Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Eltern wollen dritte Gesamtschule

Langenhagen Eltern wollen dritte Gesamtschule

Die Realschule ohne Überlebenschance, großer Wunsch nach Ganztagsbetreuung und ein klares Bekenntnis zur Kernstadt - Langenhagens Eltern haben der Stadt ein paar klare Antworten geliefert. Der Bildungsausschuss durfte sich auch freuen: Inklusive Beschulung ist außerordentlich beliebt.

Voriger Artikel
Diebe brechen in vier Wohnungen ein
Nächster Artikel
BfK pflanzt zum Projekt-Start einen Baum

Wolf Krämer-Mandeau (rechts) von der Projektgruppe Bildung Region, erläutert im Bildungsausschuss die Ergebnisse der Elternbefragung.

Quelle: Neander

Langenhagen. Knapp 2500 Fragebögen sind Anfang März in den Kindertagesstätten und den Grundschulen des gesamten Stadtgebietes verteilt worden. Und jeweils rund 70 Prozent der befragten Eltern haben die gut 30 Fragen zur Schul-Zukunft ihrer Kinder innerhalb der vorgegebenen, mit vier Wochen allerdings knapp bemessenen Frist zurückgeschickt. "Das ist ein beachtlich guter Wert." Dieses Lob aus dem Munde von Wolf Krämer-Mandeau sollte am Dienstagabend im Bildungsausschuss nicht das einzige bleiben. "Auch bei der Frage, auf welcher Schulform die Eltern ihr Kind letztlich tatsächlich vermuten werden, zeigt Langenhagen einen differenzierten Blick." Derlei erlebe er nicht immer so. Die Zahlen zeigten jedoch auch noch etwas anderes, mahnte der Vertreter der Projektgruppe Bildung und Region "Biregio": Die Ergebnisse kämen spät, aber nicht "zu spät". Die Stadt müsse in jedem Fall zügig Konsequenzen aus den Antworten ziehen.

• Abitur: In den Kindergärten und Grundschulen wünschen sich zwischen 70 und 80 Prozent aller Eltern, dass ihr Kind Abitur macht. Knapp die Hälfte aller Eltern sieht dafür das Gymnasium als beste Voraussetzung. Befragt nach der konkret wahrscheinlich zu wählenden Schulform liegt das Gymnasium jedoch nur noch bei gut 30 Prozent. In den Kindertagesstätten wissen 37,1 Prozent aller Eltern noch nicht, wohin die Reise geht. Bei den Grundschul-Eltern liegt die Gesamtschule mit 35,2 Prozent knapp hinter dem Gymnasium mit 36,7 Prozent. Doch die Zahlen prognostizieren für das neue Gymnasium in einzelnen Spitzenjahrgängen womöglich sogar eine 8-Zügigkeit. Derzeit ist der Neubau durchgehend für sieben Parallelklassen geplant. Krämer-Mondeau rät der Stadt, beim Raumprogramm einen Puffer einzuplanen.

• Realschule: Die Überlebenschancen für die Realschule hingegen seien hingegen kaum mehr wahrnehmbar. „Die Realschule ist tot“, spitzte es Wolf Krämer-Mandeau zu. So wünschen sich nur 8,9 Prozent der Kindergarten-Eltern, ihr Kind möge die Schule mit der Mittleren Reife abschließen, bei den Grundschul-Eltern sind es immerhin 10,1 Prozent. Die Realschule würden nur 8,4 Prozent der Kita-Eltern anwählen, bei den Grundschuleltern sind es nur noch 7,3 Prozent. Bei der Frage der tatsächlich vermuteten weiterführenden Schule sehen diese Werte kaum anders aus: In beiden Gruppen sind es nur noch 7,7 Prozent.

• Gesamtschule: Die Zahlen sind eindeutig: Langenhagen wird eine dritte Gesamtschule benötigen. Und diese, so wünschen es sich die Eltern mehrheitlich quer durch das Stadtgebiet, soll in der Kernstadt sein. Zwar wünschen sich 91 Eltern in Kaltenweide eine zuletzt heftig diskutierte Gesamtschule für den Norden. Doch auch sie sind damit in der Minderheit. Zumal ein solcher Standort nur nachhaltig existieren könnte, wenn er auch von den Eltern in Krähenwinkel gewählt würde. Doch dort sieht das Votum eindeutig die Kernstadt vor. Wolf Krämer-Mandeau sieht die Existenz von weiteren Gesamtschulen neben dem "Mutterschiff" an der Konrad-Adenauer-Straße jedoch nur gesichert, wenn auch diese eine eigene Oberstufe bekommen - gegebenenfalls auch als gemeinsames Modell. Dies sei auch für das neue Gymnasium wichtig. "Wenn Sie verhindern wollen, dass das Gymnasium überläuft, müssen Sie die Gesamtschulen attraktiv ausstatten."

• Leistung: Verhältnismäßig aufklärt äußerten sich die Eltern zur Lernfähigkeit ihrer Kinder. Sehr wohl werden nach Aussage von Wolf Krämer-Mandeau voraussichtliche Schwierigkeiten bei den Hausaufgaben gesehen. Und erfreulich viele Eltern reagierten darauf mit einer entsprechenden Anwahl der weiterführenden Schule. Dies aber führe zu einer "erschreckenden Erkenntnis": Quer durch alle Schultypen rechnen mehr als 90 Prozent aller befragten Eltern, dass sie kurz- bis mittelfristig Nachhilfe finanzieren müssen, um den Verbleib der Kinder an den Schulen zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund erklärt sich vielleicht auch der ebenfalls ernüchternde Wert zur Furcht, Eltern könnten den Besuch der gewünschten Schule womöglich nicht bezahlen. Dieser Wert liegt ebenfalls bei allen Schulformen knapp unter 20 Prozent. Gemeint sind damit allerdings auch die Finanzierung von Klassenfahrten, Ausrüstung oder auch gesellschaftlicher Druck auf Kleidung und elektronische Kommunikationsmittel.

• Ganztagsbetreuung/Schulweg: Die überwiegende Zahl der Eltern wünscht sich stadtweit eine ganztägige Betreuung ihrer Kinder. Die Kernstadt liegt bei "Ganztagsschule/Angebote am Nachmittag" mit 46 Prozent auf dem letzten Platz, Krähenwinkel führt mit 71 Prozent. Die Antworten lassen jedoch keine Differenzierung zwischen schulischer Betreuung und Hort zu. Zwischen 19 und 29 Prozent liegen überdies die Wünsche nach mindestens einem Mittagessen. Lediglich eine Vormittagsbetreuung möchten nur maximal 19 Prozent in der Kernstadt. In Krähenwinkel gab es nicht eine Stimme für dieses Angebot. Einen Schulweg von rund 20 Minuten empfindet knapp die Hälfte aller Eltern als beste Lösung. Bei der Sicherheit ragt Engelbostel negativ heraus: 62 Prozent aller Antwortbögen benennen die Sicherheit auf dem Weg zur Grundschule als weniger gut bis sehr schlecht.

• Inklusion: Ein großes Kompliment macht Wolf Krämer-Mandeau Langenhagen für die hohe Akzeptanz einer gemeinsamen Beschulung aller Kinder, unabhängig ob beeinträchtigt oder nicht. Sowohl Kindergarten- wie Grundschuleltern liefern mit gut 80 Prozent einen Wert, den Krämer-Mondeau definitiv nicht oft erlebe.

"Zweiter Runder Tisch ist nötig"

Unter den Zuhörern der Ausschuss-Sitzung war am Dienstag auch Thomas Kelber, Rektor der Robert-Koch-Realschule (RKS). Er selbst hat in der Vergangenheit mehrfach auf die bedrohlich schlechten Anmeldezahlen der Realschule hingewiesen.

Herr Kelber, welche Konsequenzen sollte die Stadt nun ziehen?

Die Elternantworten bestätigen eine Tendenz, die wir bereits an unserer Schule in den vergangenen vier Jahren selbst bemerkt haben. Die Realschule wird weniger angewählt. Deshalb plädiere ich für einen zweiten Runden Tisch zur Langenhagener Schullandschaft.

Was sagt Ihr Kollegium zur möglichen Umwandlung der RKS in eine Gesamtschule?

Ich werde die Zahlen jetzt in einer Dienstbesprechung dem Kollegium vorlegen. Darauf müssen alle erst einmal die Chance haben, in Ruhe darauf zu reagieren. Klar ist, dass die professionelle Elternbefragung zeigt, dass die Schüler gewonnen haben. Integrative Systeme wie die integrierte Gesamtschule mit Oberstufe und Oberschulen mit gymnasialem Zweig sind stärker differenzierende Schulformen, diese wünsche ich mir für alle unsere Schüler.

Die Rede ist jetzt von einer dritten Oberstufe. Wo sollte diese Ihrer Ansicht nach hin?

Ich kann diese Oberstufe nur befürworten: Wenn es in Langenhagen Gesamtschulen gibt, die unterschiedlich ausgestattet sind, werden die Eltern erneut mit den Füßen abstimmen und sich immer für die entscheiden, die am meisten anbietet. Eine Gesamtschule ohne Oberstufe kann dann schnell zur neuen Reste-Schule werden.

 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Schulzentrum Langenhagen

Nahezu vollständig müssen das Gymnasium und ein Teil der IGS abgerissen und neu gebaut werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Mehr zum Schulzentrum Langenhagen lesen Sie hier. mehr