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Fledermäuse sollen in den Keller ziehen

Langenhagen Fledermäuse sollen in den Keller ziehen

Inzwischen sind im Eichenpark acht Fledermausarten zuhause und verputzen im Sommer Mücken und andere Insekten. Damit sie den Winter überstehen, hat die Naturkundliche Vereinigung Langenhagen den Keller des Wasserturms zu einem Rückzugsort für die fliegenden Säuger umgebaut. Dabei halfen Schüler der IGS List.

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Anes (13, von links), Luca-Nic (13) und Julius (13) befestigen Fliesen, Porotonsteine und Betonklötze mit Hohlräumen an den Kellerwänden. Darin sollen Fledermäuse überwintern können.

Quelle: Oehlschläger

Langenhagen. Im Sommer hausen Fledermäuse im Eichenpark recht komfortabel. Tote Bäume werden aus Rücksicht auf die fliegenden Säugetiere nicht kurz vor der Wurzel gekappt, sodass ein paar Meter des Stamms zurückbleiben. Das alte Holz dient den Insektenjägern so weiter als Rückzugsort in den Sommermonaten. Und das wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt aus. "Wir haben inzwischen acht Fledermausarten im Eichenpark", berichtet Hans-Jürgen Ratsch, Vorsitzender der Naturkundlichen Vereinigung Langenhagen (NVL). Vor etwa zwanzig Jahren seien es lediglich fünf gewesen. "Seitdem haben wir es geschafft, gute Fledermausquartiere für den Sommer zu schaffen", sagt Ratsch. "Was noch nicht funktioniert, ist die Überwinterung."

Denn Fledermäuse sind bei ihrem Winterwohnsitz anspruchspruchsvoll. Hätten sie zu viel Zugluft, ließen sich die Tiere nicht nieder, erklärt Ratsch. Auch zu glatte Decken und Wände sowie zu trockene Luft zählten zu den Ausschlusskriterien der Fledertiere. "Die Fledermäuse umwickeln sich zum Winterschlaf mit ihren Flughäuten", sagt Ratsch. "Diese würden sonst austrocknen und die Tiere aus ihrem Winterschlaf nicht wieder erwachen."

Eine geeignete Lösung konnte die NVL im ehemaligen Wasserturm im Eichenpark finden. Die Kellerräume des alten Gemäuers garantierten eine hohe Luftfeuchtigkeit, sagt Ratsch. Nach Absprache mit der Stadt Langenhagen, mit der die NVL einen Mietvertrag über die Räume im Wasserturm abgeschlossen hat, wurde der Keller am Donnerstag für die Fledermäuse hergerichtet.

Dabei half die Forscherklasse 7f der IGS List, an der Hans-Jürgen Ratsch als Fachbereichsleiter Naturwissenschaften tätig ist. Im Laufe der Woche brachten sie unter Aufsicht von Bernd Rose vom Nabu Burgdorf-Lehrte-Uetze künstliche Fledermaus-Nistplätze im Kellergewölbe des Wasserturms an. Die Kellertür und Fenster wurden mit Folien und Steinen abgedichtet, so dass keine Zugluft in den Raum kommen kann. Lediglich durch kleine Schlitze können die Säuger nun noch hineingelangen. Ein künstliches Wasserbecken soll für die nötige Luftfeuchtigkeit sorgen.

Doch trotz aller Mühe der Naturschützer und Schüler ist ein Erfolg nicht garantiert. "Wenn es hier noch nach den Materialien riecht, könnten die Fledermäuse sagen: Es stinkt, hier bleibe ich nicht", erklärt Fledermaus-Experte Rose. Sollten sich ein bis zwei Tiere im kommenden Winter im Wasserturm niederlassen, sei dies laut Rose schon ein riesen Erfolg. "Und wenn es in den nächsten Jahren zwischen zehn und 15 Tiere wären, wäre das eine Sensation", so Rose.

Und auch die fleißigen Schülern lernten noch etwas über die Fledertiere. "Wie viele Mücken frisst eine Zwergfledermaus in einer Nacht?", fragte Rose die Kinder. Diese lagen bei ihren Schätzungen nah an seiner Antwort. "Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine Zwergfledermaus etwa 3000 Mücken frisst", antwortete der Naturschützer. Und das sei noch eine kleinere Fledermaus.

Von Nils Oehlschläger

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