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Wucher-Opfer Karl-Heinz Dahlke will aufrütteln

Langenhagen Wucher-Opfer Karl-Heinz Dahlke will aufrütteln

Er redet nicht um den heißen Brei herum. „Ich war zu doof und bin auf diese Firma hereingefallen, dazu stehe ich. Wichtig ist mir, dass meine Geschichte an die Öffentlichkeit kommt, um andere Menschen zu warnen“, sagt Karl-Heinz Dahlke, der viel zu viel an ein Rohrreinigungsunternehmen bezahlt hat.

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Karl-Heinz Dahlke zeigt die Rechnung für die Reparatur, die wegen eines Defekts an der Waschmaschine nötig wurde.

Quelle: Stephan Hartung

Engelbostel. Angefangen hat alles Mitte August mit einem Problem in Dahlkes Haus. Wasserstau in der Waschmaschine, Verstopfung wegen Waschschaum und Fetten – das kann mal vorkommen. „Mit meinem eigenen Handwerkszeug habe ich es versucht, bin aber nicht weitergekommen“, berichtet er. So suchte er im Internet nach Sanitärnotdiensten. Als Suchbegriff fügte er „Langenhagen“ hinzu, „weil ich es wichtig finde, die heimischen Unternehmen zu unterstützen.“

Dieser gut gemeinte Gedanke ist aber der Fehler: Dahlke findet eine Firma namens Rohr Blitz, die angeblich am Pferdemarkt beheimatet ist. Wie sich später herausstellte: dort gibt es diese Firma gar nicht, später heißt die Firma plötzlich Rohr Frei und sitzt in Hannover an der Hildesheimer Straße – und vereinbart einen Termin.

Die Firma kann den Schaden zwar beheben, berechnet aber Leistungen, die nicht notwendig gewesen wären – beispielsweise Fräsen über 40 Meter zum Meterpreis von 30 Euro. Der Endbetrag beträgt 2151,52 Euro, eine Summe, die später noch einmal auffallen sollte.

Weil es in Norddeutschland zuletzt nicht selten zu solchen Vorgängen kam, war der NDR auf Dahlkes Fall aufmerksam geworden und hatte ihn mit einem Fernsehteam in Engelbostel besucht. Mit dabei waren ein Sachverständiger und der Chef einer seriösen Rohrreinigungsfirma. Einhellige Meinung der Experten: Einfache Spülvorgänge hätten es getan, 450 Euro wäre der marktübliche Preis gewesen.

Nicht nur der NDR hat recherchiert, auch Dahlke war nicht untätig. Dabei stieß er auf einen Mann in Lüneburg, der wegen eines ähnlichen Problems ebenfalls einen Notdienst rief. Der Name der Firma: „Rohr Frei Uchte“. Kosten für den Kunden: 2151,52 Euro, auf den Cent genau wie bei Dahlke – es gibt aber auch Zufälle! Dass die Texte und die Firmen-Schriftzüge auf den Rechnungen von Dahlke und dem Lüneburger identisch sind, kommt noch hinzu. Einziger Unterschied: Im Gegensatz zu Dahlke zahlte der Lüneburger nicht vor Ort mit EC-Karte, sondern ließ sich eine Rechnung schicken – und wurde dann misstrauisch.

„Man denkt zunächst, dass das schon alles seine Richtigkeit hat, und fängt erst später an zu grübeln. Dass man selbst in einer Notsituation steckt, wird dabei natürlich ausgenutzt“, sagt Karl-Heinz Dahlke. Einen Preis von bis 1000 Euro hätte er ja noch gezahlt. „Aber das ist eindeutig Wucher. Mit meinem Fall möchte ich alle Menschen davor warnen“, sagt der 62-Jährige, der einen Anwalt eingeschaltet hat. Ober etwas von seinem zu viel gezahlten Geld wiedersieht, steht jedoch in den Sternen.

Dahlke bietet auch an, dass sich zum gegenseitigen Austausch Menschen bei ihm melden können, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, Diskretion sichert er zu. Er ist unter Telefon (05 11) 77 38 94 sowie per E-Mail an Karl-Heinz.Dahlke@t-online.de erreichbar. Zunächst geht aber das Fernsehen auf Sendung. Wenn sich in der Programmplanung nichts mehr ändert, dann ist Dahlkes Fall am Montag, 2. Oktober, ab 20.15 Uhr in der Sendung „Markt im Dritten“ im NDR oder am Mittwoch in der ARD ab 21.45 Uhr in „Plusminus“.

Von Stephan Hartung

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