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Stadt nähert sich Oberschule an

Langenhagen Stadt nähert sich Oberschule an

Braucht Langenhagen eine Oberschule? Was ist das eigentlich? Arbeitet sie integrativ oder doch dreigliedrig? Die "Gesamtschulstadt Langenhagen" zeigt sich vorsichtig interessiert und lädt deshalb für den Bildungsausschuss im Juni einen Experten ein.

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Realschul-Rektor Thomas Kelber (links) erläutert am Runden Tisch die Beweggründe seines Kollegiums, sich für eine Oberschule auszusprechen.

Quelle: Neander

Langenhagen. Damit konnte Realschulleiter Thomas Kelber beim zweiten Runden Tisch der Stadt zur Zukunft der Langenhagener Schullandschaft immerhin einen kleinen, greifbaren Erfolg feiern. Viel mehr Konkretes als die Annahme Kelbers Vorschlag, sich Expertenwissen in die Stadt zu holen, konnte die knapp 30-köpfige Runde am Donnerstagnachmittag nach knapp zwei Stunden indessen nicht vorweisen. Ein Umstand, den Gesamtschulrektor Timo Heiken mitten im Stress der Abitur-Tage deutlich kritisierte.

Getroffen hatte sich die Runde eigentlich mit klar formulierten Fragestellungen: Welche Schulformen braucht Langenhagen? Wie viele Parallelklassen müssen stadtweit untergebracht werden? Wie werden die auf die Schultypen verteilt? Und wo ist überhaupt genügend Platz für die gegebenenfalls notwendigen Um-, An- und Neubauten? Dieser Klärungsbedarf resultiert aus der Elternbefragung durch das Planungsbüro Biregio.

Dass es auf diese Fragen am Ende keine wirklich weiterführenden Antworten gab, lag jedoch nicht nur an dem erst seit wenigen Tagen bekannten Wunsch des Realschul-Kollegiums, künftig als Oberschule an den Start gehen zu wollen. Auch Langenhagens Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch lieferte neue Details, die ebenfalls den Fragestellungen eine neue Dringlichkeit geben: So wird es in den nächsten Jahren nicht nur darum gehen, Platz für 518 zusätzliche Schüler an weiterführenden Schulen zu finden. Neue Berechnungen zum Zuzug von geflüchteten Kindern und Jugendlichen wie ein weiterhin strömender Zuzug von Neu-Langenhagenern aus den Umlandkommunen werden zusätzlich bis zu 500 weitere Schüler in die Flughafenstadt bringen. „Dies“, so Gotzes-Karrasch, „ist aber eine Risikoprognose, die in diesem Ausmaß nicht eintreten muss.“

Die überwiegende Zeit der Diskussion jedoch drehte sich um die Frage, ob das System einer Oberschule, in dem ähnlich einer kooperativen Gesamtschule im späteren Verlauf der Sekundarstufe  I drei unterschiedlich leistungsstarke Klassensysteme geformt werden, für Langenhagen gewollt ist. Aus den Reihen der CDU und des Gymnasiums erhielt der Vorstoß Kelbers viel Beifall. Und auch Mascha Brand, Leiterin der IGS-Süd, machte einmal mehr deutlich, dass eine Oberschule an der Rathenaustraße die Stellung ihrer ehemaligen Brinker Schule an der Angerstraße sehr gelegen komme. Aus den Reihen der SPD wurden indessen große Zweifel geäußert. „Es besteht das große Risiko, dass sich die übrigen Schulen all jener Kinder entledigen, mit denen sie nicht zurechtkommen, und sich mithilfe der Oberschule von diesen entlasten“, führte Wolfgang Kuschel (SPD-Ratsherr und langjähriger Rektor der IGS im Stadtkern) aus.

Kelber äußerte sich dankbar für die Einladung der Sozialdezernentin, für den Bildungsausschuss am 1. Juni einen externen Experten für Oberschulen als Referenten einzuladen – gab aber zugleich zwei Termine mahnend zu bedenken: „Wollen wir eine Oberschule beantragen, muss dies bis zum 31. Oktober geschehen sein. Und der Antrag für eine Ganztagsbetreuung muss bis zum Jahresende eingereicht sein.“

 

Ein Kommentar von Rebekka Neander

Wo ist das Problem?

Das Beste, was Kindern passieren kann, sind motivierte Lehrkräfte. Oder anders: Kein Schulsystem allein kann den Schaden auffangen, den frustrierte Pädagogen anrichten können. Wenn sich also ein Kollegium einer unter Beschuss stehenden Schule nahezu einmütig für das Prinzip der Oberschule ausspricht und sich dafür begeistern kann, spricht vieles dafür, diesem Wunsch nachzugeben.

Zumal in Langenhagen, der Stadt mit einem künftig niegelnagelneuen Gymnasium und gleich zwei Gesamtschulen – und dem nötigen Kleingeld, den Eltern die größtmögliche Vielfalt anbieten zu können. Ideologisch geprägte Diskussionen helfen da nicht weiter. Den Kindern zu allerletzt.

Und dass alles politische Gezänk nichts hilft, wenn man die Menschen an den Schulen nicht gewinnen kann, sollte Langenhagens Rat der Stadt spätestens im Laufe der Debatte um die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen verstanden haben. Dort herrscht bis heute eine Vielfalt der vollkommen ungleichen Angebote, mit der allerdings niemand zufrieden sein kann: Die Eltern in den Dörfern haben gar keine Auswahl.

 

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Realschul-Rektor Thomas Kelber (rechts) erläutert am Runden Tisch die Beweggründe seines Kollegiums, sich für eine Oberschule auszusprechen.

Quelle: Neander
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