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Schulzentrum: Einige Trakte sind wohl sanierbar

Langenhagen Schulzentrum: Einige Trakte sind wohl sanierbar

Für den E- und F-Trakt des Schulzentrums gibt der Brandschutzgutachter grünes Licht. Vergleichbar irreparable Mängel wie an den Trakten A, C und H liegen dort nicht vor. Bis zu den Sommerferien soll auch die Prüfung des G-Trakts abgeschlossen sein. Unterdessen ringen Stadt und Schulleitung um die Folgen für den Schulalltag.

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Der komplette H-Trakt des Gymnasiums muss abgerissen werden.

Quelle: Rebekka Neander

Langenhagen. Nach Ende der Sitzung wird auf einmal klar, wie blank die Nerven liegen. Es geht um den geplanten Abi-Scherz der Gymnasiasten; Publikum und Politiker sind weitgehend verschwunden. Ist es zu verantworten, dass kommende Woche 700 Schüler wild durchs Gebäude johlen werden auf dem Weg zu einer traditionell eher fröhlich-chaotischen Aktion? Für einen Moment wird es lauter zwischen Hochbauchefin Elke Thielmann-Dittert, Schulleiterin Gabriele Janke und Bürgermeister Mirko Heuer. Ja, sagt Heuer, der den Schülern den Spaß nicht verderben möchte. Nein, sagt Janke hörbar schockiert von der Rangelei alkoholisierter Abiturienten mit Lehrkräften am Mittwoch. Ja, aber mit Auflagen, sagt Thielmann-Dittert mit Blick auf ihren Chef.

Der Abi-Streich am Gymnasium zeigt, wie dünn der Grat ist, auf dem die Stadt derzeit am Schulzentrum wandelt. Denn - und dies wurde am Donnerstag in der gemeinsamen Sitzung von Bildungs- und Stadtplanungsausschuss sehr deutlich - der Betrieb in den mangels baulichem Brandschutz für den Abriss freigegebenen Schultrakten A, C und H ist unter keinen Umständen mehr genehmigungsfähig. „Wir legen jetzt den Fokus darauf, bis zu den Ferien den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagte Stadtbaurat Carsten Hettwer sichtbar bedrückt. „Aber alles, was wir tun, geschieht in unserer persönlich-menschlichen Verantwortung.“ Am Montag, so Heuer später auf Nachfrage, werde sich entscheiden, ob die Stadt den Abiturienten Sicherheitspersonal oder einen Alternativort anbieten kann.

Die Politik zollte den Beteiligten zwar großen Respekt für die Arbeit der vergangenen Tage, ließ sich aber manche Entscheidung noch einmal erklären. Wie den nun verhängten Planungsstopp für den Anfang des Jahres hoch umkämpften dritten. Bauabschnitt. „Wir können den B-Trakt jetzt nicht abreißen, weil wir ihn unbedingt als Provisorium brauchen“, erläuterte Hettwer. Zudem werde der A-Trakt, an den sich der dritte Bauabschnitt mit 16 Klassenräumen anschließen sollte, ja abgerissen. Überdies erlaube der Freiraum nach Abriss des H-Traktes eine vollkommen neue Betrachtung des Areals. „Auch der Übergang zwischen Stadtpark und Schulzentrum kann nach Abriss der Peko-Halle verändert werden.“

Für den E- und F-Trakt gab der Brandschutzgutachter Daniel Stürzl am Donnerstag Entwarnung. Ein Abriss sei dort nicht zu befürchten. Die von der Stadt nachträglich in Auftrag gegebene Detailüberprüfung auch jener Trakte, die bislang nicht aufgefallen waren, habe dort in der Tiefe der Bausubstanz keine irreparablen Mängel offengelegt. Gleichwohl müsse dort bei der Gestaltung der Fluchtwege nachgebessert werden. Die Mängel im ohnehin für den Abriss vorgesehenen B-Trakt seien akzeptabel, da er nur Räume im Erdgeschoss hat. Das Ergebnis für den G-Trakt werde bis Ende Juli vorliegen.

Kommentar: Ein desaströser Einzelfall?

Langenhagen ist ungeduldig. Wann, bitte, öffnet endlich das neue Schwimmbad? Die Werbestrategen träumen von der Jahreskarte unterm Weihnachtsbaum 2016. Das ist richtig. Und so falsch.

Vor 40 Jahren mag die Stimmung ähnlich gewesen sein. Ein Dorf, für Wirtschaftsförderer traumhaft platziert zwischen Flughafen und Autobahnkreuz, wächst und gedeiht. Es wird die Geburtsstunde des Stadtzentrums als pulsierender Mittelpunkt. Auch in Langenhagen entsteht ein Schulzentrum Trakt um Trakt, quadratisch, praktisch, farblos.

Wer dabei wen falsch beraten hat, wie viel kriminelle Energie in wessen Kopf steckte – das lässt sich kaum mehr nachvollziehen. Fakt aber ist, dass der H-Trakt vom ersten Tag an abrissreif war, weil falsche Bauteile falsch verbaut wurden und die Feuerbeständigkeit bei Null liegt. Dabei wurden dort Millionen an Steuergeld versenkt. In den Trakten A und C ist dieser Irrsinn zwar um Nuancen geringer, die Konsequenz aber die gleiche: Eine Sanierung ist ausgeschlossen, will die Stadt nicht noch mehr Geld verbrennen.

Wie konnte das passieren? Gutachter wie Stadtbaurat zucken mit den Schultern, hilflos und ohnmächtig. War es der Geist jener Zeit, in der Großbauten nicht wie heute während der Entstehung penibel von Fachplanern dokumentiert werden? In der am Ende der Chef der Bauaufsicht über die gefegte Baustelle ging mit dem Blick auf den Plan und seinen Haken machte: Sieht doch gut aus!

War es blinder Geiz von Einzeltätern, die die günstigeren Bauteile bestellt und dann in aberwitziger Verantwortungslosigkeit zusammengepfuscht haben? Verhinderte später bei Reparaturen eine Mischung aus Bequemlichkeit und Feigheit, Ungereimtheiten auf den Grund zu gehen? Weil niemand mehr über den Rand des eigenen Auftrags hinaus dachte? Wir werden es vielleicht nie erfahren. Aber wir müssen befürchten, dass von all dem etwas dabei war.

Und wir müssen daraus lernen. Denn manches hat sich bis heute nicht verändert. Ja, Bauverzögerungen kosten Geld. Und ja, es sollte niemand seinen Job als verträumtes Schlendern begreifen. Aber zu viel Druck hat fatale Folgen. Am A- und C-Trakt deutet alles darauf hin, dass Bauabläufe falsch geplant und in absurder Weise zusammengefasst worden sind. War hier ein Anfänger am Werk? Oder war jemand von Hektik getrieben, das Prestigeprojekt schnell fertigstellen zu müssen?

Langenhagen baut wieder. Ein Schwimmbad. Werbeträchtig über die Stadtgrenze hinaus. Und manchem nicht schnell genug. Dieser Druck aber verbietet sich jetzt von selbst. Sorgfalt braucht Kraft und Zeit.

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