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Geschichtsbewältigung als Flüchtlings-Chance

Langenhagen Geschichtsbewältigung als Flüchtlings-Chance

Wie lassen sich christliche Werte der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft mit gesellschaftlichen Notsituationen wie den derzeitigen Flüchtlingswellen vereinbaren? Dieser Frage geht die dreiteilige Vortragsreihe der Volkshochschule und des LieZa-Treffs der katholischen Pfarrgemeinde auf den Grund.

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Der Historiker Andreas Kossert berichtet von der Vertriebenen-Geschichte der Deutschen.

Quelle: Anna Feininger

Langenhagen. Der erste Teil der Vortragsreihe wagt einen Blick in die Vergangenheit. Derzeitige Flüchtlingswellen riefen bei vielen Deutschen Erinnerungen an die Kriegszeiten und den eigenen Heimatverlust wach, sagte Referent Andreas Kossert am Dienstagabend. „Diese Bundesrepublik ist ohne Flüchtlinge nicht zu denken“, formuliert es der Historiker und meint damit die von Vertreibungen begleitete Geschichte der Deutschen. Auch die katholische Kirchengemeinde ist erst nach dem Zuzug Vertriebener entstanden, ruft Dirk Heuwinkel von Liebfrauen in Erinnerung.

Heimatverlust bringt eine mental empfundene Wurzellosigkeit mit sich, die zu Lebenskrisen führte: „Wer sich seiner Heimat stets sicher sein konnte, musste sich nie Fragen nach seiner Identität stellen“, fasst Kossert das Gefühl mangelnder Zugehörigkeit zusammen. Schon „die fremden Deutschen“ der Nachkriegszeit, wie sie der Historiker nennt, seien nicht willkommen und abhängig von den Einheimischen gewesen. Für den Wiederaufbau Deutschlands waren sie unentbehrlich – und fühlten sich doch nur geduldet.

Diese innere und mentale Kluft bestehe noch immer, selbst wenn sie von außen nicht mehr zu sehen sei, resümiert Kossert. Ein Drittel der Niedersachsen könne auf eine eigene Geflüchtetenvergangenheit zurückblicken. Darin sieht Kossert eine Chance für mehr Verständnis, Anteilnahme und Empathie gegenüber Geflüchteten in der aktuellen Situation. Viele, die heute gegen Geflüchtete hetzen, seien sich nicht bewusst, dass ihre eigenen Großeltern Vertriebene waren, sagt Kossert: „Jeder hat seine Erfahrung zur deutschen Geschichte – aber auch seine eigene Meinung.“

Die nächsten Vorträge dieser Reihe finden in den kommenden zwei Wochen statt. Am Dienstag, 15. November, erläutert die Religionswissenschaftlerin Nina Käsehage ab 19 Uhr im Pfarrheim der Liebfrauen-Kirche, wie ein respektvolles Miteinander trotz verschiedener Kulturen und Religionen möglich ist, und Propst Martin Tenge spricht am Dienstag, 22. November, ab 19 Uhr im Pfarrheim der Zwölf-Apostel-Kirche über den Beitrag von Christen zur Integration von Geflüchteten. Die Eintritte sind frei.

Von Anna Feininger

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