölf Jahren bei der Wanderung hilft. Daher müssen die Helfer immer zu zweit unterwegs sein und auch eine Warnweste tragen. „Bisher ist aber glücklicherweise noch keinem etwas passiert“, sagt Obermayr.

Von Lisa Malecha

Nabu sucht noch mehr Unterstützer

Kröten, aber auch Frösche und Molche kriechen derzeit der Liebe wegen aus ihren Erdlöchern – und begeben sich auf eine nicht ungefährliche Reise von ihren Winterquartieren hin zu den Laichgewässern. Häufig müssen die Amphibien dazu auch asphaltierte Straßen überqueren, wo ihnen der Tod unter dem Autoreifen droht.

Der Naturschutzbund (Nabu) bittet Autofahrer, aber auch Jogger und Radler daher um Rücksichtnahme. Die Stadtverwaltung hat zudem die bekannten Wanderrouten mit entsprechenden Warnschildern ausgestattet. Bestimmte Streckenabschnitte wurden mit einem Tempolimit versehen, andere gar gesperrt, teilt Stadtsprecherin Juliane Stahl mit. Die Straße An der Neuen Bult wird von 18 bis 6 Uhr voll gesperrt und am Wietzeblick gilt ab 18 Uhr ein Halteverbot an den Parkplätzen. Im Bereich nördlich des Flughafens, an der Wohltrift, stellen die Nabu-Mitglieder jeden Abend Absperrbaken auf.

Problematisch ist laut Georg Obermayr vom Nabu-Vorstand vor allem der Bereich an der Kananoher Straße. Auf Höhe des Parkplatzes Hasenheide queren Amphibien die Straße in einer leichten Kurve – weshalb nicht nur die Kröten, sondern auch die Helfer oft durch rücksichtslose Autofahrer gefährdet werden. „Hier ist die Population deutlich eingebrochen“, sagt er. Die Straße kann für den Durchgangsverkehr nicht gesperrt werden und viele missachten die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer. Eine weitere Problemzone befindet sich am Stucken-Mühlen-Weg ungefähr in Höhe des Krähenwinkler Waldsees. „Auch hier halten sich viele nicht an das Tempolimit, weshalb dort unzählige Tiere sterben müssen“, bedauert Obermayr. Daher würde er dort gern einen Schutzzaun aufstellen – und sucht dazu Helfer, die mit anpacken.

Ein solcher Amphibienschutzzaun ist bereits im Bereich Evershorst aufgestellt. Dort müssen jeden Morgen bis 8.30 Uhr und jeden Abend gegen 23 Uhr die eingegrabenen Eimer kontrolliert werden. Sollten sich Tiere darin befinden, werden sie auf die jeweils gegenüberliegende Straßenseite gebracht und dort hinter den Zaun gesetzt. Wer den Nabu bei der Amphibienwanderung unterstützen will, kann sich beim Vorsitzenden unter Telefon (05 11) 27 08 20 19 und per E-Mail an ricky.stankewitz@nabu-langenhagen.de melden.

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