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Neustart für die Eishalle?

Langenhagen Neustart für die Eishalle?

Knapp drei Jahre nach Ende des Insolvenzverfahrens steht die Eishalle womöglich erneut auf der Kippe? Die Rettung könnte der Einstieg von Gerhard Griebler sein, dem Betreiber des Eisstadions am Pferdeturm. Er und seine Frau Kristina wollen in Langenhagen ein Leistungszentrum Eissport aufbauen.

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Gerhard Griebler und seine Frau, Kristina Mittrop-Griebler, wollen mit Kay Uplegger (rechts) aus der Eishalle ein Leistungszentrum mit Sportinternat machen.

Quelle: Neander

Langenhagen. Sicher ist derzeit nur wenig. Mit dem jährlichen Betriebskostenzuschuss der Stadt von 120.000 Euro kommt die Eishallengesellschaft nicht über die Runden. Verantwortlich dafür ist - bei steigenden Besucherzahlen - vor allem der technische und bauliche Zustand der Halle und die damit verknüpften überhöhten Energie- und Personalkosten. Darin sind sich die Betreiber und die Spitze der Stadtverwaltung nach monatelangen allseits "konstruktiv" titulierten Gesprächen hinter verschlossenen Türen weitgehend einig.

Welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, darüber jedoch herrscht zwischen Kay Uplegger und Marco Stichnoth in der Eishalle und den politischen Parteien im Rathaus indessen kein Konsens. Soviel war aus einzelnen Zwischenrufen vergangener Ratssitzungen schon einmal heraus zu hören. Auch wenn bislang weder ein konkretes Konzept noch detaillierte Zahlen öffentlich auf den Tisch gelegt worden sind.

Nun jedoch gerät Bewegung in die Situation. Neu auf der Bühne sind Gerhard Griebler und seine Frau, Kristina Mittrop-Griebler. Gemeinsam leiten sie die KMG Network GmbH, die auch das Eisstadion am Pferdeturm in Hannover betreibt. Drei Jahre sind Grieblers dort bereits am Ruder und haben das Traditionsstadion aus der Insolvenz in solide Zeiten geleitet. Die Stadt Hannover, so heißt es am Pferdeturm vollmundig, sei jedenfalls sehr zufrieden.

Gerhard Griebler, der sich bei Uplegger vor wenigen Wochen nach freien Eiszeiten erkundigte, könnte nun zu einer Art weißem Ritter werden. Denn die Halle in Langenhagen kommt ihm sehr gelegen. Der Stammverein der Hannover Indians hat mit der Mannheimer Eishockey Akademie einen Kooperationsvertrag abgeschlossen: Gemeinsam will man im Raum Hannover das führende Nachwuchszentrum für Norddeutschland werden. Umgesetzt werden kann dies jedoch am Pferdeturm alleine nicht. Es fehle dort an fast allem, was eine Akademie abseits des Eises braucht.

Dazu zählen nicht nur Räume für Firmenveranstaltungen, sondern viel mehr, wenn man Grieblers Ideen folgt: "Ich möchte in der Nähe der Eishalle von der Stadt Langenhagen Fläche erwerben, um dort auch Wohnraum zu schaffen beispielsweise für ein Internat für den Eissport", berichtet Griebler im Gespräch mit dieser Zeitung. Gespräche mit der "Elite-Schule des Sports", der KGS Hemmingen, habe er bereits geführt.

Auch eine "IGS in Hannover" habe bereits ihre Hilfe angeboten, sofern Grieblers eine Klassenstärke an Schülern zusammenbekämen. "Schon jetzt habe ich in Hannover 22 Eishockey-Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet am Start, ein weiterer kommt aus Rom, ein anderer aus Bozen." Wohnraum wäre in der Nähe der Eishalle durchaus erlaubt, heißt es im Rathaus. Gleichwohl, so scheint es, gibt es dort durchaus noch mehr Interessenten für zentrumsnahe Unterkünfte.

Die Langenhagener Eishalle wäre, so Grieblers, für den Pferdeturm aufgrund ihrer Lage und ihrer Ausstattung jedoch die ideale Ergänzung für den Breitensport. "Es geht hier nicht vordringlich um Eishockey", betont Gerhard Griebler ein ums andere Mal. Auch Kategorien wie "Indians" oder "Scorpions" oder gar Hirngespinste wie eine Fusion spielen für ihn keine Rolle. Griebler ist in ganz anderen Dimensionen gedanklich unterwegs.

"Es kann einfach nicht sein, dass in einer Metropolregion Hannover bei einem Ende der Eishalle in Langenhagen damit auch jeglicher Behindertensport am Ende wäre", mahnt er. "Das darf man im Zeitalter der Inklusion nicht zulassen." Griebler bezieht sich auf den Paralympischen Trainingsstützpunkt, den das Deutsche Nationalteam für Sledge-Hockey in Langenhagen nutzt, sowie die Nachwuchsteams auf Vereinsebene. "Ohne diese bundesweit einmalig barrierefreie Halle haben die in Norddeutschland keine Heimat mehr."

Was sagt die Stadt?

Im Langenhagener Rathaus haben Grieblers diesen Plan im groben Zügen bereits vorgestellt. Das Echo bei Bürgermeister Mirko Heuer und Stadtbaurat Carsten Hettwer sei grundsätzlich positiv gewesen, betonen Grieblers. Bestritten wird dies im Rathaus nicht. Gleichwohl brütet die Verwaltung bereits seit Wochen neben dem nötigen Bau-Invest im sechsstelligen Bereich über ganz anderen Problemen mit der Eishalle: Wer trägt die Verantwortung für den Ausfall der Technik, die eigentlich Eigentum der Stadt ist, aber von Mitarbeitern der Eishallen-Gesellschaft bedient wird?

Zu dieser Frage gibt es derzeit gegensätzliche Ansichten zwischen Stadt, Eishallen-Gesellschaft und der von ihr eingesetzten Versicherung. In Rede steht für die Eishallen-Gesellschaft ein Umsatz-Ausfall im fünfstelligen Bereich. Dem Vernehmen nach hat die Gesellschaft diese Forderungen gegen die an die Stadt zu zahlende Pacht gegengerechnet.

Grieblers wollen mit dem Rechtstreit um ein drohendes Mahnverfahren und das damit verbundene Sonderkündigungsrecht der Stadt für den Pachtvertrag nichts zu tun haben. "Und wir werden hier nur einsteigen, wenn die Halle schuldenfrei ist", betont Gerhard Griebler. Einen eigenen Facility Manager einzig für die Eistechnik würden Grieblers übernehmen. Deshalb wären sie mit der Höhe des bislang vertraglich festgelegten Betriebskostenzuschusses von jährlich 120.000 Euro ebenso einverstanden wie mit allen anderen Bestandteilen des vor knapp drei Jahren zwischen Stadt und Eishallen-Gesellschaft geschlossenen Vertrages. Darin ist unter anderem festgelegt, dass eine Veräußerung der Gesellschaftsanteile an einen neuen Mit-Eigentümer vom Rat genehmigt werden muss. Der derzeit auf den Rathausfluren kolpotierte notwendige Jahreszuschuss von insgesamt 300.000 Euro wäre damit vom Tisch.

Grieblers wollen mit ihrer Firma mit 60 Prozent einsteigen, für die bisherigen Gesellschafter wie Kay Uplegger und Marco Stichnoth verblieben die restlichen Anteile. Grieblers rechnen in ihrem Wirtschaftsplan mit drei Jahren, bis die Halle wieder schwarze Zahlen schreiben könne. Bis dahin bitten sie die Stadt allerdings um einen Verzicht auf die Jahrespacht von je 60.000 Euro. "Danach müssten wir den Break Even Point überschritten haben", betont der Unternehmer. Denn, und dies wäre eine wesentliche Neuerung auch für die betriebswirtschaftliche Bewertung, Grieblers streben einen ganzjährigen Eis-Betrieb in Langenhagen an. Derzeit darf die Halle ohne Eis, also momentan im Sommer, für Veranstaltungen nur mit teuren Sonderauflagen genutzt werden. Die Deckenträger reichen für eine ohne Eis erhöhte Brandlast nicht aus. 

Und die Politik?

Für die Verwaltungsspitze unstrittig ist die Erkenntnis, dass die Stadt diverse bauliche Mängel beheben müsste - bliebe die Halle an der Brüsseler Straße weiterhin als Eishalle geöffnet. Eigentlich sollte auch deshalb für die letzte Sitzung des Rates am kommenden Montag eine Beschlussdrucksache zu den ausstehenden Investitionen vorgelegt werden. Weil aber für die Klärung des Rechtstreits noch Informationen fehlen, will offenkundig niemand etwas übers Knie brechen. Notfalls eine Sondersitzung des Rates zur Zukunft der Eishalle auch in den Sommerferien lauten jetzt entschärfende Signale aus der Politik.

Für Grieblers und Uplegger sind dies zarte positive Zeichen. "Wenn wir ins Gespräch kommen, reicht mir auch ein Beschluss nach der Sommerpause", sagt Griebler. Bis zum Herbst habe er Zeit. "Bei positiven Signalen können wir ja schon einmal unsere Hausaufgaben machen wie beispielsweise eine genauere Bestandsaufnahme zur Technik und dem Bauzustand." Erschrecken, darin ist sich das Ehepaar sehr sicher, werde sie dabei nichts. "Wir haben seinerzeit am Pferdeturm Elektrotechnik von 1954 vorgefunden", erzählt Kristina Mittrop-Griebler lachend. "Und im zweiten Jahr", ergänzt ihr Mann, "sind wir wahrlich durch ein Tal der Tränen gegangen."

Sollte der Langenhagener Rat jedoch keine Zukunft sehen für einen wirtschaftlichen Betrieb der Eishalle, wäre dies für Grieblers nicht das Ende ihrer Pläne. "Dann werden wir eine andere Lösung finden in Hannover. Zur Not eben eine mobile Eishalle."

Wer ist das Ehepaar Griebler?

Gerhard Griebler ist seit 1998 in Hannover als Unternehmer tätig, die Familie mit zwei inzwischen erwachsenen Kindern zog 1999 hinterher. Mit dem börsennotierten Touristikunternehmen aovo Touristik AG entwickelte er im Auftrag von Birgit Breuel im Vorfeld der Expo in Hannover den Bereich des Ticketing und Tourismus. Im Anschluss baute er für die Deutsche Messe AG deren Zimmervermittlung und Veranstaltungsgeschäft neu auf. Seit 2001 ist Griebler Vorstand der Aktiengesellschaft. Im kommenden Jahr wird sein Unternehmen Tickets mit Hotelübernachtungen für die Europameisterschaft der Leichtathletik in Berlin anbieten.

Mit Sport oder gar Eishockey hatte er nichts zu tun, bis vor vier Jahren eine leitende Mitarbeiterin in sein Büro kam mit der Frage: "Wir sind doch bekloppt, oder?" Die Prokuristin, leidenschaftlicher Fan der Hannover Indians, bat ihren Chef, den seinerzeit finanziell notleidenden Verein kurzfristig zu unterstützen und damit zu retten.

Ein Jahr später dann eskalierte die Situation rund um das Eisstadion am Pferdeturm. "Da entschlossen sich meine Frau und ich unser Glück, das wir als Unternehmer hatten, in Form einer Public-Private-Partnership dem Breitensport zurückzugeben", erzählt Gerhard Griebler. Welche Bedeutung der öffentliche Lauf im Pferdeturm habe, sei für beide eine große Überraschung gewesen. "Aber jetzt haben wir wochentags um 7 Uhr morgens bereits Eistanz für Senioren", erzählt Kristina Mittrop-Griebler. Die Nachfrage sei enorm.

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