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Neuer Supermarkt für Engelbostel in Sicht

Langenhagen Neuer Supermarkt für Engelbostel in Sicht

Das hat lange gedauert: Nach Jahren der Verhandlungen, Klagen und der Androhung von Enteignung kommt für Engelbostel nun doch ein neuer Supermarktstandort in Sicht. Der Stadtplanungsausschuss hat einmütig dem Antrag des Ortsrates zugestimmt, hinter der neuen Feuerwehrwache dafür Platz zu schaffen.

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Am Stadtweg haben die Bauarbeiten begonnen, auch für die neue Feuerwache, dahinter soll nach dem Willen des Engelbostler Ortsrates ein Supermarkt entstehen dürfen.

Quelle: Stephan Hartung

Langenhagen. Der Ortsrat Engelbostel hatte in der März-Sitzung beschlossen, die Verwaltung aufzufordern, möglichst umgehend, quasi im Zuge des Neubaus des Feuerwehrgerätehauses am Stadtweg, südlich davon an der Hannoverschen Straße auch ein Fleckchen für einen neuen Lebensmittelmarkt einzuplanen. Das Gremium hatte seinerzeit argumentiert, dass der Pachtvertrag für den derzeitigen Lebensmittelmarkt an der Heidestraße im Jahr 2019 auslaufe und der Betreiber auch signalisiert habe, das Geschäft unbedingt aufgeben zu wollen.

„Für die Lebensmittelversorgung der Ortsteile Engelbostel und Schulenburg eignet sich der neue, zu entwickelnde Standort hervorragend“, argumentiert der Ortsrat unter anderem auch mit Blick auf den Zuzug von Menschen in das in Planung befindliche Neubaugebiet Dorfstraße. Aus diesem Grunde müsse die „Einkaufsmöglichkeit in Form eines Vollsortimenters unbedingt erhalten“ bleiben, heißt es in einem Antrag, der nun auch im Stadtplanungs- und Umweltausschuss thematisiert worden ist.

Schulenburgs Ortsbürgermeister Dietmar Grundey (CDU) unterstrich dabei die Bedeutung einer Nahversorgung für beide Orte. Das sei zwingend erforderlich. Er sprach davon, dass nicht ständig Kaufkraft in Richtung Berenbostel abfließen dürfe.

Langenhagens Stadtbaurat Carsten Hettwer erinnerte indes an die alte Diskussion um diesen Standort, die Klagen und Prozesse. Und daran, dass die Region Hannover festgelegt habe, dass im sogenannten Außenbereich einer Kommune ein Lebensmittelgeschäft nicht größer als 1050 Quadratmeter sein dürfe. Ein Vollsortimenter fange jedoch erst bei 1700 bis 1800 Quadratmetern an, gab er zu bedenken. Seiner Ansicht nach sei deshalb die Suche nach einem Betreiber äußerst schwierig, sagte Hettwer.

Rückblick: Der Wedemärker Investor Karl-Heinz Müller wollte dort ursprünglich ein etwa 30.000 Quadratmeter großes Areal erwerben, hatte von den Eigentümern ein entsprechendes Vorkaufsrecht erworben. Doch auf dem Grundstück wollte zeitgleich auch die Stadt ein Feuerwehrgerätehaus für Engelbostel und Schulenburg bauen. Kein Problem, hatte Müller signalisiert. Die Stadt sollte ihm dort jedoch ein Einkaufszentrum etwa mit Vollsortimenter und Drogeriemarkt ermöglichen. Im Gegenzug würde er der Stadt das Areal für die Feuerwache zur Verfügung stellen.

Doch das wollte die Rathausverwaltung nun wieder nicht und erfuhr Unterstützung mehrheitlich durch die Ratspolitik sowie die von der Region beschlossene Festlegung für Supermarktgrößen im Außenbereich. Die Krux nur: Müller hatte den Grundstückseigentümern deutlich bessere Preise für ihr Land geboten als die Stadt.

Daraus entwickelte sich ein Streit, der mit einem Enteignungsbeschluss zugunsten der Stadt vor dem niedersächsischen Innenministerium endete. Dagegen stellten die Eigentümer „Anträge auf gerichtliche Entscheidungen“. Die dann zuständige Baulandkammer des Landgerichts Hannover beschäftigte sich ein knappes Jahr lang mit den Stellungnahmen der Kommune, der Eigentümer sowie des Investors und insbesondere auch mit den Aussagen der Feuerwehrunfallkasse hinsichtlich der Dringlichkeit des neuen Vorhabens. Im Verlauf der Verfahrensdauer hatte dann bei den betroffenen Eigentümern ein Umdenken stattgefunden. In der Folge einigten sie sich mit der Stadt auf einen Vergleich.

Grundey indes fuhr dem Stadtbaurat dann mit seinen weiteren Ausführungen in die Parade. Es habe nicht nur Gespräche mit einem möglichen Investor gegeben, sondern zudem auch mit einem Betreiber eines möglichen Vollsortimenters. Und dieser habe durchaus ernsthafte Bereitschaft signalisiert, auf diesem verhältnismäßig kleinen Raum ein Lebensmittelgeschäft zu betreiben.

Hettwer indes zeigte sich von der Lage des Supermarktes wenig begeistert und argumentierte mit der schlechten „fußläufigen Erreichbarkeit“. Gleichwohl habe die Verwaltung aktuell auch keine Idee für einen besseren Standort, räumte er ein.

SPD-Ratsmitglied Wolfgang Langrehr brachte es schließlich auf den Punkt: Mit der drohenden Schließung des Marktes an der Heidestraße müssten die Politik sowie die Verwaltung dafür Sorge tragen, die Nahversorgung dort zu erhalten. In der Folge fand der Antrag des Ortsrates bei einer Enthaltung einmütige Zustimmung. Nun ist letztlich der Langenhagener Rat gefragt.

 

Kommentar von Sven Warnecke

Lasst das Geld in Langenhagen!

Der jetzt im Ausschuss getroffene nahezu einstimmige Beschluss ist nur konsequent und beweist auch die Notwendigkeit. Er sollte deshalb im Rat rasch umgesetzt werden. Denn zu lange wurde vonseiten der Stadtverwaltung von einer Schwächung des Langenhagener Zentrums gesprochen und als Argument für das kategorische Nein ins Feld geführt – ohne dabei die Menschen in den Dörfern im Auge zu haben, speziell die älteren.

Na klar, es gab einige Animositäten zwischen den Verhandlungspartnern, die in der Tat vor der Justiz landeten. Doch das war gestern. Und einmal Hand aufs Herz: Wer in der Langenhagener Verwaltung oder in der Politik glaubt denn allen Ernstes, dass die Engelbosteler und Schulenburger aus purem Lokalpatriotismus zum Brot-, Wurst- und Käseeinkaufen den weiten Weg ins Stadtzentrum antreten würden? Das wäre in der Tat wohl recht blauäugig. Viel näher liegt doch da der kurze Weg nach Berenbostel oder nach Vinnhorst. Und das bedeutet für die Langenhagener Kasse einen Kaufkraftabfluss, der zum Wohle der Stadt vermeidbar ist.

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