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Ein Kirchturm im neuen Gewand

Langenhagen Ein Kirchturm im neuen Gewand

Die Sanierung der Elisabethkirche wird sich noch bis 2018 ausdehnen. Erst nachdem das Mauerwerk von Schiff und Turm vom Gerüst aus Stein für Stein geprüft werden konnte, ist nun der tatsächliche Sanierungsbedarf offenbar. Ein Rundgang über die Baustelle.

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Im Vordergrund die alten Sims-Steine, im Hintergrund werden neue als Ersatz eingebaut.

Quelle: Neander

Langenhagen. Julia Meinecke kennt den Weg - inzwischen. Schnurstracks erklimmt sie Stufe um Stufe, macht ein ums andere Mal kehrt, um die nächste Treppe in Angriff zu nehmen. Dass diese recht schmal und dezent wackelig ist und sich Kehre um Kehre in luftige Höhen am Turm der Elisabethkirche in die Höhe schraubt, mag vielleicht ihre Gefolgschaft leicht nervös machen. Die Architektin aber strebt in schlafwandeliger Sicherheit ihr Ziel an: Sie will zeigen, wo im oberen Bereich des eingerüsteten Turms bereits Hand angelegt worden ist.

Und das meinen Meinecke und ihr Kollege, der Architekt Stefan Kunkel, durchaus wörtlich. Jeder, wirklich jeder Ziegel, Raseneisen- oder glasierte Formstein wurde geprüft. Ob er gerissen ist, ob die Fugen um ihn herum zu porös sind - schlicht, wo zuviel Wasser in die Bausubstanz eindringen und bei Frost zu Schäden führen könnte. Und weil das eben erst geht, wenn das Gerüst steht und man jedem Stein förmlich auf Augenhöhe begegnen kann, haben Meinecke und Kunkel jetzt ein bisschen mehr Schreibarbeit. Denn jetzt ist klar, wie Meinecke eben noch am Bürotisch bei Kaffee und Keks verkündet hat: "Das Geld reicht nicht."

Jetzt oben am Turm offenbar sich, was sie meint. Ob die Fuge bröselt oder wie sich ein Stein anhört, wenn ein Hammer ihn trifft, ist eben mit dem Fernglas von unten nicht zu erkennen. "So aber mussten wir anfangs die Kostenschätzung anfertigen für den Antrag bei der Landeskirche", erläutert Kunkel. Herausgekommen waren seinerzeit rund 400.000 Euro je zur Hälfte für Turm und Schiff. "Für den Turm ging das auf", sagt Meinecke im vierten Stock des von Planen umhüllten Gerüstes.

Aber für das Schiff eben nicht. Zu viele Elemente, darunter auch die von Hand nachzubrennenden Form- und Ziersteine, müssen ersetzt werden. Der Antrag für weitere 100.000 Euro werde gerade geschrieben. "Wir hoffen, dass die Landeskirche schnell darüber befinden wird." Ein Bauende aber komme für 2017, wie einst geplant, wohl nicht mehr in Frage. "Solch ein Vorgehen ist nicht unüblich", stellt Kunkel fest, einfach weil die tatsächliche Bewertung und das schlichte Zählen der Steine erst vom Gerüst aus gemacht werden könne. "Und in solchen Fällen muss ein zusätzlicher Etat  fürs folgende Haushaltsjahr beantragt werden."

Für die Elisabethgemeinde, deren Kirchengebäude seit Jahren auf der Sanierungsliste der Landeskirche stand, hat dies mittelbar Konsequenzen. "Wenn auch das Turmgerüst so lange stehen bleiben muss", mahnt Pastor Torsten Kröncke, "dann müssen wir uns eine neue Anordnung der Stände während des Weihnachtsmarktes überlegen."

Soweit die Theorie. Doch auch im wirklichen Leben werden sich die Langenhagener auf Neuerungen einstellen müssen. Denn der Turm wird in seinem oberen, aus dem Ende des 30-jährigen Krieges stammenden Teil einen Putz erhalten. "Den hatte er früher schon, nur ist der Mörtel im Laufe der Jahrzehnte verschwunden", erläutert Meinecke. Im unteren Teil, der bereits im Mittelalter aufgebaut worden ist, bleibt die Sicht auf die Raseneisensteine erhalten. Dort werden lediglich die Fugen mit dem historisch korrekten zementfreien Mörtel ausgebessert, damit das Wasser schadlos abfließen kann.

"Es gehört zu den Eigenheiten des Baustils des Kirchenbaumeisters Conrad-Wilhelm Hase, dass derlei Dinge zu sanieren sind", erklärt Meinecke in luftiger Höhe. Die vielen Ziersteine und die verwinkelte Baugeoemtrie erzeugten Wege für das Regenwasser, in deren Verlauf das Mauerwerk stärker angegriffen werde. "An anderen Kirchen hat man es sich einfach gemacht", sagt Kunkel oben auf dem Dach und weist auf die glasierten Formsteine hin. "Da hat man die Ziersteine einfach abgeschlagen und das Ganze mit Kupferblech überzogen." Das verschaffe zwar Ruhe, "ist aber nicht das Original und das wollen wir hier erhalten."

Sie pflegen Kunst und Bau

Julia Meinecke und Stefan Kunkel arbeiten als Architekten beim Amt für Bau- und Kunstpflege in Celle. Das Amt gehört zur Hannoverschen Landeskirche und verfügt über eine Außenstelle in Lüneburg. Gemeinsam betreuen sie 1295 Gebäude inklusive der Pfarrhäuser, darunter 800 Baudenkmäler beziehungsweise 350 Kirchen und Kapellen. Pro Jahr liegt das Investitionsvolumen beider Amtssitze bei 3,8 Millionen Euro. Die Landeskirche verfügt noch über weitere Bauämter, diese betreuen landesweit insgesamt 8000 Gebäude.

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Von Rebekka Neander

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